Motivation kann man machen – Confare Female Motivation Talk mit Isabella Mader

by Cansu Karacan

Female Motivation Talk: „Motivation kann man machen“ – Isabella Mader über Karriere, Technologie und Mentoring

Motivation entsteht für Isabella Mader durch Tun. Dieser Gedanke zieht sich durch ihren beruflichen Weg ebenso wie durch das Gespräch mit Barbara Klinka-Ghezzo im Female Motivation Talk.

Mader verbindet Informationswissenschaft, Wirtschaft und Wirtschaftspsychologie, war selbst CIO eines Softwareunternehmens, arbeitet seit vielen Jahren in Forschung und Lehre und begleitet junge Menschen bei ihrer beruflichen Entwicklung. Als Mitglied der Confare CIOAWARD Jury erlebt sie außerdem regelmäßig, welche Faktoren erfolgreiche IT-Führung prägen.

Im Gespräch mit Barbara geht es deshalb weit über klassische Karrierefragen hinaus. Es geht um Motivation und Lernen, den menschlichen Faktor in der IT, den Umgang mit AI, die Bedeutung von Mentoring und die Frage, wie Frauen ihren beruflichen Weg aktiv verfolgen können.

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Motivation beginnt mit dem Tun

Eine Frage begegnet Isabella Mader in der Lehre regelmäßig: Woher kommt Motivation?

Ihre Antwort ist knapp:

„Motivation kann man machen.“

Mader beschreibt Motivation als etwas, das häufig durch den ersten Schritt entsteht. Wer auf die passende Stimmung wartet, kann lange warten. Wer beginnt, erlebt erste Ergebnisse und schafft damit die Grundlage für den nächsten Schritt.

Das veranschaulicht sie mit einem einfachen Beispiel: zehn Liegestütze machen, am nächsten Tag wieder zehn und dabei erleben, dass aus der Aktivität weitere Motivation entstehen kann. Bewegung, Musik oder bildnerische Kunst können ähnliche Prozesse auslösen.

Dieser Gedanke lässt sich unmittelbar auf berufliche Entwicklung übertragen. Ausbildung, Weiterbildung und neue Aufgaben sind zunächst Investitionen. Der Nutzen zeigt sich oft erst später.

„Ohne Investition gibt’s keinen Return.“

Dabei denkt Mader keineswegs ausschließlich an ein Studium. Eine Lehre, fachliche Weiterbildung oder jede andere Form, Fähigkeiten aufzubauen, kann dieselbe Funktion erfüllen. Entscheidend ist die Bereitschaft, in die eigene Entwicklung zu investieren.

IT bleibt ein Geschäft mit Menschen

Maders eigene berufliche Laufbahn liefert dafür einige praktische Erfahrungen. Als CIO begleitete sie die Sanierung eines europaweit tätigen Softwareunternehmens. Neben technischen, vertraglichen und wirtschaftlichen Aufgaben wurde dort schnell sichtbar, welchen Einfluss die Zusammenarbeit im Unternehmen hat.

Bei einer der ersten Videokonferenzen eskalierte die interne Auseinandersetzung bereits nach wenigen Minuten. Nachdem sich das beim nächsten Termin wiederholte, reagierte Mader deutlich:

„Wenn wir uns da gegenseitig fertig machen, dann brauchen wir keine Konkurrenz.“

Der Satz führte zu einer Veränderung in der Zusammenarbeit. Aus der zerstrittenen Gruppe entwickelte sich nach ihrer Beobachtung ein eng zusammenarbeitendes Team.

Eine weitere Erfahrung aus dieser Zeit klingt zunächst wesentlich unspektakulärer. Die CFO brachte einen kleinen Hund mit ins Großraumbüro der Softwareentwickler. Der Hund wanderte durch das Büro, wurde gestreichelt und gefüttert und veränderte die Atmosphäre im Team spürbar.

Für Mader war das eine bemerkenswert erfolgreiche Intervention. Dahinter steht für sie eine grundsätzliche Beobachtung: Auch in technologiegeprägten Organisationen bleibt der Mensch ein soziales Wesen.

Das frühere Bild einer IT, die irgendwo im Keller sitzt und vor allem Maschinen betreibt, passt längst nicht mehr zu den Anforderungen moderner IT-Organisationen. CIOs arbeiten mit zahlreichen Fachbereichen, führen Teams, begleiten Veränderungen und müssen verstehen, was das Business benötigt.

