
Führung in der IT funktioniert nicht mehr über Kontrolle, sondern über Vertrauen und Verantwortung.
Gerade in Zeiten von Remote Work, digitaler Transformation und wachsendem Fachkräftemangel zeigt sich, wie tragfähig Leadership wirklich ist.
Dagmar Kuepper bringt langjährige Erfahrung aus der Führung nationaler und internationaler IT-Teams mit – standortübergreifend, remote und immer mit klarem Fokus auf Business Impact und Menschen.
Im Bloginterview spricht sie darüber, warum moderne IT-Führung weniger Präsenz und mehr Orientierung braucht, welche Rolle Kultur und Mindset in der digitalen Transformation spielen und weshalb Sichtbarkeit, Mentoring und Role Models entscheidende Erfolgsfaktoren für nachhaltige Leadership sind.
Ein Interview für CIOs und IT-Führungskräfte, die ihre Organisation zukunftsfähig aufstellen wollen und dabei den Menschen nicht aus dem Blick verlieren.
Wie gestaltest Du die Rolle als Führungskraft in der IT? Auf welchen Werten basiert modernes IT-Leadership für Dich?
Als Führungskraft sehe ich eine wichtige Aufgabe darin, Rahmenbedingungen zu schaffen und Orientierung zu geben. Modernes IT-Leadership basiert für mich auf Vertrauen, klaren Zielen und darauf, Menschen selbstständig arbeiten zu lassen – nicht auf Kontrolle oder Präsenz. Entscheidend ist, ob Ergebnisse stimmen und ob Zusammenarbeit funktioniert.
Deshalb ist Remote Work für mich ein zentraler Bestandteil moderner Führung, weil es Flexibilität ermöglicht und die Work-Life-Balance verbessert und sich daher positiv auf Motivation und Leistungsfähigkeit auswirkt.
Zur Führungsrolle gehört für mich außerdem, Menschen in ihrer Entwicklung zu begleiten. Potenziale zu erkennen, Verantwortung abzugeben und Raum für Lernen zu schaffen.
Das funktioniert nur mit einer offenen Fehlerkultur. Fehler passieren – gerade in der IT. Entscheidend ist, offen damit umzugehen, daraus zu lernen und daraus bessere Entscheidungen für die Zukunft abzuleiten.
Gute IT-Führung zeigt sich für mich nicht nur in stabilen IT Systemen, sondern auch darin, dass Menschen wachsen, Verantwortung übernehmen und sich fachlich wie persönlich weiterentwickeln können.
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Was sind Deine drei wichtigsten Führungswerte?
Meine drei wichtigsten Führungswerte sind:
- Vertrauen – Ohne Vertrauen funktioniert weder Zusammenarbeit noch Verantwortung.
- Klarheit – offene Kommunikation und klare Erwartungen und Prioritäten
- Verantwortung – in beide Richtungen. Ich stehe für mein Team ein, auch wenn es unbequem wird, und erwarte im Gegenzug, dass Verantwortung übernommen wird.
Welche neuen Fähigkeiten und Talente sind in der heutigen IT entscheidend? Wie förderst Du diese?
Reines technisches Wissen reicht heute nicht mehr aus. Die IT ist stark mit Fachbereichen, Prozessen und strategischen Fragestellungen verknüpft. Wer ausschließlich in Tickets und Einzellösungen denkt, kommt fachlich und organisatorisch schnell an Grenzen.
Entscheidend sind Lernbereitschaft, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, komplexe Zusammenhänge zu erfassen und einzuordnen.
Diese Kompetenzen fördere ich, indem ich Verantwortung bewusst übergebe, Transparenz schaffe und Raum für echten Austausch ermögliche. Menschen entwickeln sich durch Aufgaben, an denen sie wachsen können – nicht durch detaillierte Vorgaben. Fehler sind Teil des Weges – entscheidend ist, aus ihnen zu lernen.
Welche Rolle spielt digitale Transformation für Dich – über neue Technologien hinaus?
Digitale Transformation ist für mich vor allem eine Chance – für Unternehmen, aber auch für die Menschen darin. Sie ermöglicht es, gewachsene Strukturen und Prozesse kritisch zu hinterfragen und Arbeit sinnvoller zu gestalten.
Für mich ist sie in erster Linie ein Kultur- und Mindset-Thema. Es geht darum, wie Entscheidungen getroffen werden, wie Verantwortung verteilt ist und wie offen ein Unternehmen für Veränderung ist.
Gleichzeitig ist sie auch eine Chance für bessere Zusammenarbeit. Digitale Werkzeuge ermöglichen standortübergreifendes Arbeiten, neue Formen des Austauschs und mehr Flexibilität – vorausgesetzt, Kultur und Führung ziehen mit. Wenn das gelingt, entsteht nicht nur eine effizientere IT, sondern eine Organisation, die lernfähig bleibt und Veränderung als Normalzustand begreift.
Es geht nicht darum, Bestehendes einfach zu digitalisieren, sondern darum, neu zu denken -schneller, vernetzter und kundenorientierter.
Macht es einen Unterschied, Teams im Homeoffice zu führen?
