Livin IT Trophy Gewinner Ulf Hallmann über Circul8: Globale Reporting-Infrastruktur

by Cansu Karacan

NEU im #ConfareBlog
Confare LivinIT-Trophy Gewinner Ulf Hallmann (Landbell Gruppe) über Circul8: Globale Reporting-Infrastruktur

Das sind die DACH-weit besten IT-Projekte und IT-Teams – ausgezeichnet mit der Confare Livin IT Trophy. Ausgewertet von einer Fachjury vergibt Confare den Award beim Confare CIOSUMMIT in Salzburg als Höhepunkt des allseits beliebten Networking Dinners.

Gewinner der Auszeichnung und unser heutiger Interviewgast ist Ulf Hallmann – CIO der Landbell Gruppe. Circul8 ist Landbell Groups cloudbasierte Softwarelösung für automatisiertes, internationales EPR‑Reporting – verantwortet von CIO Ulf Hallmann. Im Interview erfahren wir, wie das System technische und regulatorische Komplexität global bewältigt.

Was waren die technologischen und regulatorischen Treiber, die zur Entwicklung von Circul8 geführt haben – und wie unterscheiden sich Eure Ansätze von klassischen ERP- oder Reporting-Systemen?

Die Hauptantriebskräfte sind regulatorischer Natur. Europa und die Welt sind in verschiedene “Jurisdiktionen” unterteilt, in denen spezifische Regularien gelten. Es kann durchaus mehrere Jurisdiktionen innerhalb eines Landes geben. Auch wenn dort verkaufte Produkte identisch sind: Keine Jurisdiktion hat identische Vorschriften für die Hersteller. Daher ist die Ableitung der Reportingdaten aus ursprünglich gleichen Produktdaten ein pro Jurisdiktion und Regelung wiederkehrender Aufwand. Da sich die Regularien oft ändern, liegt das Potenzial für eine Automatisierung auf der Hand. Klassische Systeme konzentrieren sich auf ihre jeweilige Jurisdiktion. Wir hingegen betrachten das Thema global.

Die Harmonisierung nationaler Meldekategorien gilt als einer der größten Pain Points in der Circular Economy. Wie habt Ihr diesen Komplex in einem globalen System technisch gelöst?

Wir haben uns intensiv mit den Produkt- und Verkaufsdaten beschäftigt, welche die Grundlage aller Reportingdaten bilden. Diese Daten sind für Produzenten wesentlich einfacher zu handhaben als die Interpretation internationaler Regularien. Ein entscheidender Faktor ist das Format, in dem wir die Daten übernehmen, um eine internationale Automatisierung zu ermöglichen. Hierfür haben wir ein Schema entwickelt, das die unterschiedlichen Regularien logisch vereinheitlicht. Trotz der Komplexität ist dies sehr gut gelungen, und nur wenige Ausnahmen müssen individuell behandelt werden. Das ist wesentlich einfacher als die kontinuierliche Neuinterpretation der Daten für jede einzelne Jurisdiktion.

Welche Herausforderungen ergaben sich bei der Integration der verschiedenen Module (TM, PM, EPR) – insbesondere in Bezug auf Skalierung, Performance und Interoperabilität?

Eine der größten Herausforderungen bestand darin, von Anfang an groß zu denken. Während wir mit den Modulen TM und PM auf vertrautem Terrain waren, war EPR größtenteils Neuland für uns. Schnell war klar, dass EPR nicht auf demselben Tech Stack stattfinden konnte wie TM und PM. Dazu brauchte es ein komplett neues Team. Unser Ziel war es, Systeme zu schaffen, die mit der wachsenden Anzahl und Größe unserer Kunden skalieren. Dabei mussten wir sicherstellen, dass der Wert unserer Daten erhalten bleibt, auch wenn sie ständig wachsen und komplexer werden. Zudem arbeitet das System bei Abrechnungs- und Reporting-Tätigkeiten periodisch. Daher mussten die Algorithmen von Anfang an effizient sein, um Engpässe an Stichtagen zu vermeiden.

