Software Transformation: Die Zeiten des Line-basierten Codings sind vorbei

by Fernando Ducoing

Auf dem Confare DACH CIO Treffpunkt #CIO2020 – CIO OF THE DECADE berichtet Nino Messaoud, Chief Digital Officer bei Barry-Wehmiller über den Weg einer internen IT vom Kostenfaktor hin zum Umsatzbringer. In unserer Blog Reihe zum Thema Software Transformation nimmt Nino Stellung zur Rolle von Individual- und Standard Software und zur Zusammenarbeit mit externen Software-Entwicklern.

Welche Rolle spielt Software auf dem Weg des Unternehmens zu Digitaler Reife? Wie sehen Sie die unterschiedliche Bedeutung von Standard vs. Individual Software?

Software ist & bleibt ein Werkzeug um durch digitale Services u.a. folgende Ziele zu erreichen:

  • Umsatz- und Profitsteigerung (idealerweise Außenumsatz)
  • Kostensenkung (durch maximale Automatisierung der Prozesse)
  • Wettbewerbsabgrenzung (ich bin nicht mehr Produktverkäufer, sondern Serviceprovider. Meine Kunden können sich auf ihr jeweiliges Tagesgeschäft fokussieren, da ich als Dienstleister ihnen exakt dies ermögliche)

Hier ist es hilfreich, wenn ich mich nicht mehr in fragmentierten Applikationslandschaften, sondern in Plattformen bewege. Idealerweise binde ich meine Kunden / Lieferanten in diese Kollaborationsplattformen mit ein, um Prozesse deutlich besser / automatisierter – über meine eigenen Unternehmensgrenzen hinweg – gestalten kann. Hierbei spielt Software dann eine sehr wichtige Rolle, aber zuerst brauche ich eine Vision / Ziel, welches wirtschaftlich klar messbar ist.

Software Transformation: Nino MessaoudEs heißt, im Digitalen Zeitalter wird jedes Unternehmen zu einem Teil auch Software-Unternehmen sein. Welche Ressourcen, welches Wissen und welche Menschen braucht es dazu, um diesen Wandel erfolgreich zu meistern?

Die Zeiten des Line-basierten Codings in welcher Sprache auch immer, sind immer mehr vorbei. Wenn ich Themen wie Time-2-Market, Entwicklungs-, Maintenance- und Trainingskosten berücksichtige, dann geht der Trend immer mehr in Richtung von No-Code und Low-Code Plattformen. Ich brauche heute Menschen, die NICHT die aktuellen-, sondern die zukünftigen, optimierten Geschäftsprozesse in der IT abbilden können. Das ist heute nicht mehr der klassische Programmierer, sondern eher ein IT-affiner Business-Architekt. Es braucht Menschen, dir vor allem EINE sehr wichtige Fähigkeit haben: Bestandsprozesse kritisch zu hinterfragen und Ideen zu entwickeln und kurzfristig umsetzen zu können, ohne dabei das Big Picture aus den Augen zu verlieren. Darauf wird es immer mehr ankommen, wenn ich meine Klientel (Mitarbeiter, Kunden usw.) ZEITNAH (kurze Time-2-Market) bedienen möchte.

Wie sehen die Anforderungen an Technologie und Infrastruktur aus, um diese Transformation zu ermöglichen?

Plattformen mit konfigurierbaren Konnektoren an Legacy-Systeme usw. Die Vorteile:

  • Deutlich reduzierte Abhängigkeit von Legacy-Systemen, Know-Hows
  • Reduzierung von unübersichtlichen, alten Applikationslandschaften (es muss sich doch nur jeder einmal Fragen in wie vielen unterschiedlichen Systemen z.B. eine Adresse gespeichert ist? Und in welchem System ist die aktuellste Adresse und wer hält diese up-2-date? Plattformen reduzieren dies maximal
  • Infrastruktur muss flexibel anpassbar auf die Anforderungen (wie eigentlich die gesamte IT) von Morgen sein. Die Infrastruktur sollte in ECO-Netzwerken (Automatisierung zwischen allen Geschäftsparteien) Unternehmensübergreifend Services zur Verfügung stellen können.
Welche Herausforderungen und Chancen bringt die Zusammenarbeit mit externen Software-Entwicklern dabei?

I.d.R. verfügen externe Entwickler – weil zwingend notwendig – über State-of-Art Know-How, während die eigenen Entwickler oftmals NUR die eigene Landschaft teilweise kennen und sich oftmals über Jahre nicht weiterentwickelt haben. Insofern ist externes Know-How sehr befruchtend. Man muss aber darauf achten sich von externem Know-How nicht komplett abhängig zu machen und dieses wieder ins Unternehmen transportieren.

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Was sind die organisatorischen Voraussetzungen für die Zusammenarbeit zwischen IT, Kunden und Externen? Welche Methoden haben sich dabei bewährt?

Indem z.B. die IT – und nicht Sales etc. – mit Kunden redet. Kunden nehmen die IT nicht als eine Partei wahr, die etwas verkaufen will. Insofern sind dies i.d.R. sehr hilfreiche Gespräche um Kundenanforderungen deutlich besser verstehen zu können. Die IT sollte intern / extern als Ratgeber – und die als die Kellerkinder – wahrgenommen werden. Regelmäßige Round-Tables mit Kunden / Lieferanten bringen extrem viel im Sinne von nützlichen Anforderungen, sehr hohe Kundenbindung.

Was sind die entscheidenden Meilensteine dieser Transformation? Woran kann man Erfolg messen?

Business muss die KPIs im Vorfeld berechnen (nicht die IT !!). Und nur sinnhafte Anforderungen (mit einem durch das Business kalkulierten Mehrwert) werden auch umgesetzt. Das erzieht alle Seiten zu mehr Disziplin und Liefertreue.

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