Technologische Exzellenz trifft gesellschaftliche Verantwortung: Das Führungscredo von Ozan Capraz

by Cansu Karacan

Technologische Exzellenz trifft gesellschaftliche Verantwortung: Das Führungscredo von Confare ImpactAward Nominee Ozan Capraz

In dieser Blogbeitrag-Reihe sprechen wir mit den Nominees des Confare ImpactAward – der Auszeichnung für IT-Entscheider:innen, die die IT in das Rampenlicht rückt. Unser heutiger Gast: Ozan Capraz, Geschäftsführer der AirIT Services. Er positioniert die Informationstechnologie als strategischen Kern gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Souveränität. Am Beispiel hochkomplexer Flughafeninfrastrukturen zeigt er, wie aus einem internen Konzern-Dienstleister ein flexibler IT-Partner für die gesamte Region wird – und warum IT-Verantwortliche heute politisch und ethisch mitdiskutieren müssen.

 

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Warum sollte IT in der öffentlichen Debatte mehr Wahrnehmung bekommen?

IT ist heute längst kein rein unterstützender Bereich mehr, sondern ein zentraler Treiber für Wirtschaft, Sicherheit und gesellschaftliche Entwicklung. Nahezu alle Lebens- und Arbeitsbereiche sind inzwischen digital geprägt – und damit abhängig von stabilen, sicheren und leistungsfähigen IT-Systemen.

Dabei geht es nicht mehr nur um Effizienz oder technologische Weiterentwicklung. Themen wie digitale Souveränität, der Schutz kritischer Infrastrukturen oder der verantwortungsvolle Einsatz von Künstlicher Intelligenz sind gesellschaftlich hochrelevant. Sie betreffen Unternehmen, Staat und Bürger gleichermaßen. Fragen nach Datenhoheit, Sicherheit und Kontrolle über digitale Systeme sind dabei ebenso entscheidend wie die Frage, wie wir Innovation sinnvoll und verantwortungsvoll gestalten.

Gerade in einer global vernetzten Welt ist IT auch ein strategischer Faktor geworden. Digitale Souveränität bedeutet, technologische Fähigkeiten bewusst aufzubauen und Abhängigkeiten zu verstehen und zu steuern.

Wenn wir als Gesellschaft wettbewerbsfähig bleiben wollen, muss IT deutlich stärker Teil der öffentlichen Diskussion werden – nicht nur technisch, sondern auch politisch, wirtschaftlich und ethisch. Denn nur wenn wir die Auswirkungen digitaler Entwicklungen wirklich verstehen, können wir sie aktiv gestalten. Sichtbarkeit schafft dabei Verständnis – und Verständnis ist die Grundlage für gute Entscheidungen.

Welche Rolle spielen IT und Digitalisierung für ein Unternehmen wie Fraport?

Für uns als AirIT Services und Tochter der Fraport AG sind IT und Digitalisierung weit mehr als nur unterstützende Funktionen – sie sind das Fundament moderner Wertschöpfung und das Rückgrat eines leistungsfähigen Unternehmens. In einer zunehmend vernetzten und dynamischen Welt entscheiden digitale Fähigkeiten darüber, wie effizient, flexibel und zukunftsfähig Organisationen agieren können.

Das zeigt sich besonders deutlich im Umfeld eines komplexen Systems wie eines Flughafens: Vom Passagierfluss über Sicherheitsprozesse bis hin zur Logistik im Hintergrund – ohne stabile, skalierbare und intelligente IT-Systeme funktioniert ein moderner Betrieb nicht. Gleichzeitig ist dieses Beispiel nur ein Ausschnitt dessen, was branchenübergreifend gilt: Ob Industrie, Logistik, Handel oder öffentliche Verwaltung – IT und Digitalisierung sind heute überall geschäftskritisch.

