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Entrepreneure sind für keine österreichische Partei eine relevante Zielgruppe

by Annecilla Sampt

Startup sein in Österreich ist nicht unbedingt einfach: Ein kleiner Markt, bürokratische Hürden und wenig politischer Rückenwind – Chris H. Leeb rät Gründern dazu, sich genau zu überlegen, wo der richtige Standort für die Gründung ist. Er ist ein Pionier der österreichischen Startup-Szene und unterstützt mit www.42angelitos.com  Entrepreneure dabei, aus der eigenen Idee ein erfolgreiches Unternehmen zu machen. So ist es nicht zuletzt seinen Anregungen zu verdanken, dass Confare einen so starken Social Media Fokus hat, was zu einem großen Teil den Erfolg unseres Unternehmens ermöglicht hat.

Als ehemaliger CIO der VA Tech AG kennt er auch die Welt der Konzerne und Großunternehmen. Die Kenntnis beider Welten macht ihn zum gefragten Keynote Speaker und Experten, sowie erfolgreichen Business Angel. Im Vorfeld der Confare Konferenz #IDEE2020, bei der es um digitale Innovation in Österreichs Unternehmen geht, haben wir ihn gefragt, woran man erfolgreiche Entrepreneure erkennt, was etablierte Unternehmen von Startups lernen können und was seine Sicht auf die Startup Szene in Österreich ist.

#IDEE 2020 ~ 4. November, Wien

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Mit 42angelitos unterstützt Ihr Startups in einem sehr frühen Stadium – in welchen Bereichen brauchen denn Gründer am meisten Rat und Tat von Euch?

Viele Entrepreneure haben Probleme den “unique value”, also den einzigartigen Wertbetrag ihrer Business Idee herauszuarbeiten. Die Idee ist nämlich noch nicht das Produkt oder Service. wir unterstützen beim Visionieren, beim Erstellen von laufenden kleinen Fragen an potentielle Kunden über das Problem, das gelöst sein soll und mit Recherchen am Internet nach Mitbewerb. Was auch sehr entscheidend ist: Entrepreneure gründen meistens dort, wo sie geboren sind oder zufällig leben. Wir sind der Überzeugung, dass ein Startup dort gegründet werden muss wo der Markt reif ist und am ehesten anspringt. Ansonsten sind Entrepreneure eigentlich Missionare und verschwenden Zeit und Energie. Was wir auch immer wieder feststellen ist, dass die Entrepreneure sich zu wenig Gedanken machen wie ihr privates Umfeld reagieren wird und was das für sie persönlich psychologisch bedeutet. Durch unsere jahrelange vielfältige Erfahrung können wir rasch 360 Grad abdecken, also alles, was Entrepreneure brauchen. zudem haben wir ein internationales grosses Netzwerk, das wir einbringen können, sei es für Partner oder für erste Kunden oder was auch immer ein Startup braucht.

Was ist es denn, was Deiner Erfahrung nach den Erfolg von Startups ausmacht?

Für Erfolg gibt es viele Gründe (für Misserfolg übrigens auch), aber das Wichtigste sind ein super Team, ein tolles Produkt mit einem unique value, die Kunst sich eine Community von zufriedenen Kunden aufzubauen sowie sich auf Wachstum zu konzentrieren. das inkludiert, dass das Business Modell passen muss und dass ein Startup nur das selbst macht was im Fokus ist und alles andere mit Partnern abdeckt. Was Entrepreneure auch haben müssen, ist der Wille unbedingt dran zu bleiben und nicht gleich aufzugeben. Jedes Startup hat Phasen mit Problemen und Fehlern und egal wie man plant es dauert alles länger, es ist teurer und es kommen weniger Kunden als erwartet.

Was können die etablierten Unternehmen von Startups lernen?

Sehr viel. Das wichtigste ist meines Erachtens die Mentalität: zukunftsorientiert nach vorne drängen statt altes bewahren und Istzustand aussitzen, neugierig zu bleiben statt altgierig zu werden, schnell zeit- und ortsunabhängig mithilfe von Tools mit Menschen zusammenzuarbeiten, die irgendwo auf der Welt sind anstatt jeden Tag 9 to 5 ins selbe Büro gehen und Meetings abhalten, bei denen nichts weitergeht und das Protokoll dann frühestens eine Woche später vorliegt.