Aus meiner Erfahrung macht es keinen grundsätzlichen Unterschied, ob Teams im Homeoffice oder vor Ort geführt werden. Ich habe über viele Jahre hinweg Teams remote geführt – erfolgreich und stabil. Gute Führung funktioniert nicht über räumliche Nähe, sondern über Beziehung, klare Kommunikation und gegenseitiges Vertrauen. Wenn Ziele verständlich sind, Erwartungen offen angesprochen werden und Verlässlichkeit da ist, funktioniert Zusammenarbeit auch ohne tägliche Präsenz.
Gerade im Homeoffice merkt man sehr schnell, wie tragfähig Führung tatsächlich ist. Für mich ist dabei wichtig, dass ich als Führungskraft erreichbar und ansprechbar bleibe. Remote zu führen heißt nicht, sich zurückzuziehen oder nur noch Termine zu verwalten, sondern bewusst präsent zu sein – auch digital. Mitarbeitende müssen wissen, dass sie Unterstützung bekommen, wenn sie sie brauchen, und dass Führung auch auf Distanz verlässlich funktioniert.
Natürlich gibt es Situationen, in denen persönliche Präsenz sinnvoll oder sogar förderlich ist, etwa bei kreativer Arbeit, komplexen Abstimmungen oder Teamentwicklung. Präsenz kann unterstützen, sie ersetzt jedoch keine Führungskompetenz. Entscheidend ist, Orientierung zu geben und Teams so aufzustellen, dass sie auch auf Distanz eigenverantwortlich, leistungsfähig und verbunden arbeiten können.
Worauf muss man bei digitaler Führung besonders achten?
Bei digitaler Führung muss man bewusster kommunizieren. Viele Zwischentöne, Gestik oder kurze Gespräche „zwischen Tür und Angel“ fallen weg oder werden zumindest weniger. Deshalb ist es wichtig, Erwartungen klar zu formulieren, Absprachen verbindlich zu machen und regelmäßig im Austausch zu bleiben.
Gleichzeitig darf Führung nicht rein sachlich werden. Gerade im digitalen Kontext ist persönliche Verbindung wichtig – und sie ist auch möglich, etwa durch kurze, regelmäßige Check-ins, Gespräche ohne feste Agenda oder einen virtuellen Kaffee. Das ist kein „Nice to have“, sondern Teil funktionierender Führung.
Wenn es möglich ist, hilft es sehr, sich auch persönlich kennenzulernen. Gemeinsame Team-Events oder gelegentliche Präsenztermine stärken Vertrauen und Zusammenhalt und machen die Zusammenarbeit im digitalen Alltag deutlich einfacher.
Was hat sich für Dich als absoluter Vorteil von Remote Work herausgestellt?
Der größte Vorteil von Remote Work ist für mich nicht nur die bessere Life-Work-Balance, sondern die Gesamtwirkung auf Motivation, Leistungsfähigkeit und Zusammenarbeit. Wer private Interessen, Familie oder persönliche Bedürfnisse besser integrieren kann, ist ausgeglichener – und genau das spiegelt sich in der täglichen Arbeit wider.
Viele Mitarbeitende arbeiten zudem fokussierter. Es gibt weniger Unterbrechungen, keinen Pendelstress und insgesamt weniger Zeitverlust. Das schafft Raum für konzentriertes Arbeiten und bessere Ergebnisse.
Ein weiterer wichtiger Vorteil ist die Möglichkeit, Talente unabhängig vom Standort einzubinden – auch international. Remote Work erweitert den Talentpool erheblich und macht Unternehmen flexibler, diverser und zukunftsfähiger. Richtig umgesetzt, ist Remote Work damit nicht nur ein Benefit für Mitarbeitende, sondern ein klarer Wettbewerbsfaktor für das Unternehmen.
Hast Du Tipps für schlagkräftige Remote-Teams?
- Klare Ziele und Verantwortlichkeiten, damit alle wissen, wofür sie stehen und woran sie arbeiten.
- Regelmäßige, kurze Abstimmungen statt seltener, überladener Meetings.
- Transparenz über Prioritäten, um Reibungsverluste und Missverständnisse zu vermeiden.
- Vertrauen statt Mikromanagement, um Eigenverantwortung und Motivation zu stärken.
Ganz wichtig: Ein sozialer Raum auch im Digitalen, denn gute Zusammenarbeit entsteht nicht nur über Aufgaben, sondern über Beziehung.
Wie wichtig sind weibliche Vorbilder und Netzwerke in der IT?
Weibliche Vorbilder und Netzwerke sind in der IT sehr wichtig. Sie machen sichtbar, was möglich ist, und geben Orientierung – gerade in einer Branche, in der Frauen in Führungsrollen noch immer deutlich unterrepräsentiert sind. Zu sehen, dass andere Frauen diesen Weg gegangen sind, senkt Hemmschwellen und macht Mut, selbst Verantwortung zu übernehmen.
