Talente entwickeln statt suchen – Warum 42 Vienna mehr als eine Ausbildung ist

by Cansu Karacan

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Talente entwickeln statt suchen – Warum 42 Vienna mehr als eine Ausbildung ist

42 Vienna

Der Fachkräftemangel in der IT ist real und er kostet Milliarden. Doch während Unternehmen händeringend nach Talenten suchen, stellt sich eine entscheidende Frage: Wie sieht eine Ausbildung aus, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern Menschen wirklich fit für die digitale Realität macht? Bei 42 Vienna entsteht genau das: eine neue Generation von IT-Professionals, die nicht nur coden können, sondern im Team denken, Probleme kreativ lösen und mit Künstlicher Intelligenz auf Augenhöhe arbeiten. Was steckt hinter dem Modell ohne Lehrkräfte, Stundenpläne und klassische Vorlesungen? Und warum sind genau diese Absolvent:innen für Unternehmen so spannend? Antworten darauf gibt Frau Mag. Tatjana Lulevic-Heyny, Geschäftsführerin von 42 Vienna, im Gespräch mit Confare.

Wie entwickelt sich aus Eurer Sicht die Nachfrage nach IT-Profis? Welche Skills sollte man sich in der Ausbildung aneignen?

Österreich verzeichnet einen erheblichen IT-Fachkräftemangel: Zwischen 24.000 und 28.000 fehlende IT-Fachkräfte[1] verursachen laut Branchenverband einen jährlichen wirtschaftlichen Schaden von bis zu 4,9 Mrd €[2]. Neben technischen Kenntnissen gewinnen Soft Skills wie Teamfähigkeit, Kommunikation und Konfliktmanagement zunehmend an Bedeutung.

42 Vienna bietet durch Peer-to-Peer-Learning, Einzel- und Gruppenprojekte sowie projektbasiertes Arbeiten ein optimales Umfeld, um technische und soziale Kompetenzen gleichermaßen zu entwickeln.

[1] Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) & Fachverband UBIT, IT-Fachkräftestudien 2023–2024
[2] Branchenradar 2023 (Studie im Auftrag von WKO/BMDW) – zitiert u.a. auf: futurelearninglab.at/2023/05/09

Wie wichtig schätzt Ihr Coding Skills ein, wenn gerade immer mehr AI in der Software-Entwicklung zum Einsatz kommt?

Trotz der zunehmenden Rolle von Künstlicher Intelligenz in der Software-Entwicklung bleiben Coding-Skills eine zentrale Schlüsselkompetenz – und werden in vielen Bereichen sogar noch wichtiger. KI-gestützte Tools wie GitHub, Copilot oder ChatGPT können Entwickler:innen bei Standardaufgaben unterstützen, Vorschläge generieren oder repetitive Aufgaben automatisieren. Doch sie ersetzen kein fundiertes Verständnis von Programmierlogik, Systemarchitektur oder Softwarequalität.

Wer mit KI-generierten Code arbeitet, muss ihn lesen, verstehen, auswerten und anpassen können. Ohne diese Fähigkeiten entstehen schnell fehlerhafte, unsichere oder ineffiziente Lösungen. Darüber hinaus sind es weiterhin Menschen, die komplexe Systeme entwerfen, kreative Lösungen entwickeln und den Gesamtüberblick behalten – Aufgaben, bei denen KI an ihre Grenzen stößt.

Auch Debugging, Testing und Qualitätssicherung erfordern ein tiefes Verständnis der zugrunde liegenden Logik und Architektur. In sicherheitskritischen oder regulierten Bereichen kommt zusätzlich die Verantwortung für ethische Entscheidungen und nachvollziehbare Ergebnisse hinzu[3].

Gleichzeitig entstehen aber auch neue Rollenprofile – wie zb. Prompt Engineers – wo fundierte Kenntnisse, die 42 vermittelt, eine ideale Voraussetzung sind, um effektiv mit KI zu arbeiten.