Als 100%ige Tochter leisten wir gemeinsam mit der Fraport IT einen wesentlichen Beitrag dazu, dass der Betrieb am Standort Frankfurt reibungslos, sicher und effizient läuft. Darüber hinaus entwickeln wir uns als AirIT Services konsequent weiter – hin zu einem leistungsstarken IT-Partner für Kunden auch außerhalb der Aviation-Branche. Diese Transformation basiert auf der Überzeugung, dass unsere Kompetenzen in der Bewältigung hochkomplexer, kritischer Infrastrukturen auch in anderen Branchen einen echten Mehrwert schaffen.

Digitalisierung bedeutet für uns dabei nicht nur Technologieeinsatz, sondern vor allem einen ganzheitlichen Ansatz zur Verbesserung von Prozessen, Entscheidungen und Kundenerlebnissen. Konkret heißt das:

Wir automatisieren Abläufe, um Effizienzpotenziale zu heben und Mitarbeitende zu entlasten.

Wir nutzen Daten intelligent, um fundierte Entscheidungen in Echtzeit treffen zu können.

Und wir steigern die Servicequalität, indem wir Prozesse konsequent aus Sicht der Nutzer und Kunden denken.

Ein greifbares Beispiel ist die intelligente Steuerung von Passagierströmen: Durch den gezielten Einsatz von Datenanalysen lassen sich Wartezeiten reduzieren, Ressourcen optimal einsetzen und gleichzeitig Sicherheitsanforderungen besser erfüllen. Ein weiteres Beispiel ist der Einsatz von Predictive Maintenance, bei dem Systeme frühzeitig erkennen, wann Wartungsbedarf entsteht – bevor es überhaupt zu einem Ausfall kommt. Diese Prinzipien lassen sich jedoch eins zu eins auf andere Branchen übertragen, etwa in der Produktion, im Energiesektor oder in der Logistik.

Am Ende geht es immer um dasselbe Ziel: Unternehmen leistungsfähiger, widerstandsfähiger und kundenorientierter zu machen. IT und Digitalisierung sind dabei kein Selbstzweck, sondern der entscheidende Hebel, um dieses Ziel zu erreichen. Wer langfristig effizienter arbeiten, Innovation vorantreiben und im Wettbewerb bestehen will, kommt an ihnen nicht vorbei.

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Wie verändern sich die Anforderungen an Führungskräfte im AI-Zeitalter?

Im AI-Zeitalter verändert sich die Rolle von Führungskräften spürbar. Sie sind weniger der klassische Entscheider im Sinne von „oben wird entschieden und unten umgesetzt“, sondern zunehmend Gestalter von Rahmenbedingungen, in denen gute Entscheidungen überhaupt erst entstehen können.

Das hat mehrere konkrete Auswirkungen: Zum einen wächst die Verantwortung für Mitarbeitende, weil sich Rollen, Tätigkeiten und ganze Berufsprofile durch den Einsatz von KI und Automatisierung verändern. Führung bedeutet hier, diese Veränderungen aktiv zu begleiten und Entwicklungsperspektiven aufzuzeigen. Zum anderen wird Orientierung in einer sehr dynamischen und teilweise unsicheren Umgebung immer wichtiger. Teams brauchen klare Leitplanken, um in einem Umfeld technologischer Beschleunigung handlungsfähig zu bleiben.

Gleichzeitig wird ein grundlegendes Verständnis von Technologie zur Pflicht für Führungskräfte – nicht im Sinne einer tiefen technischen Expertise, sondern als Fähigkeit, Chancen und Risiken von KI und digitalen Lösungen richtig einordnen zu können und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Im Kern geht es darum, Menschen mitzunehmen, mögliche Unsicherheiten ernst zu nehmen und gleichzeitig die Chancen neuer Technologien klar sichtbar zu machen. Eine zentrale Aufgabe wird es sein, Teams so zu gestalten, dass Mensch und KI sinnvoll zusammenarbeiten und sich gegenseitig ergänzen.

