Österreich digital: Zehn ausgezeichnete IT-Projekte zeigen, wie Digitalisierung gelingt

by Cansu Karacan

Österreich digital- Zehn ausgezeichnete IT-Projekte zeigen, wie Digitalisierung geling

100 Gbit/s für den Eurovision Song Contest, sichere KI für 70.000 Mitarbeiter, ein neues Netzwerk für mehr als 2.100 Standorte und eine gemeinsame Datenbasis über zehn Länder: Beim Confare CIOSUMMIT Salzburg wurden zehn Projekte mit der LivinIT Trophy 2026 ausgezeichnet. Sie zeigen, wie unterschiedlich erfolgreiche Digitalisierung heute aussieht – und wie viel davon in österreichischen Unternehmen und öffentlichen Organisationen bereits umgesetzt wird.

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Salzburg, 29. September 2026. Wenn über Digitalisierung in Österreich gesprochen wird, geht es häufig um das, was noch fehlt, zu langsam geht oder nicht funktioniert. Beim Confare CIOSUMMIT Salzburg standen zehn Projekte auf der Bühne, die einen anderen Teil der Realität zeigen.

Für den Eurovision Song Contest wurde in weniger als acht Monaten eine vollständige IT-Infrastruktur für eines der größten Live-Events der Welt aufgebaut. Die Stadt Wien macht generative KI für rund 70.000 Mitarbeiter nutzbar. Die Österreichische Post erneuert das Netzwerk von mehr als 2.100 Standorten. PBS schafft aus 14 unterschiedlichen ERP-Systemen eine gemeinsame Datenbasis über Ländergrenzen hinweg.

Andere ausgezeichnete Teams digitalisieren Gebäudebegehungen, reduzieren mit KI den Aufwand für Wortprotokolle, stellen die IT-Organisation selbst neu auf, bringen parlamentarische Arbeit auf das Smartphone oder führen eine internationale SAP-Transformation durch.

„Aus zehn Projekten wird noch keine Digitalisierungsbilanz für ein ganzes Land“, sagt Michael Ghezzo, Gründer und Geschäftsführer von Confare. „Aber sie zeigen sehr konkret, was bereits passiert. Das sind keine PowerPoint-Projekte. Hier wurden Systeme umgestellt, Daten zusammengeführt, Prozesse verändert und neue Services tatsächlich in Betrieb genommen.“

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Worauf die Jury schaut

Partner der Confare LivinIT Trophy ist EY Österreich. Die Jury wird von Gottfried Tonweber, Partner Cyber Security & Data Privacy bei EY, geleitet. Neben Innovation betrachtet sie insbesondere Business Impact, messbaren Nutzen und die Akzeptanz eines Projekts in der Organisation.

Tonweber sieht darin auch ein Gegenbild zur oft skeptischen Wahrnehmung des Digitalstandorts: „Es macht mich schon ein bisschen stolz zu sehen, wie viele Innovationsprojekte wir in Österreich tatsächlich generieren.“

In diesem Jahr wurden zehn Projekte mit sehr unterschiedlichen Aufgabenstellungen ausgezeichnet.

„Bei der LivinIT Trophy interessieren uns nicht nur die großen Technologieschlagworte“, sagt Barbara Klinka-Ghezzo, Geschäftsführerin von Confare. „Wir wollen wissen, was ein Team tatsächlich verändert hat. Ist aus einer Idee etwas geworden, das funktioniert, genutzt wird und für die Organisation einen Unterschied macht? Genau das zeigen diese Projekte.“

ORF ESC – Technische Exzellenz und Mission-Critical Reliability

Mehr als 120 Menschen von ORF, A1, Wiener Stadthalle und Wien Holding bauten in weniger als acht Monaten die IT-Infrastruktur für den Eurovision Song Contest 2026 auf. 100 Gbit/s Bandbreite, mehr als 360 Access Points und über zehn getrennte Netzwerke versorgten Produktion, Delegationen, Medien und Mitarbeitende. Über eine eigens entwickelte Verbindung zum Akkreditierungssystem erhielten unter anderem 1.200 Journalist und 36 Delegationen Zugriff auf die jeweils vorgesehenen Netzwerke.