Mader beobachtet deshalb gerade bei erfolgreichen CIOs eine starke soziale Komponente. Menschen einzubeziehen, ihnen Raum zu geben und sie auf die Bühne mitzunehmen, gehört aus ihrer Sicht zu den Fähigkeiten, die erfolgreiche IT-Führung prägen.

Was generative AI mit Sprache zu tun hat

Maders Verbindung von Informationswissenschaft und Psychologie bietet auch einen interessanten Zugang zur aktuellen AI-Diskussion.

Schon während ihres Studiums beschäftigte sie sich damit, wie Maschinen Informationen verarbeiten und wie diese Prozesse mit der Informationsverarbeitung des menschlichen Gehirns zusammenhängen. Sprache spielt dabei eine wesentliche Rolle.

Zunächst gibt es Syntax, also die Regeln einer Sprache. Ein Satz kann grammatikalisch korrekt aufgebaut sein und trotzdem keinen sinnvollen Inhalt ergeben. Mader verwendet dafür ein anschauliches Beispiel:

„Eine Kuh strickt den Himmel.“

Grammatik allein reicht für Sprache also nicht aus. Entscheidend ist zusätzlich die Semantik, der Bedeutungszusammenhang von Wörtern. Ein Fenster kann Teil eines Gebäudes sein oder ein Element einer Softwareoberfläche. Erst der Kontext bestimmt, welche Bedeutung gemeint ist.

Diese Zusammenhänge sind so umfangreich, dass sie sich nicht vollständig von Hand programmieren lassen. Große Mengen an Text ermöglichen es Modellen, entsprechende Zusammenhänge zu errechnen. Genau dort liegt für Mader auch eine Ursache dafür, dass generative AI anders behandelt werden muss als klassische Software.

Wer mit Excel groß geworden ist, erwartet von IT häufig reproduzierbare Ergebnisse. Generative Systeme basieren auf einer anderen Logik. Deshalb gehört für Mader zum kompetenten Umgang mit AI auch das Verständnis dafür, wie solche Systeme arbeiten und wo ihre Grenzen liegen.

Diese Fähigkeit wird wichtiger, je stärker AI in Arbeitsprozesse einzieht. Mader beschäftigt sich in der Lehre beispielsweise mit Machine-Learning-Modellen in der medizinischen Bildanalyse, Emotion AI oder Anwendungen rund um autonomes Fahren. Gerade dort zeigt sich, dass Maschinen in einzelnen Bereichen Muster erkennen können, die Menschen schwer wahrnehmen, während technologische Versprechen in anderen Bereichen wesentlich langsamer Realität werden als angekündigt.

Technologiekompetenz bedeutet für sie deshalb auch, Möglichkeiten realistisch beurteilen zu können.

Lehre als langfristige Begleitung

Dass Isabella Mader heute unterrichtet, war ursprünglich nicht Teil eines langfristigen Karriereplans. Als ein Professor für Strategie in Pension ging, wurde sie als Nachfolgerin empfohlen.

Das ist inzwischen 15 Jahre her.

Über diesen Zeitraum hat sie nach eigener Schätzung zwischen 1.500 und 2.000 Studierende begleitet. Besonders interessant findet sie dabei, welche Fragen junge Menschen stellen und wie sich ihre Karrierewege anschließend entwickeln.

In einem Studiengang zur Psychologie im Software Engineering beginnt eine Lehrveranstaltung beispielsweise mit Fragen wie: Was ist Glück? Was ist Motivation? Wie entsteht Motivation?

Viele dieser Themen beschäftigen Studierende über Generationen hinweg. Gleichzeitig erlebt Mader ihre Studierenden optimistischer, als es manche gesamtgesellschaftliche Diskussion über junge Menschen vermuten lässt. Wer eine Ausbildung beginnt, investiert bereits in die eigenen Möglichkeiten und beschäftigt sich damit, welchen Weg er einschlagen möchte.

Interessant ist auch ihre Erfahrung mit Frauen in technischen Ausbildungen. Vor rund 15 Jahren erlebte sie Jahrgänge mit vier Frauen unter 24 Studierenden. Beim Studiengang Design of Digital Products, den Professorin Martina Gaisch mit aufgebaut hat, waren im ersten Jahrgang ungefähr zwei Drittel der 36 Studierenden Frauen.

Der Studiengang verbindet Softwareentwicklung mit Psychologie, digitalem Produktdesign, AI und IT-Projektmanagement.

