Family Business und Guitar Heroes: Wie Authentizität zum Erfolgsfaktor wird

In einer Zeit, in der KI-generierte Songs und perfekt inszenierte Social-Media-Performances die Musikwelt fluten, gewinnt etwas scheinbar Altmodisches plötzlich wieder an Wert: echtes Können. Handwerk. Authentizität. Genau hier setzt RockMeVienna an – ein neues Gitarren-Camp-Format, initiiert von Alexander Ghezzo und seiner Familie. Alexander ist Geschäftsführer der Ghezzo GmbH und Bruder des Confare-Gründers Michael Ghezzo.
Entrepreneurship liegt in der DNA dieser Familie – ebenso wie die Musik. Schon immer war sie verbindendes Element und kreative Energiequelle. Mit RockMeVienna wird daraus nun ein internationales Lern- und Erlebnisformat, das Gitarrenbegeisterten eine seltene Gelegenheit bietet: nicht nur zuzuhören, sondern mit Legenden wie Frank Gambale, Andy Timmons, Kee Marcello (Europe), Herman Li, Angelo Vivaldi oder Victor Smolski zu jammen, zu lernen und sich weiterzuentwickeln. Es ist eine einzigartige Verbindung aus Unternehmergeist, Leidenschaft und Community.
Gleichzeitig ist RockMeVienna mehr als ein Musik-Event. Es ist ein Beispiel dafür, wie Unternehmertum heute funktioniert: neue Formate schaffen, Zielgruppen neu denken, digitale Technologien – von KI-gestützter Datenanalyse bis Performance Marketing – als Werkzeuge nutzen und dennoch einen zutiefst analogen Kern bewahren. Denn Musik ist nicht nur Kultur, sondern auch ein kraftvoller Gegenpol zur digitalen Dauerbeschallung: Sie stärkt das Gehirn, fördert Konzentration und Kreativität, wirkt ausgleichend auf die Psyche und schafft einen physischen, emotionalen Zugang, den keine Software ersetzen kann.
RockMeVienna zeigt, wie Innovation und Authentizität zusammenfinden können – und warum gerade in einer hochdigitalen Welt die Sehnsucht nach echtem Ausdruck, echter Begegnung und echtem Unternehmertum stärker ist denn je.
Wie hat sich die Gitarren-Community in den letzten Jahren verändert – stilistisch, technisch und auch in den Erwartungen an professionelle Musiker:innen
Früher ging es vor allem darum, dass was man kann auch live reproduzieren zu können. Gelernt hat man über Gehör und mit schlecht aufgelösten Videos, bzw. in einer Musikschule, die dann eher klassisch orientiert war. Der Rest kam beim Jammen, beim Abschauen auf Konzerten und durch Üben, Üben, Üben. Jetzt lernt man online, macht sehr schnell riesige Fortschritte und zeigt die auf Social Media. Oft bleibt aber das Zusammenspiel auf der Strecke, weil man eher zu Backingtracks spielt.
Was heute extrem positiv ist: Instrumente, Verstärker und Zubehör sind erschwinglich. Damit ist es viel leichter besser zu werden. Meine erste E-Gitarre war ein absolut furchtbares Instrument, das nicht unterstützt hat – aber ich habe sie geliebt. Damit kann man heutzutage überhaupt viel mehr machen. Details sind bei dem neuen Equipment hörbar, die früher im Rauschen untergegangen wären.
Und gleichgeblieben ist: Man muss Üben, Üben, Üben.
Social Media, YouTube und Online-Lessons haben den Zugang zu Wissen demokratisiert. Was kann ein physisches Camp heute bieten, das digital nicht ersetzbar ist?
Es ist der Kontext und die Vielfalt, die einen weiterbringen. Sicher, viele Inhalte sind online abrufbar, aber der Austausch mit dem, der eine gewisse Technik erfunden hat, der die Gitarrenwelt selbst geprägt hat, hilft dabei, einen eigenen Weg zu finden. Make it your own, sagt uns Herman Li, unser Host. Da geht es nicht um Reproduktion, sondern darum, sich als Musiker:in zu entwickeln.
Wie gut muss man wirklich sein, um von Größen wie Andy Timmons, Herman Li oder Frank Gambale zu lernen? Gibt es eine Mindest-“Reife” als Musiker:in?
Einige unserer Tutoren sind explizit auch Gitarrenlehrer. Frank Gambale z.B. betreibt eine eigene Musikschule in Spanien. Die können also jedes Level mitnehmen. Worum es eher geht: Begeisterung und Leidenschaft müssen da sein. Der Beginner wird Riesenfortschritte machen, der Intermediate wird sich jede Menge Übungsfelder erschließen und der Profi wird in den Details besser werden, die der Musikkonsument nur mehr unterbewusst wahrnimmt, und die genau deswegen so herausfordernd sind.