[3] Siehe auch: OECD Digital Economy Outlook 2022; sowie EU KI-Gesetzgebung (AI Act, 2024)

Was zeichnet die Ausbildung von Vienna 42 aus? Was bedeutet das für die Studierenden?

Die Ausbildung bei 42 Vienna basiert auf einem innovativen Peer-to-Peer-System, das klassische Lehrformen vollständig ersetzt. Es gibt keine Lehrkräfte, keinen Frontalunterricht und keine festen Stundenpläne – stattdessen lernen die Studierenden selbstorganisiert in Projekten und bewerten sich gegenseitig, Kernkompetenzen in einem sich ständig wandelnden Technologieumfeld. Dieses Modell fördert sowohl technische als auch soziale Kompetenzen wie Teamarbeit, Kommunikation, Selbstorganisation und Kritikfähigkeit.

Ein besonderer Vorteil: Man kann ohne jegliche Vorkenntnisse starten. Die Studierenden beginnen mit den Grundlagen und erarbeiten sich Schritt für Schritt fundierte Programmierkenntnisse in C und C++, um ein tiefes Verständnis für Computerlogik, Speicherverwaltung und effiziente Algorithmen zu entwickeln[4].

Durch das Prinzip der gegenseitigen Evaluation lernen sie nicht nur passiv beim Lösen eigener Aufgaben, sondern auch aktiv beim Reflektieren der Lösungen anderer – ein zentraler Baustein für nachhaltiges Lernen und berufliche Reife.

[4] Vgl. 42 Network Curriculum: https://42.fr/en/the-pedagogy/

Wie stellt Ihr dabei die Qualität der Ausbildung sicher?

Die Qualität der Ausbildung bei 42 Vienna wird auf mehreren Ebenen sichergestellt. Zum einen wird das gesamte Lernkonzept – inklusive der Projekte, Levels und Lernpfade – kontinuierlich vom internationalen 42 Network weiterentwickelt. So bleiben Inhalte technologisch aktuell und didaktisch wirksam.

Zum anderen gibt es auf jedem Campus – auch bei 42 Vienna – ein pädagogisches Team, das für die lokale Umsetzung des Konzepts verantwortlich ist. Dieses Team begleitet die Studierenden, achtet auf die Einhaltung der Methodik und sorgt dafür, dass die Peer-to-Peer-Learning-Prozesse in hoher Qualität durchgeführt werden.

Wichtig: Alle Mitglieder des pädagogischen Teams haben den Common Core – das zentrale Basismodul – selbst durchlaufen und kennen das System aus eigener Erfahrung.

Welche Möglichkeiten bietet Ihr CIOs und IT-Entscheidern zur Kooperation?

42 Vienna bietet CIOs und IT-Verantwortlichen vielfältige Möglichkeiten zur Zusammenarbeit. Unternehmen können Partner werden und profitieren dadurch von einem innovativen Ausbildungskonzept, das Talente ohne Vorkenntnisse bis zu einem professionellen Niveau fördert.

Je nach Kooperationsmodell erhalten Unternehmen direkten Zugang zu den Studierenden – etwa durch Praktika, gemeinsame Projekte, Recruiting-Events oder individuelle Assessments. Die Zusammenarbeit ist flexibel und kann individuell auf die Bedürfnisse der Partner abgestimmt werden.

Weitere Informationen zu den Möglichkeiten einer Partnerschaft gibt es auf unserer Website: 42vienna.com/en/partners/become-a-partner

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Ausbildung neu denken, Diversität fördern, Talente entdecken – genau solche Impulse stehen auch beim Confare CIOSUMMIT Salzburg – Livin IT im Fokus. Die Veranstaltung bringt Vordenker:innen aus Wirtschaft, IT und Bildung zusammen und zeigt: Wer heute in Menschen investiert, gestaltet die digitale Zukunft aktiv mit.

Wo liegen Eure unternehmerischen Perspektiven?

