Selbstführung vor Teamführung: Wie IT-Leader GenAI für die eigene Effizienz nutzen

by Cansu Karacan

Dr. Chris Russ (ZHAW) leitet eine DACH-Studie, die den Einsatz von Generativer KI direkt im IT-Leadership untersucht. Als Jury-Mitglied des Confare Swiss CIOAWARD kennt er die Anforderungen an moderne IT-Führungskräfte genau und bietet Teilnehmer:innen die Chance auf einen exklusiven Wissensvorsprung.

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Wir reden viel über KI in der Fachabteilung, aber wo stehen die IT-Entscheider:innen eigentlich selbst? Was war der Auslöser, die Lupe diesmal direkt auf das IT-Leadership zu richten?

Es gibt ja den alten Spruch, dass der Schuster selbst die schlechtesten Schuhe trägt. Oft fokussiert sich die IT-Organisation so sehr auf die Fachabteilungen, dass sie sich selbst und deren Effizienzpotenziale übersieht. Unsere These ist, dass jede erfolgreiche (IT-)Führungskraft bei sich selbst beginnen muss. Selbstführung ist die bewusste Steuerung und Ausrichtung des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns, um persönliche oder berufliche Ziele zu erreichen. Erst wenn dies im Lot ist, kann man das Optimum aus seinem eigenen Team und der IT-Organisation rausholen. Daher auch die Überlegung, den GenAI-Einsatz in der IT selbst zu analysieren und Verbesserungsvorschläge zu entwickeln.

Wir sprechen viel über die Produktivität der Teams, doch was ist mit der kognitiven Entlastung der Entscheider:innen? Erwartest Du, dass GenAI die Rolle der IT-Führung eher strategischer macht oder sie in noch mehr Datenflut ertrinken lässt?

Aktuell gibt es mehrere sich widersprechende Studien zur Produktivität von GenAI auf individuellen und Team Ebene (siehe Infobox). Dies hängt wohl auch davon ab, wie Produktivität definiert wird und auch welche Fragestellungen genau geprüft wurden. Es gibt aber klare Tendenzen, dass der richtige Einsatz von GenAI bei gewissen Personengruppen die Effizienz steigert. Wir sehen jedoch auch die Phänomene, dass manche GenAI Nutzer:innen kognitiv nachlassen und eine gewisse mentale Langeweile entstehen kann, was der Arbeitsmotivation schaden kann. Dieses Risiko kann ebenso für die IT-Führung bestehen und sollte adressiert werden. Genau deshalb ist es entscheidend, zu verstehen, wie man GenAI richtig und zielführend auf der operativen, taktischen und strategischen Ebene einsetzt.

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Wenn Du den Fragebogen vor Dir hast: Bei welchem Aspekt der Umfrage rechnest Du persönlich mit der grössten Überraschung in den Ergebnissen?

Wir denken, dass wir schon ein recht gutes Bild der Nutzung von GenAI-Tools sowie der typischen Produktivitäts-Quick-Cases haben. Jedoch erwarten wir spannende Ergebnisse bei den Fragestellungen, wo die Führungskräfte den grössten Bedarf an GenAI-Unterstützung in der taktischen und strategischen IT-Führung sehen würden. Hier geht es nicht vorerst um das Tool, sondern den Führungskompetenzen Bedarf, den wir ermitteln wollen. Zudem sind natürlich die Kontextfragen zu den Rahmenbedingungen, zur Einstellung zu GenAI und zur sektoralen Verteilung der Antworten für uns als Basis spannend. Und ich hoffe natürlich auf die Überraschung, dass dass Österreich bei der Anzahl der Antworten in der Umfrage führen wird *zwinker*.

Warum ist es für die Aussagekraft der Studie so wichtig, dass wir ein breites Spektrum aus der DACH-Region abbilden (vom KMU bis zum Konzern)?

Neben der sprachlichen Verbundenheit und der wirtschaftlichen Vernetzung des DACH-Raums möchten wir natürlich auch die Unterschiede der drei Länder etwas herausarbeiten. Das ermöglicht es, trotz möglicherweise unterschiedlicher Sichtweisen auf ähnliche Probleme, gemeinsame Dimensionen zu analysieren. Und wir erhoffen uns damit natürlich auch eine grössere Gesamtstichprobe, sodass Repräsentativität, Signifikanz und damit auch die Aussagekraft erhöht werden können.

Welchen konkreten Mehrwert haben IT-Leader von der Teilnahme? Inwiefern helfen die Ergebnisse der Community im DACH-Raum dabei, den eigenen Reifegrad besser einzuschätzen?

Wir greifen mit der Umfrage und der daraus resultierenden Studie ganz klar die Grundvoraussetzungen für den erfolgreichen unternehmerischen Einsatz von GenAI auf. Um auf den anfänglichen Spruch zurückzukommen: Oftmals verkauft ein Schuster, der selbst die besten Schuhe trägt, mehr und überzeugt den Kunden schneller.

Um den erfolgreichen Einsatz von GenAI vorzuleben, braucht es Best Practices und bewährte Ansätze in der IT selbst. Diese Handlungsempfehlungen und auch einen kleinen Benchmark möchten wir mit der Studie bieten. Der konkrete Mehrwert liegt somit ganz klar in einem gezielteren und erfolgreicheren Einsatz von GenAI-Tools für sich selbst und das IT-Team. Ebenso hilft die Studie dabei, dass die IT als Consultant und Partner für das Unternehmen und den Fachabteilungen den Nutzung von GenAI-Tools verbessert aufzeigen kann.

Sichern Sie sich Ihren Wissensvorsprung: Die Kernergebnisse werden Ihnen nach Abschluss der Studie auf Wunsch explizit zugestellt.

Studien zu Generativer KI

  • Rund 90 % der BCG-Berater:innen erreichten mit KI ein Leistungsniveau, das etwa 40 % über dem von Mitarbeitenden ohne KI lag (HBS 2023), N=750
  • 75 % der Unternehmen berichten von positiven Produktivitätseffekten durch KI (Wharton 2025), N=800
  • 73 % der DACH-Unternehmen sehen derzeit nur einen begrenzten Nutzen von GenAI; viele befinden sich noch in einer frühen Phase der GenAI-Adoption (Kobaltblau et al. 2025), N=223
  • Trotz Unternehmensinvestitionen von 30–40 Mrd. USD in GenAI sehen 95 % der Organisationen bislang keinen positiven Effekt in GuV bzw. P&L (MIT 2025), N=52

Quellen:
HBS (2023): Navigating the Jagged Technological Frontier, 2023
Wharton (2025): GEN AI FAST-TRACKS INTO THE ENTERPRISE, 2025
Kobaltblau et al. (2025): GenAI  Die neue Realität in der  IT-Organisation 2026+, 2025
MIT (2025): The GenAI Divide, STATE OF AI IN BUSINESS, 2025

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