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Die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Startups erscheint für beide attraktiv, funktioniert dann aber oft nicht wie geplant. Was sind denn Deiner Erfahrung nach die Gründe dafür?

Aus meiner Sicht prallen da komplett unterschiedliche Welten aufeinander. Ich habe schon früher mal gesagt, auch öffentlich in Keynotes “Innovation trifft Governance – beide tot”. etablierte Unternehmen haben viele Business Prozesse, Auflagen, Normen und Standards zu erfüllen. Dies führt dazu, dass sie in dem gut sind, was sie eben derzeit machen, innovieren können sie dann aber nicht mehr. Das liegt einerseits an den dort arbeitenden Menschen, von denen viele eher Angst haben, selbst den Job zu verlieren, als Freude etwas Neues zu machen. Es liegt aber auch sehr stark daran, dass durch den shareholder value die Unternehmensführung eben diesen sicherstellen will und muss. Innovation und Veränderung kostet aber, je später ein Unternehmen damit anfängt umso teurer wird es. Und für viele Unternehmen wird es zu spät sein, sie werden in ein paar Jahren einfach nicht mehr existieren.

Für Startups wiederum ist es eher schwer mit Corporates zusammenzuarbeiten: Entscheidungswege sind zu kompliziert und von außen nicht erkennbar, alles dauert zu lange, viele Corporates sind gewohnt, dass sie gratis Meetings bekommen und das über Wochen hinweg. Ein Startup kann sich das nicht leisten. Corporates kommen oft auch mit ihrer Rechtsabteilung daher und wollen lange Kooperationsverträge abschließen. Da muss das Startup gehen. Das macht keinen Sinn. Corporates sollen das Geld, das sie im bestehenden Business verdienen, nehmen und sich in Startups einkaufen, die sie aber dann in Ruhe lassen. Wenn es dann gelingt, dass ein paar innovative Mitarbeiter*innen sich für die Startups interessieren, lernen und etwas davon wieder zurück in das Unternehmen bringen, ist schon viel erreicht. Das kann ein Unternehmen auch fördern.

Wie gut ist denn Deiner Ansicht nach die Startup-Branche in Österreich? Was sind ihre Stärken und Schwächen?

Österreich hat hier Nachholbedarf. Positiv ist, dass in den letzten Jahren viel passiert ist, allerdings schlafen in anderen Ländern die Leute auch nicht. Was noch immer fehlt sind einfache, unbürokratische Möglichkeiten der Gründung und Anreize, Wagniskapital in Startups zu stecken. Skeptisch sehe ich Förderungen. Sie sind zwar auf den ersten Blick interessant, aber vielfach wird das gefördert was die Förderstelle kennt – und das ist meistens nicht innovativ genug – und zweitens sind meistens Bedingungen dabei, die aus Sicht des Startups nicht wichtig sind und sogar für weitere Expansion und investmentrunden prohibitiv sein können. Außerdem bindet Antragstellung und Berichtswesen Ressourcen des Startups, die meines Erachtens nach besser inAkquise echter Kunden gesteckt werden sollte.

Die Politik interessiert sich überhaupt nicht für Startups, egal welche Partei man anschaut. das kann jede/r gerade jetzt im Wahlkampf sehen. Es geht um Pensionen, Pflege, Öko, gegen Korruption, usw. – alles wichtige Themen. Aber es geht eben nicht um Startups, weil die Entrepreneure wählertechnisch uninteressant sind. Daher erwarte ich auch von zukünftigen Regierungen hier nichts.

Ich sehe es mittlerweile so: Österreich ist als potentieller Markt mit 8.5 Millionen Menschen für viele Startups uninteressant. Deswegen ist es ja so wichtig sich als Entrepreneure Gedanken zu machen wo das Startup gegründet werden soll.

Über die Jahre wird Österreich massiv Entrepreneure und Startups verlieren, weil die jungen Menschen immer mobiler werden. Es wird versucht werden Startups in Österreich zu halten und wir werden noch viele Märtyrer sehen.

Mein Vorschlag wäre der, dass Österreich alle österreichischen Entrepreneure unterstützt, egal wo auf der Welt sie ihr Unternehmen gründen und nicht, wie es derzeit ist, wo maximal das Interesse an neuen Steuerzahlern besteht.

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