Unsere Perspektive ist es, eine nachhaltige IT-Talente-Pipeline aufzubauen, die den steigenden Fachkräftebedarf in Österreich und darüber hinaus abdeckt. Wir verstehen uns als Brücke zwischen Ausbildung und Arbeitsmarkt – mit dem Ziel, Menschen unabhängig von Herkunft, Alter oder Schulbildung den Einstieg in die IT zu ermöglichen.

Wir wollen wachsen – in der Zahl der Studierenden und in der Vielfalt unserer Unternehmenspartner. Als Plattform für innovative IT-Ausbildung ist 42 nicht nur für technische Fähigkeiten anerkannt, sondern auch für soziale Kompetenzen, die in der modernen Arbeitswelt entscheidend sind.

Könnt Ihr konkrete Beispiele für den Werdegang Eurer Absolvent:innen von 42 Vienna nennen? In welchen Unternehmen und Positionen sind sie heute tätig?

Viele unserer Absolvent:innen starten in namhaften Unternehmen aus Technologie, Industrie, Finanzdienstleistungen oder Beratung – etwa in der Softwareentwicklung, im IT-Support oder im Projektmanagement. Ein Teil beginnt direkt bei unseren Partnerunternehmen, häufig nach einem Praktikum, und wird anschließend übernommen.

Diese Vielfalt zeigt: Das Ausbildungsmodell von 42 Vienna bereitet praxisnah und zielgerichtet auf die Anforderungen des Arbeitsmarkts vor.

Einige Studierende haben in den Praktika als Software Engineers zu arbeiten begonnen, es gibt aber auch Studierende, die im Feld des Software Testings, des Technology Consultants, im E-Commerce, im Rahmen von Compliance Prozessen und Datenanalysen ihre ersten Karriereschritte gemacht haben.

Welche konkreten Vorteile und welchen “Return on Investment” sehen Partnerunternehmen in der Zusammenarbeit mit 42 Vienna?

Partnerunternehmen profitieren in vielerlei Hinsicht: Sie erhalten Zugang zu Talenten mit fundiertem technischem Know-how und ausgeprägten Soft Skills wie Teamarbeit, Selbstorganisation und Problemlösung. Das erleichtert nicht nur das Recruiting, sondern reduziert auch die Abhängigkeit von externen Dienstleistern.

Viele Partnerunternehmen bauen durch die Zusammenarbeit eine langfristige Talent-Pipeline auf. Absolvent:innen starten oft mit einem beruflichen Praktikum – und bleiben dann. Gleichzeitig bringen sie neue Impulse ins Unternehmen, da sie in einem unkonventionellen Lernumfeld ausgebildet wurden.

Welche konkreten Maßnahmen ergreift 42 Vienna, um mehr Frauen und Personen mit unterschiedlichen Hintergründen für die IT zu begeistern und zu fördern?

42 Vienna setzt gezielte Maßnahmen, um Diversität zu stärken – mit besonderem Fokus auf FLINTA-Personen (Frauen, Lesben, Inter, Nicht-binäre, Trans und Agender). Ein zentrales Angebot ist eine Discovery Piscine speziell für FLINTA – eine Einstiegsphase in geschütztem Rahmen, die grundlegende Programmierfähigkeiten vermittelt und Hürden abbaut, die in traditionellen IT-Ausbildungen oft bestehen.

Darüber hinaus fördert 42 Vienna eine offene Community, gezieltes Mentoring sowie Peer-Support. Es gibt keine formalen Zugangsvoraussetzungen und keine Gebühren – das erleichtert besonders Quereinsteiger:innen oder Menschen mit Betreuungspflichten den Einstieg.

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Initiativen wie das Confare Female IT-Mentoring und Ausbildungsmodelle wie jenes von 42 Vienna verfolgen ein gemeinsames Ziel: mehr Vielfalt in der IT. Denn technologische Innovation braucht unterschiedliche Perspektiven, Hintergründe und Lebenswege. Durch gezielte Förderung, Community-Building und niederschwellige Zugänge schaffen wir Räume, in denen FLINTA-Personen wachsen, sich vernetzen und die digitale Zukunft aktiv mitgestalten können.

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