Netzwerke bieten zudem Austausch auf Augenhöhe und einen geschützten Raum, um Erfahrungen zu teilen, die im Alltag oft unausgesprochen bleiben. Sie schaffen Rückhalt, stärken Selbstvertrauen und helfen dabei, Herausforderungen einzuordnen. Aus meiner Sicht sind sie kein Ersatz für fachliche Kompetenz, aber ein wichtiger Faktor, um sich zu positionieren, sichtbar zu werden und langfristig in der IT erfolgreich sein
Gerade Mentoring und Netzwerke schaffen den Raum, in dem Erfahrungen geteilt, Sichtbarkeit gestärkt und nächste Karriereschritte vorbereitet werden. Jetzt zum Confare Female IT-Mentoring am CIOSUMMIT Wien anmelden!
Welche Rolle spielt Mentoring bei Female Leadership?
Mentoring spielt für mich bei Female Leadership eine zentrale Rolle. Es kann Entwicklung ermöglichen oder auch deutlich beschleunigen. Durch den Austausch mit erfahrenen Mentorinnen oder Mentoren wird die eigene Wirkung greifbarer, Perspektiven erweitern sich und Entscheidungen fallen oft klarer. Mentoring hilft dabei, typische Selbstzweifel einzuordnen und früher Verantwortung zu übernehmen.
Ich erlebe häufig, dass Frauen sehr hohe Anforderungen an sich selbst stellen. Mentoring unterstützt dabei, mehr Vertrauen in die eigene Kompetenz zu entwickeln, Prioritäten bewusster zu setzen und den eigenen Weg klarer zu gehen. Gerade in Phasen von Veränderung oder Wachstum kann Mentoring ein entscheidender Faktor sein, um Entwicklung gezielt voranzubringen.
Welche Skills helfen Frauen besonders in der IT-Führung?
Ein besonders wichtiger Skill für Frauen in der IT-Führung ist aus meiner Sicht sichtbare Führungspräsenz – also die Fähigkeit, vor Gruppen zu sprechen, Präsentationen souverän zu halten und klar Position zu beziehen. Gerade in Management-, Steering- oder Entscheidungsrunden entsteht Wirkung oft darüber, wer gehört wird und wahrgenommen ist.
Ich erlebe in der Praxis, dass Männer diese Form der Präsenz häufig selbstverständlicher einnehmen und sich früher in den Vordergrund stellen. Frauen sind fachlich mindestens genauso kompetent, machen ihre Expertise aber oft weniger sichtbar. Deshalb halte ich es für wichtig, Präsentationen, Vorträge und öffentliche Auftritte bewusst als Führungsinstrument zu nutzen und diese Fähigkeiten aktiv zu trainieren.
Sichtbarkeit ist dabei kein Selbstzweck. Sie entscheidet mit darüber, wer Einfluss nehmen kann, wessen Themen vorankommen und wer Gestaltungsspielraum bekommt.
Unabhängig davon sind natürlich fachliche Kompetenz, Durchsetzungsfähigkeit, gutes Stakeholder-Management und analytisches Denken zentrale Führungskompetenzen. Ergänzt wird das durch klare, empathische Kommunikation – gerade in hybriden und digitalen Arbeitsmodellen ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Was würdest Du jungen Frauen raten, die eine IT-Karriere anstreben?
- Sei selbstbewusst und sichtbar.
Deine Expertise zählt, also sprich über deine Erfolge und lass dich nicht einschüchtern.
- Bleib neugierig und lernbereit.
Die IT verändert sich schnell, kontinuierliches Lernen ist entscheidend.
- Suche Netzwerke und Mentoren.
Austausch und Unterstützung helfen, Türen zu öffnen und Mut zu machen.
- Sammle praktische Erfahrungen.
Projekte und Praktika sind wertvolle Schritte.
Zusammengefasst: Weniger Zurückhaltung, mehr Mut, Lernbereitschaft und gute Netzwerke sind die Schlüssel für eine erfolgreiche IT-Karriere, vor allem als Frau.
Welche Bedeutung haben Role Models und Sichtbarkeit?
Ich bin überzeugt, dass Role Models und Sichtbarkeit entscheidend sind, um echte Veränderungen in der IT anzustoßen.
Für mich zeigen Vorbilder, dass Führungspositionen und anspruchsvolle technische Aufgaben für Frauen nicht nur möglich, sondern erreichbar sind. Sie geben Orientierung und schaffen Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.
Gleichzeitig halte ich Sichtbarkeit für unverzichtbar. Leistungen dürfen nicht im Hintergrund bleiben, sondern müssen gesehen und anerkannt werden, damit sie andere inspirieren können.
Gerade weil die IT lange von männlichen Biografien geprägt war, finde ich es wichtig, dass Frauen ihre Arbeit zeigen und ihre Kompetenz klar vertreten.
Meine Überzeugung ist, dass ohne Role Models vieles Theorie bleibt. Erst durch die Sichtbarkeit von Erfolgen wird Veränderung greifbar und für andere vorstellbar. So entsteht ein Kreislauf – Vorbilder inspirieren, Sichtbarkeit verstärkt die Wirkung, und beides zusammen treibt die notwendige Transformation in der IT voran.
Role Models machen Leadership greifbar – besonders dann, wenn sie ihre Erfahrungen offen teilen. Jetzt zum Confare CIOSUMMIT Wien anmelden.


