Role Models statt Recruiting-Ads: Wie Sie Mädchen wirklich für die IT gewinnen

by Cansu Karacan

Stefanie Susser, Geschäftsführerin der Hacker School Austria, ist überzeugt: Der Frauenanteil in der IT ist kein Schicksal, sondern eine Frage des Zugangs. Als Partner von Livin IT – Young Perspectives beim Confare CIOSUMMIT Wien schlägt sie die Brücke zwischen Klassenzimmer und Vorstandsetage.

Wir sprechen im Interview darüber, warum IT-Begeisterung echtes Ausprobieren statt grauer Theorie braucht und wie Unternehmen ohne großen Aufwand zum Role Model werden können.

Der Girls’ Day existiert seit vielen Jahren. Warum ist er aus deiner Sicht noch immer notwendig und hochaktuell?

Weil wir beim Thema „mehr Frauen in der IT“ noch lange nicht dort sind, wo wir hinmüssen. Und weil sich dieses Problem nicht von alleine löst.

Der Frauenanteil in der IT ist weiterhin extrem ausbaufähig. Und gerade im Hinblick auf KI ist das kritisch, weil wir bei der Entwicklung und Anwendung von Technologie vielfältige Perspektiven brauchen.

Gleichzeitig sehen wir bei Mädchen ein enormes ungenutztes Potenzial:

Nur wenige Mädchen können sich IT überhaupt als mögliche Zukunftsperspektive vorstellen, wie Studien regelmäßig zeigen.

Genau deshalb ist der Girls’ Day so hochaktuell. Weil wir viel früher ansetzen müssen, bevor sich Stereotype verfestigen und bevor Mädchen innerlich schon entscheiden: „Das ist nichts für mich.“

Der Girls’ Day ist ein sehr konkreter Hebel: Ein Tag, der Türen öffnet, Selbstvertrauen stärkt und Mädchen eine echte Erfahrung gibt, auf die sie später aufbauen können.

Was sagt es über unsere Bildungs- und Arbeitswelt aus, dass Formate wie der Wiener Töchtertag weiterhin gebraucht werden?

Wir sehen nach wie vor, dass viele Jugendliche zu wenig Einblick in echte IT-Praxis bekommen. Und viele Jugendliche in den Schulen kennen keine Menschen aus der IT persönlich und haben damit keine greifbaren Vorbilder – gerade für Mädchen ist das ein riesiger Faktor.

Gleichzeitig verändert sich die Arbeitswelt extrem schnell. Technologien, Rollenprofile und Rahmenbedingungen entwickeln sich in einem Tempo, bei dem wir wissen: Viele Berufe, die Jugendliche später ausüben werden, kennen wir heute noch gar nicht.

Genau deshalb brauchen wir echte Brücken zwischen Schulen, Wirtschaft und Wissenschaft. Nicht als einmaliges Projekt, sondern als festen Bestandteil im Unterricht.

Und genau hier setzt die Hacker School an: Wir bringen Praxis, Role Models und reale Einblicke dorthin, wo sie am meisten wirken und wo wir wirklich alle Jugendlichen erreichen – direkt ins Klassenzimmer.

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Was bedeutet es organisatorisch wirklich, einen Töchtertag umzusetzen – jenseits von Logo, Einladung und gutem Willen?

Die gute Nachricht: Es braucht viel weniger, als viele Unternehmen denken.

Der wichtigste Punkt ist aus meiner Sicht: praxisnahe Einblicke, damit die Mädchen ein realistisches Bild bekommen, was sie in einem IT- oder Tech-Beruf wirklich erwartet. Das gelingt am besten, wenn sie nicht nur zuhören, sondern selbst ausprobieren können.

Dazu braucht es einen Bezug zur Lebensrealität der Jugendlichen: Welche Probleme kann ich mit IT lösen? Wo begegnet mir Technologie im Alltag? Warum ist das relevant für mich?

Und ganz entscheidend: Role Models aus dem Unternehmen. Am stärksten wirkt es natürlich, wenn Mädchen Frauen aus der IT erleben, die ehrlich erzählen, wie ihr Weg war und wie vielfältig IT-Jobs wirklich sind.

Wo scheitern Unternehmen deiner Erfahrung nach am häufigsten, wenn sie Mädchen für IT und Technik begeistern wollen?

Viele Unternehmen haben wirklich den Wunsch, mehr Mädchen für IT zu begeistern.

Und das Gute ist: Es ist oft viel einfacher, als wir manchmal denken.

Was wir immer wieder sehen: Am besten funktioniert es, wenn Unternehmen früh ansetzen und Mädchen einfach ausprobieren lassen.

Der Girls’ Day ist dafür ein super Startpunkt. Und wenn daraus Anschluss entsteht, wird’s richtig wirksam. Letztes Jahr haben Mädchen nach einem Girls’ Day bei einem Unternehmen direkt nach einem Praktikumsplatz gefragt, das sie davor gar nicht kannten. Genau solche Erlebnisse öffnen Türen.

Welche Rolle übernimmt die Hacker School Austria, damit aus einem Aktionstag eine echte Erfahrung wird?

Wir machen den Girls’ Day für Unternehmen so unkompliziert wie möglich – quasi Girls’ Day as a Service.

Schon mit 2 Mitarbeitenden, die den Tag als Inspirer begleiten, können Unternehmen dabei sein. Inspirer sind Role Models aus der IT, sehr gerne auch Lehrlinge.

Wir bringen den Rest: erprobte 4-Stunden-Workshop-Konzepte, Onboarding eurer Mitarbeitenden, bei Bedarf Hardware, enge Begleitung bis zum Eventtag und die passende Öffentlichkeitsarbeit.

Und weil wir direkt mit Schulen arbeiten, erreichen wir auch Mädchen, die sonst nie bei einem Unternehmen aufschlagen würden.

Was verändert sich bei Mädchen, wenn sie IT nicht erklärt bekommen, sondern selbst ausprobieren können?

Wenn Mädchen IT nicht nur erklärt bekommen, sondern selbst ausprobieren, verändert sich vor allem ihr Bild davon:

Plötzlich ist IT nicht mehr „kompliziert“ oder „nur was für Nerds“, sondern macht Spaß, ist kreativ wird richtig greifbar.

Und wenn sie dann noch sehen, wie nah IT an ihrer Lebensrealität ist und wofür man es einsetzen kann, wird aus Neugier ganz schnell langfristiges Interesse.

Was würdest du Unternehmen sagen, die meinen, das Thema Diversität in IT sei „eh schon erledigt“?

Glücklicherweise ist diese Sichtweise bei unseren Partnerunternehmen nicht sehr verbreitet.

Gerade unsere Arbeit an Schulen zeigt, dass bei Themen rund um Digitalisierung, KI etc. noch immer viele Teile unserer Gesellschaft eher außen vor bleiben. In Schulen, in denen wir gezielt auch Jugendliche aus sozioökonomisch benachteiligten Umfeldern erreichen sowie Jugendliche mit besonderen Bedürfnissen, wird sehr klar, wie ungleich die Ausgangsbedingungen in Österreich sind.

Und solange wir so viele Teile der Gesellschaft in diesen Entwicklungen nicht mitnehmen, haben wir beim Thema Diversität ganz klar noch viel zu tun.

Unternehmen können hier echtes gesellschaftliches Engagement übernehmen – als Sponsor, als Partner in unseren Schulkursen oder auch ganz konkret an Tagen wie dem Girls’ Day. Jetzt informieren.

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