Für Mader zeigt dieses Beispiel, dass der Frauenanteil in technischen Berufen auch davon beeinflusst wird, wie Ausbildung konzipiert und vermittelt wird. Technik steht dabei in einem direkten Zusammenhang mit Menschen, Produkten und konkreten Anwendungen.

Mentoring kann Karrierewege beschleunigen

Aus der langjährigen Arbeit mit Studierenden ist für Mader auch eine Form des Mentorings entstanden. Ehemalige Studierende kommen mit konkreten Fragen auf sie zu: Wie gehe ich mit einer schwierigen Situation um? Wie werde ich mit meiner Leistung sichtbar? Was tue ich, wenn ein Vorgesetzter Ergebnisse präsentiert, ohne meinen Beitrag ausreichend zu erwähnen?

Solche Situationen gemeinsam durchzugehen, hält sie für besonders wertvoll.

Ein Gedanke ist ihr dabei wichtig:

„Man kann nicht alle Fehler selber machen.“

Erfahrungen anderer können helfen, bestimmte Situationen früher zu verstehen. Ein Mentor kann Möglichkeiten zeigen, Feedback geben und Türen öffnen. Entscheiden und handeln muss die betreffende Person weiterhin selbst.

Gerade für Frauen sieht Mader darin einen wichtigen Ansatz. Karriere entsteht selten ausschließlich über formale Qualifikationen. Menschen, die Erfahrungen weitergeben, Kontakte herstellen und bei konkreten Entscheidungen unterstützen, können einen beruflichen Weg erheblich beeinflussen.

Ihre Aufforderung ist entsprechend praktisch:

„Du kannst natürlich nur zuschauen, aber du kannst mitspielen auch.“

Mitspielen bedeutet für sie, sich zu informieren, qualifiziertes Feedback zu suchen, Möglichkeiten wahrzunehmen und Verantwortung für die eigenen Entscheidungen zu übernehmen.

Dazu gehört auch die Fähigkeit, Feedback zu bewerten. Mader unterscheidet sehr deutlich zwischen qualifizierter Kritik und Angriffen in sozialen Medien. Entscheidend ist für sie die Frage: Wer gibt mir diese Rückmeldung, und welche Erfahrung hat diese Person in dem betreffenden Bereich?

Konstruktive Kritik kann dabei ausgesprochen wertvoll sein. Wer sich mit der Entwicklung eines anderen Menschen beschäftigt und Verbesserungspotenziale anspricht, investiert schließlich auch Zeit und Aufmerksamkeit.

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Den eigenen Weg aufbauen und schützen

Einen weiteren Gedanken beschreibt Mader über das Bild der Jahreszeiten.

Im Winter geht wenig auf. Im Frühling zeigen sich erste Ergebnisse. Im Sommer steht das Korn auf dem Feld. Gleichzeitig entstehen neue Aufgaben: Das, was aufgebaut wurde, muss geschützt werden. Im Herbst kann geerntet werden.

Diese Vorstellung veränderte auch ihren Umgang mit beruflichen Konflikten.

Als ein Verband ein von ihr entwickeltes Konzept publizieren wollte, reagierte sie pragmatisch: Die Nutzung war möglich, hatte aber einen Preis. Der entscheidende Punkt lag für sie darin, den Wert der eigenen Arbeit selbst zu vertreten.

Auch das gehört für Mader zur Verantwortung für die eigene Karriere. Wer etwas aufbaut, muss lernen, damit professionell umzugehen, Grenzen zu setzen und den eigenen Beitrag angemessen zu vertreten.

Gerade für Frauen in der IT verbindet sich dieser Gedanke mit der Bedeutung von Netzwerken und Communities. Erfahrungen anderer können zeigen, wie bestimmte Situationen gelöst wurden, welche Karrierewege möglich sind und welche Entscheidungen sich bewährt haben.

Der Female Motivation Talk mit Barbara Klinka-Ghezzo schafft dafür einen zusätzlichen digitalen Raum. Erfahrungen, die sonst häufig im persönlichen Austausch entstehen, werden damit für mehr Frauen zugänglich.

Isabella Maders Gedanke dazu ist dabei konsequent: Auf den passenden Moment zu warten, hilft nur begrenzt. Lernen, ausprobieren, Kontakte nutzen und selbst aktiv werden schaffen Möglichkeiten.

Oder, wie sie es im Gespräch formuliert: „Motivation kann man machen.“

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