Gute Führung bedeutet in diesem Kontext vor allem: Vertrauen schaffen, kontinuierliches Lernen ermöglichen und Veränderung nicht nur zu begleiten, sondern aktiv zu gestalten.

Ihr entwickelt das Unternehmen vom Konzern-Dienstleister zum gefragten IT-Partner der Region. Was braucht es, damit dieser Wandel funktioniert?

Dieser Wandel gelingt nur, wenn er konsequent strategisch ausgerichtet ist und von einem kulturellen Mindset-Shift begleitet wird. Es reicht nicht, bestehende Strukturen weiterzuentwickeln – vielmehr muss die Organisation in Teilen neu gedacht werden, ohne dabei ihre Stabilität und Herkunft zu verlieren.

Wesentliche Erfolgsfaktoren sind dabei klar erkennbar: Eine konsequente Kundenzentrierung, die über reine Leistungserbringung hinausgeht und den tatsächlichen Mehrwert für den Kunden in den Mittelpunkt stellt. Ebenso wichtig ist der Aufbau von Marktkompetenz und Vertriebsstärke, um Leistungen aktiv zu positionieren und neue Geschäftsfelder zu erschließen.

Dazu kommt eine klare, differenzierte Positionierung im Markt mit einem Leistungsportfolio, das nicht nur technisch überzeugt, sondern auch strategisch relevant ist. Entscheidend ist außerdem Geschwindigkeit und Flexibilität in der Umsetzung – denn in einem dynamischen Umfeld zählt zunehmend die Fähigkeit, schnell zu reagieren und gleichzeitig qualitativ stabil zu liefern.

Trotz aller Veränderung bleibt ein Punkt zentral: Die bestehenden Stärken als verlässlicher Partner im Konzern dürfen nicht verloren gehen. Vertrauen, Qualität und Stabilität sind und bleiben das Fundament, auf dem alles andere aufbaut.

Für mich persönlich ist darüber hinaus wichtig, dass wir als Unternehmen auch über unsere unmittelbaren Aufgaben hinaus Verantwortung übernehmen – für unsere Umgebung, für die Region und für das Umfeld, in dem wir wirken. Auch als kleines Zahnrädchen im größeren System können wir Impulse setzen und zeigen, dass nachhaltiges und verantwortungsvolles Handeln möglich ist. Vielleicht gelingt es uns sogar, damit für andere ein Stück weit Vorbild zu sein und positive Entwicklung mit anzustoßen.

Am Ende geht es darum, unternehmerischer zu denken und zu handeln, Chancen aktiv zu gestalten und Verantwortung zu übernehmen – ohne die eigene DNA und Herkunft aus den Augen zu verlieren.

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Oft wird der Rückstand Deutschlands in der Digitalisierung beklagt. Welche Hebel hat die CIO-Community um einen Beitrag zu leisten?

Die CIO-Community trägt eine zentrale Verantwortung, die Digitalisierung aktiv und sichtbar voranzutreiben. Sie ist nicht nur Treiber technologischer Entwicklung, sondern auch ein wichtiger Gestalter von Veränderung in Wirtschaft und Gesellschaft.

Dabei reicht es nicht aus, auf fehlende Rahmenbedingungen, regulatorische Hürden oder langsame Entwicklungen zu verweisen. Entscheider müssen selbst ins Handeln kommen und im eigenen Verantwortungsbereich konsequent beginnen. Das kann bei der Digitalisierung von Prozessen sein, bei der Förderung von Innovation im eigenen Unternehmen oder beim pragmatischen Einsatz neuer Technologien, auch wenn diese noch nicht vollständig „perfekt“ sind.

Entscheidend ist: Wenn viele dieser kleinen, konkreten Schritte zusammenkommen, entsteht echte Bewegung und damit auch messbarer Fortschritt.