Was sicher auch allen was bringt: Mit diesen Guitarheroes auf der Bühne zu jammen. Ich hab das selbst erlebt: im ersten Moment glaubt man, gar nichts zu können und dann wächst man über sich hinaus. Für mich ist das der Höhepunkt des Camps – die Gelegenheit mit seinen Idolen zu jammen.
Diversity ist in vielen Bereichen ein großes Thema. Wie divers erlebt ihr die Gitarren-Community?
Das ist ein schwieriges Thema. Auf Social Media gibt es unterschiedliche Formen der Selbstdarstellung, die viel Reichweite erzeugen können. Das ist jedoch nicht automatisch gleichbedeutend mit struktureller Diversität in der professionellen Musikszene. In der Live- und Profiszene sind Frauen völlig unterrepräsentiert. Wir haben Nili Brosh dabei, die in Las Vegas beim Cirque Du Soleil arbeitet und mit Danny Elfmann viele Monate im Jahr auf Tour geht. Sie sagt, dass sie sich immer nur als Gitarrist positionieren will, nicht als Frau, die Musik macht. Ein Marketingberater aus den USA hat uns in einem Gespräch gesagt, „wenn ihr mit Eurer Kommunikation Frauen gezielt ansprecht, verbrennt ihr nur Geld.“ Wir haben es trotzdem versucht, aber es hat tatsächlich wenig response gebracht.
Strukturelle Diversität braucht Vorbilder und Austausch. Genau das bietet unsere Confare Female IT-Mentoring am CIOSUMMIT Wien mit bereits 100 angemeldeten Teilnehmerinnen.
Ist die Gitarrenszene offener geworden – was Stilrichtungen, Geschlechter, Altersgruppen oder kulturelle Hintergründe betrifft?
Das ist wirklich ein riesen Vorteil für Musiker heute. Du kannst dich aus allen Baukästen bedienen, dich von allen Musikrichtungen inspirieren lassen und bist auch nicht mehr auf lange Haare und rockiges Outfit beschränkt. Man sieht auch immer mehr Bands, wo sich junge und alte Musiker zusammentun. Wir haben uns sehr um diese Vielfalt bemüht, haben beim Camp Metal-Virtuosen, Jazz Nerds mit überirdischen Fähigkeiten, Blueskönner und Stars wie z.B. Kee Marcello, der als Gitarrist bei Europe riesige Arenen bespielt hat. Auch haben wir alt und jung gemischt. Die Jungen können oft Sachen, die ich mir als Ü50 physisch gar nicht mehr erklären kann. Andererseits ist das Jammen eine Superkraft meiner Generation. Letztlich profitieren beide Seiten vom Treffen in einer fruchtbaren Atmosphäre, wie wir sie bei RockMeVienna bieten.
Was macht für euch ein wirklich gutes Gitarrensolo aus – Technik, Melodie, Dramaturgie, Sound, Mut zur Lücke?
Es kommt auf den musikalischen Kontext an. Mir gefallen Solos, die Melodie und Ausdrucksstärke haben. Ich finde es aber auch schön, wenn sie den Hörer herausfordern, also „outside“ der Akkorde und Harmonien sind, oder auch was atonales zaubern, so lange es Absicht ist und nicht einfach nur schlecht gestimmt.
Es sind die Details, die so viel ausmachen und manchmal das technisch herausforderndste Solo unprofessionell, und das einfachste Spiel virtuos machen; Mikrotiming oder Mikro-Stimmung. Die Gitarre selbst ist ja sehr unpräzise in der Intonation; das mit der Spieltechnik auszugleichen, ist die ganz hohe Kunst und hat nichts mit Geschwindigkeitsrekorden zu tun.
Wenn ihr in die Zukunft blickt: Welche Fähigkeiten werden Gitarrist:innen brauchen, um sich in einer immer schnelleren und digitaleren Musikwelt zu behaupten?
Weniger editing mehr live und echt: mit KI und den modernen Hilfsmitteln beim Videoschnitt, wird es immer sinnloser, sich an Social Media zu messen. Es werden laufend „Scharlatane“ entlarvt, die sich Reichweite und Sponsorgelder erschleichen, indem sie so tun als ob.
Je echter, desto besser. Ansonsten wird man durch KI ersetzt. Das ist ja auch der Spirit von RockMeVienna: von echten Stars der Gitarre lernen.


