Jede dritte IT-Stelle bei der Mobiliar soll weiblich besetzt werden – CIO Thomas Kühne: Die IT zu einer attraktiven Arbeitgeberin für Frauen machen

by Fernando Ducoing

Seit vielen Jahren zeichnet Confare Digital Leaders und CIOs im DACH Raum aus. Die Anzahl von Frauen unter den Preisträgern ist erschreckend gering. Auch auf den IT-Management Events sind vergleichsweise wenig Frauen im Publikum. Moderne IT-Chefs verstehen, dass mehr Frauen im Team deutliche Vorteile bringen – Gender Diversity schafft den Raum für mehr Kreativität, bessere Zusammenarbeit und mehr Innovationskraft. In Zeiten des Fachkräftemangels kann man es sich ausserdem überhaupt nicht mehr erlauben, 50 % der Menschheit aussen vor zu lassen.

Confare startet daher 2021 das erste Female IT-Leadership Mentoring am 1. und 2. September in Wien. Bewerbungen werden ab sofort entgegengenommen.

IT-Chefs nehmen das Ziel ernst. Thomas Kühne, CIO der Mobiliar, hat sich zum Ziel gesetzt Gender Diversity zum fixen Bestandteil der Unternehmenskultur zu machen. Im Bloginterview im Vorfeld des Confare Swiss #CIOSUMMIT verrät er, was es braucht, um dieses Ziel auch tatsächlich zu erreichen.

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Welche Bedeutung hat denn Gender Diversity für ein Unternehmen? Welche Vorteile bringt ein ausgewogeneres Geschlechterverhältnis?

Vielfältig zusammengesetzte Teams sind aus meiner Sicht ein zentraler Erfolgsfaktor in der agilen Welt. Denken wir aus der Perspektive unserer Anwender – das sind schon lange nicht mehr nur männliche Ingenieure, sondern zu gleichen Teilen auch Anwenderinnen. Wollen wir also mit unseren Lösungen einer Vielzahl von Anwendenden gerecht werden, ist auch eine hohe Diversität in der Rolle der Entwickelnden nötig.

Ein Drittel der zu besetzenden Stellen in Ihrem Geschäftsbereich sollen in Zukunft weiblich besetzt werden. Welche Massnahmen braucht es dazu?

Wichtig ist die gezielte Ansprache von Frauen in Job-Inseraten. So haben wir die Arbeitspensen an Teilzeitmodelle angepasst und schreiben jede freie Stelle in einem Pensum von 40 bis 100 Prozent aus. Damit können wir Vakanzen im Jobsharing besetzen. Auch die Bildsprache soll die Diversität widerspiegeln. Wenn immer möglich werden Frau und Mann gezeigt, im Zweifelsfall nur weibliche Personen. In Texten werden weiblich konnotierte Eigenschaften und Wörter genannt (Soft Skills, persönlichkeitserklärende Adjektive).

Was kann man als CIO tun, um die IT zu einer attraktiven Arbeitgeberin für Frauen zu machen?

Aus meiner Sicht können wir den Frauenanteil nur mit einer harten Quote erhöhen. Auf Basis von Freiwilligkeit hat sich in der Gesellschaft bisher zu wenig bewegt. Deshalb habe ich für meinen Geschäftsleitungsbereich Anfang 2020 eine Frauenquote von dreissig Prozent für Neu- und Ersatzrekrutierungen eingeführt. Das heisst: Jede dritte rekrutierte Person im Bereich IT bei der Mobiliar muss eine Frau sein. Finden wir keine Frau, ist die Rekrutierung kompromisslos gestoppt.

Dieses Ziel haben wir 2020 sogar übertroffen: Wir rekrutierten im letzten Jahr beinahe 40 Prozent Frauen. Gleichzeitig ist es uns gelungen, den Anteil weiblicher Führungskräfte zu verdoppeln – er beträgt inzwischen 20 Prozent.

Um als Arbeitgeberin für Frauen attraktiv zu sein, sind auch die erwähnten Massnahmen wichtig: Gezielte Ansprache in Job-Inseraten, Teilzeitmodelle und Jobsharing – damit wir auch für Frauen attraktiv sind, die sich nicht zwischen Familie und Karriere entscheiden möchten oder können. Natürlich nutzen wir auch innerhalb der IT die von der Mobiliar generell bereitgestellten Rahmenbedingungen wie Flexible Arbeitsmodelle, Homeoffice, Kinderkrippe etc.

Im Rahmen spezifischer Aktivitäten unter dem Oberbegriff «Seeing is believing» suchen wir gezielt nach Mitarbeiterinnen, die ihr Expertinnen-Wissen und ihre persönlichen Erfahrungen mit anderen teilen, ihre Erfolge kommunizieren, andere mit ihren eigenen Haltungen und Erlebnissen motivieren und anspornen. Damit wollen wir unseren IT-Frauen intern und extern mehr Visibilität verleihen und positive Rollenmodelle vermitteln.

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Was sind denn Ihre 3 wichtigsten Tipps an junge Frauen, die in der IT oder in der IT-Branche Karriere machen wollen?
  1.  Junge Frauen sollen Selbstbewusstsein zeigen und selbstbewusst auftreten
  2. Sie sollen fordern: Die Arbeitswelt ist immer noch männlich dominiert. Frauen müssen deshalb ihre Ansprüche auch bewusst einfordern
  3. Eine gute Ausbildung machen – sie bildet die Basis für eine Karriere
Wo gibt es denn aus Ihrer Sicht die größten Handlungsfelder in Unternehmen und in der Gesellschaft, um diese Situation zu verbessern?
  • Es ist wichtig, dass Unternehmen, Schulen und die Gesellschaft überhaupt, Mädchen und junge Frauen schon vor der Berufswahl aktiv für ICT-Berufe motivieren und aktivieren, damit deren Zahl schon beim Berufseinstieg höher wird.
  • Wie oben erwähnt: Das Schlüsselelement ist für mich eine Frauenquote.
  • Massnahmen, die sicherstellen, dass Frauen nach Geburten, entweder im Berufsleben verbleiben können oder ein schneller Wiedereinstieg vereinfacht wird.
  • Es braucht weibliche Vorbilder.
Welche Rolle spielen Mentoring und Coaching?

Thomas Kühne, CIO Die MobiliarEine wichtige. Wir haben im letzten Jahr ein spezifisches Mentoring-Programm eingeführt. Mitarbeiterinnen mit Karriere-Ambitionen (IT-Mentee) werden aktiv durch ein Mitglied des erweiterten Führungsteams des Geschäftsbereiches IT (Sponsor) gefördert. Mit dieser Massnahme wollen wir sicherstellen, dass Mitarbeiterinnen die gleichen Chancen zum Weiterkommen haben wie männliche Kollegen. Zudem haben wir vermehrt den Kontakt zu externen IT-Frauennetzwerken gesucht. Ich möchte, dass die Mobiliar als eine der besten Arbeitgeberinnen der Schweiz mit erfolgreichen Frauen in IT-Berufen Vorbilder schafft, an denen sich Mädchen und junge Frauen orientieren können. Zu diesem Zweck wollen wir ein spezielles IT-Frauennetzwerk nutzen, um Bedürfnisse unserer Mitarbeiterinnen vorwegzunehmen und ihnen noch besser entsprechen zu können. Deshalb engagiert sich die Mobiliar als Nationaler Sponsor bei ICT Scouts und Campus. Damit leistet die Mobiliar einen langfristigen Beitrag zur Diversity bei der IT. Weitere Netzwerke sollen hinzukommen.

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