Die Herausforderung lag nicht nur in der Dimension. Während Aufbau und Betrieb kamen laufend neue Anforderungen hinzu. Zusätzliche Verbindungen mussten kurzfristig geschaffen, Geräte neu angebunden und Routing-Regeln angepasst werden.

Trotzdem blieb ein Grundsatz bestehen. David Reinecker, IT-Manager ESC 2026 beim ORF: „Auch unter enormem Zeitdruck durften wir bei der Security keine Abkürzungen nehmen.“

Ein Großteil dieser Arbeit blieb für das Publikum zwangsläufig im Hintergrund. Reinecker bringt es auf den Punkt: „Denn tatsächlich sind unsere Leistungen für das Publikum nahezu vollständig unsichtbar.“

Gerade bei einem Live-Event dieser Größenordnung gehört diese Unsichtbarkeit zum Erfolg des Projekts.

WienKI – Sichere KI für die Verwaltung

Mit WienKI hat die Stadt Wien generative KI nicht als einzelnes Tool eingeführt, sondern Technologie, Governance und Befähigung gemeinsam gedacht.

Die Plattform richtet sich an rund 70.000 Mitarbeiter. Austauschbare Modelle und offene Standards gehören ebenso zum Konzept wie klare Leitplanken, verpflichtende E-Learnings und eine eigene Lern-Community.

„Das Besondere an WienKI ist, dass wir moderne Technologie, Souveränität, Interoperabilität und Organisation zusammen gedacht haben“, sagt Michel Seehuber.

Im Arbeitsalltag werde Wissen schneller auffindbar und wiederkehrende Textarbeit unterstützt. Gleichzeitig bleibt ein Grundsatz bestehen: „Die Verantwortung bleibt dort, wo sie hingehört: beim Menschen.“

Transkripo, IKT Linz – Beste praxisnahe KI-Lösung

Ein fertiges Wortprotokoll einer mehrstündigen Gemeinderatssitzung konnte bislang rund 200 Arbeitsstunden erfordern. Aufnahmen mussten wiederholt angehört, Sprecher erkannt, Namen überprüft und Inhalte manuell verschriftlicht werden.

Transkripo automatisiert einen großen Teil dieses Prozesses. Die Lösung läuft auf eigener Infrastruktur in den Rechenzentren der IKT Linz und kombiniert Eigenentwicklung mit Open-Source-Technologien. Die menschliche Arbeit verschiebt sich vom Abtippen hin zu Kontrolle und Qualitätssicherung.

Für Markus Hein, Geschäftsführer der IKT Linz, zeigt das Projekt noch etwas anderes: „Transkripo zeigt, dass innovative KI-Lösungen nicht zwingend von internationalen Technologiekonzernen kommen müssen.“

BIG Begehungsapp – Beste nutzerzentrierte Digitalisierung

Bei Gebäudebegehungen waren Informationen zuvor auf unterschiedliche Werkzeuge, Formate und Ablagen verteilt. Das digitale Begehungsportal der BIG verbindet nun mobile Offline-Erfassung, Fotos, Planpositionen, strukturierte Dokumentation, Berichterstellung und KI-Unterstützung in einem durchgängigen Prozess.

Dass die Anwendung im Arbeitsalltag angekommen ist, zeigt die Nutzung: Mehr als 1.500 Berichte wurden innerhalb der ersten sechs Monate erstellt.

„Mit mehr als 1.500 erstellten Berichten in nur sechs Monaten hat sie die Qualität und Nachvollziehbarkeit unserer Begehungen erhöht und aus verteilten Informationen ein wertvolles digitales Objektgedächtnis geschaffen“, sagt Lukas Nöbauer.

Der Begriff „digitales Objektgedächtnis“ beschreibt dabei einen wesentlichen Mehrwert: Aus einzelnen Begehungen entstehen strukturierte Informationen, die erhalten bleiben und später wieder genutzt werden können.

International BI Cube, PBS – Beste Daten- und Analytics-Vision

PBS schafft aus einer dezentralen Landschaft mit 14 ERP-Systemen in zehn Ländern eine gemeinsame Datengrundlage, ohne dafür die lokale Verantwortung der einzelnen Länder abzuschaffen.

