Die Pandemie-Bekämpfung als Digitalisierungs-Flop: Lockdowns, Impfen und Testen statt Data- und Projektmanagement

by Fernando Ducoing

Schon wieder Lockdown. Und wir haben keine valide Datenbasis, ob, wie und welche der Maßnahmen, die Politik und Virologen verordnen, wirklich funktionieren. Die Digitalisierung der Pandemie-Bekämpfung sei missglückt, meint Anke Sax, Geschäftsführerin bei KGAL und mehrfach ausgezeichnete IT-Managerin.

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Sicherheitsvorfälle, mangelnde Ausstattung, schlechte Datenlage – Warum erscheint die Digitalisierung der Pandemie-Bekämpfung so missglückt?

Warum die Digitalisierung in der Pandemie-Bekämpfung so missglückt erscheint? Hmm, weil sie missglückt ist! Woran das liegt? Ich denke, weil die Menschen, die sich um die Pandemie-Bekämpfung an vorderster Front kümmern, Politiker und Ärzte sind. Diese haben eine völlig andere Ausbildung als wir sie als ITler und Manager erhalten haben. D. h. digitale Tools sind einfach nicht in deren Werkzeugkasten. Was auch fehlt ist m. E. das Wissen, wie ein professionelles klassisches Projektmanagement funktioniert: Also IST-Situation analysieren und aufbauend auf dieser Analyse einen Plan entwickeln – in der Presse wird immer von mangelnder Strategie gesprochen –, der die aktuellen Herausforderungen adressiert und dann konsequent angeht.
Was m. E. auch schief läuft, ist, dass wir Profis in IT und Management einfach zu leise sind. Aktuell werden als Lösungen in den Medien Lockdowns, Impfen und Testen bis zum – sorry für die Klarheit – Erbrechen rauf und runter gesendet. Falls es die Themen Daten und Digitalisierung in die Medien schaffen, geht das dort sehr schnell wieder unter. Wir – und da sollten wir uns an die eigene Nase fassen – haben es bislang nicht geschafft, deutlich zu machen, wie mächtig ein ordentliches Projektmanagement, die gute alte Datenverarbeitung und Digitalisierung sind, um die Pandemie zu bekämpfen.

Welche Technologien könnten denn dazu beitragen, bei den Anti-Corona Maßnahmen erfolgreicher zu sein?

Pandemie-Bekämpfung als Digitalisierungs-FlopEs sind weniger die Technologien entscheidend, sondern vielmehr die Frage, welche Prozesse und Daten uns aus der Pandemie helfen können. Nun, Prozesse, die über Kreisgrenzen und Bundesländergrenzen funktionieren. Prozesse, die zwischen diversen Anwendungen keine Medienbrüche haben und die sicherstellen, dass die Daten bundesweit einheitlich – am besten realtime – zur Verfügung stehen und ausgewertet werden können. Es braucht also Architekturen, die es ermöglichen viele Applikationen, die von ganz alleine entstehen, wenn man weiß, dass diese auch genutzt werden können, schnell und einfach anbinden. D. h. wir brauchen eine clevere Schnittstellenarchitektur und Übergabestandards.

Welche Erfahrungen aus der Unternehmens-IT sollte man Ihrer Meinungen nach nutzen, um der Coronakrise besser Herr zu werden?

In erster Linie meine ich, geht es um Projektmanagement und Prozessmanagement. ITler sind i. d. R. so ausgebildet, dass sie in der Lage sind, sauber zu analysieren und Lösungen zu entwickeln, die dann auch in time, quality und budget geliefert werden. Je länger ich zuschaue, wie wir uns bei der Pandemiebekämpfung im Kreise drehen, desto klarer wird mir das. Prozesse verstehen, soweit möglich optimieren und dann in den Massenrollout gehen. Das brauchen wir beim Impfen, beim Testen und bei der Kontaktnachverfolgung. Es wird mir auch von Monat zu Monat klarer, dass genau das die Kernkompetenz von ITlern und Managern ist, aber leider eben nicht von Politikern und Medizinern. Deshalb tun sich die Politiker und Medien auch so schwer unsere bereits im November vorgeschlagenen Lösungen zu übernehmen.

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Was könnten moderne Data driven Strategien zur Verbesserung der aktuellen Lage beitragen?

So unendlich viel. Und das ist für mich so offensichtlich, dass ich so langsam verzweifle, dass ich das nicht transportiert bekomme. Jeden Montag hören wir, dass die Daten der Infizierten und leider auch Toten wegen des Wochenendes nicht auf dem neuesten Stand sind. Echt jetzt? Und das sind ja nur Basisdaten, die wir nicht liefern können. Wir verhängen Lockdowns und Ausgangsbeschränkungen, schließen Lokale und Friseure, lassen Schulen und Unternehmen aber offen. Warum? Weil wir wissen, wo man sich ansteckt oder weil wir es vermuten? Hat aktuell irgendeiner eine Ahnung, ob das überhaupt hilft? Nein, haben wir nicht und genau da könnten gezielt erhobene Daten so viel mehr Erkenntnisse liefern. Wer steckt sich wo an und wer gibt den Virus dann wie weiter? Wenn wir das wüssten, dann könnten wir sehr gezielt und auch konsequent diese Ansteckungsherde „löschen“ und das Leben in den anderen Regionen und Umfeldern wieder hochfahren. Nun kommt ja immer und immer wieder das Argument, das ist mit dem deutschen Datenschutz nicht vereinbar. Hmm, da widerspreche ich ganz vehement, im Übrigen auch viele Datenschützer. So wie ich Amazon und Google meine Daten gebe, könnte ich das auch dem Gesundheitsamt geben und es gibt sogar schon Umfragen, dass genau das viele tun würden, wenn sie sich dadurch wieder freier bewegen und ihrem Beruf nachgehen könnten.

Sormas ist Ihnen ein wichtiges Anliegen – was bietet die Anwendung und woran hapert es bei der Umsetzung?

Sormas ist eine Kontaktnachverfolgungssoftware mit deren Hilfe man Ansteckungscluster erkennen kann und die Prozesse bei den Gesundheitsämtern automatisiert. Alle Gesundheitsämter damit auszustatten und dann die SW auch zu nutzen, wäre ein Riesenschritt. Mir geht es aber nicht so sehr, um eine spezifische Lösung, andere Lösungen können das nämlich auch, sondern viel, vielmehr um eine sinnvolle Vernetzung verschiedener Lösungen, um händische Prozesse zu automatisieren und endlich Ansteckungscluster zu erkennen und damit Politikern gezielte Entscheidungen zu ermöglichen. Aktuell stochern wir zu viel im Nebel und wissen einfach nicht, welche Maßnahme wie wirkt.

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