Darüber hinaus hat die CIO-Community die Chance und auch die Verantwortung, über das eigene Unternehmen hinaus Wirkung zu entfalten. Dazu gehört, Best Practices offen zu teilen und voneinander zu lernen, Kooperationen über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg aktiv zu fördern und den Austausch zu stärken. Ebenso wichtig ist es, den Dialog mit Politik und Gesellschaft aktiv zu suchen, um Digitalisierung nicht nur technisch, sondern auch strategisch und gesellschaftlich mitzugestalten.

Am Ende bleibt eine einfache, aber zentrale Frage: Wenn nicht wir als Entscheider diese Entwicklung vorantreiben – wer dann?

Wie viel gesellschaftliche Verantwortung trägt man als Führungskraft – und was bedeutet das für dich in der täglichen Praxis?

Wir als Führungskräfte tragen eine hohe gesellschaftliche Verantwortung – und diese geht weit über die Grenzen des eigenen Unternehmens hinaus. In einer zunehmend vernetzten und transparenten Welt wirken Entscheidungen, Verhalten und Kommunikation von Führungspersönlichkeiten immer auch nach außen und prägen damit Wirtschaft und Gesellschaft gleichermaßen.

Wir sind dabei Vorbilder – sowohl intern gegenüber Mitarbeitenden als auch extern gegenüber Kunden, Partnern und der Öffentlichkeit. Unser Handeln beeinflusst Kultur, Vertrauen und Reputation nachhaltig. Gerade in Zeiten des Wandels wird diese Vorbildfunktion noch sichtbarer und zugleich relevanter.

In der täglichen Praxis bedeutet das für mich konkret: Entscheidungen werden nicht ausschließlich aus wirtschaftlicher Perspektive getroffen, sondern immer auch im Hinblick auf Verantwortung und Wirkung. Transparenz und Fairness sind dabei keine optionalen Werte, sondern grundlegende Prinzipien des Handelns. Ebenso wichtig ist es, langfristig und nachhaltig zu denken, statt kurzfristige Optimierung in den Vordergrund zu stellen. Und nicht zuletzt gehört dazu, Menschen respektvoll zu behandeln, zu fördern und in ihrer Entwicklung aktiv zu unterstützen.

Führung endet nicht an der Unternehmensgrenze – sie wirkt immer auch in die Gesellschaft hinein und trägt damit ein Stück Mitverantwortung für das größere Ganze.

Welche Bedeutung hat der Confare #ImpactAward für dich persönlich?

Mein Fokus liegt klar auf der Verantwortung, die ich als Geschäftsführer trage – gegenüber dem Unternehmen, unseren Mitarbeitenden und auch meinem persönlichen Umfeld. Diese Verantwortung ist für mich der zentrale Maßstab, an dem sich Entscheidungen und tägliches Handeln ausrichten. Der Confare #ImpactAward ist in diesem Zusammenhang eine sehr wertschätzende und schöne Anerkennung dieser Arbeit.

Ich verstehe meine Rolle vor allem darin, Orientierung zu geben, Entwicklung zu ermöglichen und Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen sich Menschen und Organisationen nachhaltig weiterentwickeln können. Dabei geht es weniger um kurzfristige Ergebnisse, sondern um langfristige Wirkung, Stabilität und Vertrauen.

Als Geschäftsführer eines Unternehmens mit starken Wurzeln in der Region fühle ich mich zudem dem Rhein-Main-Gebiet eng verbunden. Wirtschaftlicher Erfolg und gesellschaftliche Verantwortung gehören für mich zusammen und beeinflussen sich gegenseitig. Unternehmen sind immer Teil eines größeren Ganzen und wirken entsprechend auch in ihr Umfeld hinein.

Wir stehen noch am Anfang unserer Entwicklung. Vieles ist in Bewegung und im Aufbau. Genau darin liegt auch die Chance, Dinge aktiv zu gestalten und weiter voranzubringen. Denn Veränderung entsteht nur durch Bewegung:

Every journey begins with a single step.

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