PropTech – Digitalisierung in der Bau- und Immobilienbranche

by Annecilla Sampt

Der IDEAward wird am 18. Mai 2017 im Rahmen der #Digitalize-Market zum ersten Mal vergeben. Sander van de Rijdt, COO bei der DRS DefectRadar GmbH ist einer der Einreicher. Im Bloginterview erzählt er uns, welche Auswirkungen die Digitalisierung auf die Baubranche hat und welche neue Möglichkeiten dadurch entstehen.

Inwieweit trifft der Digitale Wandel die Baubranche?
Die Digitalisierung in der Bau- und Immobilienbranche ist derzeit ein brandaktuelles Thema, mit PropTech gibt es sogar ein eigenes Synonym dafür.
Wie in vielen anderen Bereichen steht uns hier der digitale Wandel aber erst noch bevor. 60-70% der Unternehmen in diesem Sektor haben sich mit dem Thema Digitalisierung noch gar nicht auseinandergesetzt, die meisten handelnden Personen haben aber bereits das Bewusstsein, dass etwas getan werden muss, um auf diesem sehr kompetitiven Markt weiterhin zu bestehen. Derzeit liegt viel Fokus auf den Themengebieten Finanzierung (Crowdinvesting), AR/VR (Virtuelle Begehungen und Modelle) und der Vermarktung (Onlinemakler), aber die eigentlichen Prozessoptimierungen ohne B2C Komponente innerhalb der Unternehmen selbst birgt aus unserer Sicht das meiste Potential. Wir erzielen durch die Digitalisierung von Baudokumentation und Mängelmanagement bereits jetzt Zeitersparnisse für unsere Anwender von rund 7 Arbeitsstunden pro Woche, das entspricht ca. 18% der Arbeitszeit. Aber die viel größeren Vorteile liegen in Bereichen wie der Transparenz und Konsistenz von Kommunikationsflüssen und der Vermeidung von Folgefehlern in Projektabläufen.

Welche Herausforderungen bringen Baumängel mit sich?
Jedes Bau- oder Immobilienprojekt weist mindestens 1-2 Baumängel je 10m² Fläche auf, einige auch weitaus mehr. Beim Mängelmanagement erfolgt die traditionelle Herangehensweise auf Basis großer Architektenpläne, auf denen Notizen, Änderungen und Aufgaben verzeichnet werden, die meistens zusätzlich mit Diktiergeräten beschrieben und mit Digitalkameras dokumentiert werden. Für jede Stunde, die hier ein Projektverantwortlicher auf einer Baustelle verbringt, sitzt er dann nochmals 1-2 Stunden im Büro, um alle Informationen in kilometerlangen Excel-listen aufzubereiten, die er dann per Mail an die anderen Projektbeteiligten und Auftragnehmer verteilt und per Telefon bespricht und nachverfolgt. Es liegt auf der Hand, dass dieser Prozess ineffizient und fehleranfällig ist, dadurch Inkonsistenzen entstehen und Informationen verloren gehen, was wiederum zu einer unbefriedigenden Behebung der Baumängel und zur Mehrkosten für alle Beteiligten führt. Wenn man sich dann auch noch vorstellt, dass auf einer einzigen Baustelle oft 80.000 Baumängel und mehr zu finden sind, werden die Herausforderungen in diesem Zusammenhang für jeden schmerzlich nachvollziehbar. Genauso entstand auch die Idee für unsere Applikation, da mein Co-Founder Domagoj Dolinsek selbst jahrelang als Bau- und Projektleiter tätig und täglich mit all diesen Herausforderungen konfrontiert war. DefectRadar ist einfach der nächste logische Schritt.

Welche Einsatzmöglichkeiten bietet DefectRadar in der Praxis?
Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. Ursprünglich hatten wir unsere Software für das rasche und transparente Mängelmanagement in Bauprojekten entwickelt, viele Kunden verwenden die Applikation heute aber schon im gesamten Lebenszyklus einer Immobilie – von der Planung (z.B. Plananmerkungen) über die Ausführung (z.B. Aufgabenzuweisungen) bis zum Facility Management (z.B. Begehungen) sowie für das komplette Task- und Projektmanagement (z.B. Ressourcensteuerung). Darauf reagieren wir auch mit einer Namensänderung in PlanRadar um das viel breitere Anwendungsspektrum zu signalisieren. Zu unseren Anwendern zählen neben Bauträgern, Baufirmen, Bauherrn, Architekten, Ingenieuren und Technikern auch das Facility und Property Management sowie die unternehmensweite Qualitätssicherung. Mittlerweile haben wir über 800 Kunden aus 17 Ländern weltweit – von Australien über die USA bis in den Libanon – und sogar branchenfremde Unternehmen, wie beispielsweise aus dem Yacht- und Flugzeugbau, setzen unsere Softwarelösung gewinnbringend ein.

Wo sehen Sie künftige Potenziale?
Wie bereits eingangs erwähnt befindet sich die Digitalisierungswelle erst im Aufbau. Mit unserer Lösung sind wir generell im Bereich Kommunikation und Dokumentation angesiedelt. Dadurch stehen wir mit allen Stakeholdern eines Projekts in unmittelbarem Kontakt, auch wenn diese nicht zu unseren zahlenden Anwender zählen, sondern als ausführende Unternehmen die Applikation kostenlos nutzen können. Daraus ergibt sich der Vorteil, dass wir sehr nah am Markt sind und die Anforderungen aller Marktteilnehmer besser einschätzen können, insbesondere in Bezug auf Weiterentwicklungen und Neuerungen. Sehr viele aktuelle Megatrends wie IoT (Internet of Things), AR/VR (Augmented und Virtual Reality) oder AI (Artificial Intelligence) schwappen aktuell auch in den Bau- und Immobiliensektor hinein. Hier gibt es sehr viele Potentiale in bereits bestehenden Anwendungsfällen, aber es wird noch mindestens 2-3 Jahre dauern, bevor die Lösungen in der Praxis ankommen. Diese Konstellation birgt viele Marktchancen für Vorreiter im Bereich Property Technology.

Was bedeutet für Sie der IDEAward? Warum ist es wichtig, innovative Projekte im Digitalisierungsumfeld vor den Vorhang zu holen?
Gerade für junge Unternehmen und innovative Themenbereiche kann die öffentliche Wahrnehmung ein sehr guter Hebel und Akzeptanzmotor sein. Man bekommt einerseits wertvolles Feedback zu den eigenen Ideen und Projekten und auch ein Gefühl für die eigene Positionierung im Markt, auf der anderen Seite werden Unternehmen und Anwender über die Auszeichnung von Cutting-edge Projekten auf die eigenen Möglichkeiten und Potentiale aufmerksam. Aus meiner Sicht immer eine Win-Win-Situation und Veranstaltungen wie der IDEAward sind unbedingt zu begrüßen und fortzuführen.

Erfahren Sie, wer die Auszeichnung entgegennimmt und treffen Sie rund 150 hochkarätige Teilnehmer aus unterschiedlichen Branchen auf der Confare Konferenz #Digitalize 2017 – Market am 18. Mai 2017. Anmeldung und Details zur Veranstaltung finden Sie hier: #Digitalize – Market

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