Die Ergänzungen in den bestehenden ERP-Systemen wurden bewusst auf wenige Datenfelder begrenzt. Seit Juli 2026 arbeiten Österreich und Deutschland erstmals mit einem gemeinsamen Artikelschlüssel und einheitlichen Definitionen. Damit entsteht unter anderem die Grundlage für internationale Einkaufsvergleiche, weitere Länder-Rollouts, Sortimentssteuerung und Fernost-Importe.

„Erfolgreich ist das Projekt vor allem deshalb, weil es nicht bei der Technologie stehen bleibt, sondern Menschen aus zehn Ländern freiwillig auf eine gemeinsame Sprache und einen verbindlichen Kern zusammenbringt“, sagt Florian Brückl, Business Intelligence Manager bei PBS Logitek Dienstleistungen.

Die Philosophie dahinter bringt PBS auf einen kurzen Satz: „So lokal wie möglich, so zentral wie nötig.“

SNOWHITE, ZKW – Bester Business Case und Automatisierungsansatz

Bei ZKW setzt SNOWHITE dort an, wo IT normalerweise selbst Dienstleister ist: bei den eigenen Prozessen.

End-to-End-Prozesse des IT-Managements werden auf Basis von ServiceNow zusammengeführt, Daten und Verantwortlichkeiten durchgängiger sichtbar gemacht. Gleichzeitig verändert die Plattform die Zusammenarbeit innerhalb der IT. Verantwortlichkeiten werden neu geordnet, bereichsübergreifende und virtuelle Teams gewinnen an Bedeutung.

Martin Buresch, GVP IT & Digitalization bei ZKW, beschreibt den Anspruch mit einem einfachen Bild: „Der Schuster soll auch die besten Schuhe haben.“

Für ihn gehört zur Auszeichnung aber auch die Anerkennung der Menschen hinter solchen Projekten: „IT-Mitarbeiter stehen ungerne im Rampenlicht, und wenn es gut läuft, ist man meist intrinsisch zufrieden – unter dem Motto: ‚Wir haben es wieder geschafft.‘ Eine Bühne zum Feiern ist meist nicht vorhanden, hier bietet die Confare Raum und Zeit dies nachzuholen.“

Mein Parlament App – Größter gesellschaftlicher und demokratischer Nutzen

Nicht jede Digitalisierung zielt auf Effizienz oder Unternehmensprozesse. Die App „Mein Parlament“ soll den Zugang zu parlamentarischer Arbeit erleichtern.

Plenarsitzungen von Nationalrat und Bundesrat können live verfolgt werden. Redner, Tagesordnungen und Anträge stehen direkt in der App zur Verfügung. Nutzer können sich per Push-Nachricht über ausgewählte Debatten oder Wortmeldungen informieren lassen; auch der Livestream in Österreichischer Gebärdensprache ist integriert.

Peter Reichstädter, CIO des Österreichischen Parlaments, beschreibt die besondere Verantwortung dahinter so: „Die IT im Parlament ist ein zentraler Bestandteil der Infrastruktur unserer Demokratie. Sicherheit und Stabilität stehen daher an oberster Stelle.“

Die Mein Parlament App zeigt, dass diese Infrastruktur nicht nur zuverlässig funktionieren muss. Digitalisierung kann auch dazu beitragen, parlamentarische Arbeit leichter zugänglich und nachvollziehbar zu machen.

Corporate Network Neu, Österreichische Post – Beste Infrastrukturtransformation

Die Österreichische Post modernisiert mit Corporate Network Neu die technische Basis von mehr als 2.100 Standorten im laufenden Betrieb. SD-WAN, lokale Internet-Breakouts und moderne Firewalls ersetzen eine Infrastruktur, deren Ursprünge teilweise noch in den frühen 2000er-Jahren liegen.

Die Größenordnung zeigt sich auch hinter den Standorten: Weit über 40.000 Endgeräte nutzen das Netzwerk. Allein 1.350 Postpartner-Standorte wurden innerhalb von sechs Monaten umgestellt. Zahlreiche Schritte von Konfiguration und Dokumentation bis zu Inventardaten und Logistik wurden dafür standardisiert und automatisiert.

„Mit Corporate Network Neu modernisieren wir das digitale Nervensystem der Österreichischen Post und schaffen eine leistungsfähige Basis für die Zukunft. Die neue Netzwerkinfrastruktur bringt mehr Geschwindigkeit, Sicherheit und Flexibilität in den Arbeitsalltag unserer Standorte“, heißt es seitens der Österreichischen Post.