Wie nutzt Ihr heute den entstehenden Datenschatz für Simulationen, Forecasting und die Weiterentwicklung in Richtung einer prädiktiven Circular Economy?

Wir stehen noch am Anfang, und wie Du richtig sagst, ist unser Datenschatz im Aufbau. Für präzise Prognosen benötigen wir eine ausreichende Datenbasis. Dank der bereits vorhandenen strukturierten Daten sind Simulationen jedoch schon jetzt gut umsetzbar. So können wir beispielsweise in einem “Playground” des Kostenrechnungsmodells verschiedene Parameter austauschen. Dies liefert wertvolle Erkenntnisse zur Produktoptimierung. Beispielsweise kann der Wechsel einer Verpackungskomponente entscheidende Auswirkungen haben, die in verschiedenen Märkten unterschiedlich ausfallen können.

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Welche konkreten Anwendungsfälle seht Ihr bei internationalen Herstellern, und wie verändert Circul8 deren Blick auf Produktdesign, Compliance und Kostenplanung?

Je internationaler der Hersteller, desto größer die Hebelwirkung. Eine erhöhte Effizienz und Transparenz im Reporting eröffnet neue Horizonte für Planung und Optimierung. Früher war man zufrieden, wenn das Reporting termingerecht und möglichst fehlerfrei war. Heute kann man dieses Reporting als solide Basis nutzen, um zentrale Fragen zu klären: „Verkaufe ich auch in Zukunft noch das richtige Produkt?“, „Setze ich die richtigen Rücknahmedienstleister ein?“, oder „Wie bringe ich Materialien im Sinne nachhaltigerer Produkte wieder in den Produktionskreislauf?“.

Regulatorische Rahmenbedingungen wie der EU Green Deal und das Circular Economy Package sind in ständiger Bewegung – wie fließen diese Entwicklungen in Eure Systemarchitektur und Roadmap ein?

Hier zeigt sich das eingangs erwähnte “große Denken”. Unser Ziel ist es, unser System nicht bei jeder regulatorischen Änderung grundlegend überarbeiten zu müssen. Einmal programmiert, kann unser System durch Konfiguration an die verschiedenen gesetzlichen Anforderungen angepasst werden. Natürlich ist dies nicht immer so einfach, wie es klingt. Unsere Softwareentwicklung wird sich auch weiterhin in agiler Weise ständig neuen Anforderungen stellen müssen.

Der Aufbau eines interkulturellen Teams während der Pandemie ist beachtlich – was hat Euch geholfen, Talente für ein vermeintlich trockenes Thema wie „Abfallmanagement“ zu begeistern?

Vielen Dank für das Kompliment. Das Wort, das mir hierzu sofort einfällt, ist Authentizität. Unsere Begeisterung ist “echt”. Talente erkennen schnell, wer seine Ideen mit Leidenschaft lebt. Es ist immer wieder beeindruckend zu sehen, wie diese Leidenschaft andere inspiriert, die richtigen Fragen zu stellen und, was noch wichtiger ist, die richtigen Antworten zu finden. Vertrauen ist die Quelle von Begeisterung.

Warum ist es wichtig, erfolgreichen IT-Projekt-Teams eine Bühne zu bieten und sie auszuzeichnen?

Das Wort “Begeisterung” fiel bereits, und es geht hier wirklich um Emotionen. Ich finde die Idee hervorragend, jene ins Rampenlicht zu stellen, ohne die all unsere beeindruckenden Lösungen nicht möglich wären – jene, die zur Stelle sind, wenn es brenzlig wird, und jene, die an Ihr Produkt glauben, ohne es selbst täglich zu nutzen. Die Leistungen dieser Menschen sind keine Selbstverständlichkeit. Es ist schön, Ihnen auf diese Weise Respekt zu zeigen und ihnen etwas zurückzugeben.

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