Vertreten wurde das Projekt beim CIOSUMMIT Salzburg von Johann Rohrer und Wilfried Pichler.

ÖFB Campus – Beste digitale Transformation

Beim neuen ÖFB Campus Seestadt wurden physischer Neubau und digitale Transformation gleichzeitig umgesetzt.

Zur Transformation gehörten die gesamte IT-Infrastruktur des Campus inklusive VAR-Zentrale und parallel die Einführung von Microsoft 365. Der Campus konnte vom ersten Betriebstag an ohne produktionsrelevante Störungen vollständig arbeiten.

Die IT reicht beim ÖFB inzwischen außerdem unmittelbar in den Sport hinein. Trainingssteuerung, Belastungsdaten, Gegneranalyse und die Analyse des eigenen Spiels arbeiten zunehmend datenbasiert. Teile der Auswertungen stehen bereits während eines Matches zur Verfügung und können in der Halbzeit in sportliche Entscheidungen einfließen.

„Der ÖFB Campus Seestadt ist weit mehr als ein neues Gebäude oder ein IT-Projekt“, sagt Stefan Bogdanovic, CIO des ÖFB. „Mit einer hochmodernen, sicheren und zukunftsfähigen Infrastruktur haben wir nicht nur die digitale Basis für den österreichischen Fußball geschaffen, sondern auch ein sichtbares Zeichen für Innovation, Ausbildung, Nachwuchsförderung und gesellschaftliche Entwicklung gesetzt.“

Europapier S/4HANA – Beste internationale Transformationsumsetzung

Elf Länder, 22 Buchungskreise und rund 800 User: Europapier verband bei seiner S/4HANA-Transformation Greenfield- und Brownfield-Ansätze zu einem gemeinsamen internationalen Projekt.

Die bestehende Systemlandschaft wurde dabei nicht nur migriert, sondern gleichzeitig harmonisiert und bereinigt. Besonders bemerkenswert ist das Ergebnis des Big-Bang-Go-lives: Das Projekt wurde in Zeit, Budget und Umfang umgesetzt – mit voller Lieferfähigkeit ab dem ersten Tag.

Warum solche Projekte sichtbar werden sollten, formuliert Mario Schick, Head of IT der Europapier Group, so: „Weil sichtbare Erfolgsgeschichten zeigen, dass klare Governance, konsequentes Testing und gute Kommunikation auch komplexe IT-Transformationen erfolgreich machen.“

Was erfolgreiche Digitalisierung gemeinsam hat

Auf den ersten Blick haben ein Netzwerk für eine internationale Liveshow, eine Verwaltungs-KI, eine Begehungsapp und eine SAP-Transformation wenig miteinander zu tun.

Schaut man genauer hin, tauchen ähnliche Fragen auf: Wie bekommt man Technologie zuverlässig in den Betrieb? Wie gewinnt man Menschen für neue Prozesse? Wie bringt man unterschiedliche Interessen, Systeme und Daten zusammen? Wie schafft man Sicherheit, ohne Innovation zu verhindern? Und wie stellt man sicher, dass ein Projekt nicht nur technisch abgeschlossen ist, sondern im Alltag tatsächlich funktioniert?

Für Barbara Klinka-Ghezzo gehört deshalb auch die Arbeit hinter den sichtbaren Ergebnissen auf die Bühne: „Wenn ein Projekt funktioniert, sieht man am Ende meistens nur das Ergebnis. Die vielen Entscheidungen, Tests, Diskussionen und zusätzlichen Stunden dahinter sieht kaum jemand. Genau diese Arbeit wollen wir mit der LivinIT Trophy sichtbar machen.“

Michael Ghezzo sieht darin die gemeinsame Klammer der zehn Projekte:

„Gute IT zeigt sich nicht daran, wie modern eine Technologie klingt. Sie zeigt sich daran, ob Menschen damit arbeiten können, ob eine Organisation handlungsfähiger wird und ob am Ende tatsächlich etwas besser funktioniert als vorher.“

Die Confare LivinIT Trophy 2026 wurde am 29. September im Rahmen des Confare CIOSUMMIT Salzburg verliehen. EY Österreich ist Partner der Auszeichnung.

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