Von der Experimentierphase zur industriellen KI-Skalierung – IT-Prioritäten 2026

by Cansu Karacan

Die IT ist längst aus der Rolle des reinen Unterstützers herausgewachsen. Angesichts von Fachkräftemangel, volatilen Lieferketten und der Dekarbonisierung fungiert sie heute als das strukturelle Fundament für die Überlebensfähigkeit moderner Unternehmen. Doch wie gelingt der Sprung von isolierten KI-Piloten zur echten industriellen Skalierung, während gleichzeitig die Cyber-Resilienz gewahrt bleibt?

Im Interview gibt Gunther Reimoser, Country Managing Partner bei EY, exklusive Einblicke in die Schwerpunkte des Jahres 2026. Er beleuchtet, warum Architektur stets vor Applikation kommen muss und wie Europa durch technologische Souveränität seine Handlungsfähigkeit behauptet.

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Welche Rolle spielen IT und Digitalisierung heute dabei, gesellschaftliche und wirtschaftliche Herausforderungen zu bewältigen?

Viele der anstehenden Herausforderungen unserer Zeit, sei es für die Gesellschaft oder für die Unternehmen, sind nur durch den Einsatz von (neuen) Technologien lösbar. Ob Energiewende, Fachkräftemangel, Lieferkettenstabilität oder demografischer Wandel: Ohne Technologien und Digitalisierung sind diese Herausforderungen nicht skalierbar lösbar. ZB sehen 30% der im Rahmen des EY Mittelstandsbarometers 2026 befragten Unternehmen KI als Chance, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken (EY Mittelstandsbarometer 2026 – Fachkräftemangel | EY – Österreich). Daher ist IT ist längst kein unterstützender Faktor mehr – sie ist strukturelle Voraussetzung für Wettbewerbsfähigkeit und gesellschaftliche Resilienz.

Technologie ermöglicht Transparenz in komplexen Systemen, datenbasierte Entscheidungen und neue Formen der Zusammenarbeit. Sie hilft Unternehmen, nachhaltiger zu wirtschaften, Prozesse effizienter zu gestalten und innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Gleichzeitig trägt IT Verantwortung: für Datensicherheit, ethischen KI-Einsatz und vertrauenswürdige digitale Infrastrukturen. Digitalisierung ist damit nicht nur ein Effizienzthema – sondern ein Gestaltungsinstrument für wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunftsfähigkeit.

Wie nimmst Du die aktuelle wirtschaftliche Lage wahr, und welche Auswirkungen hat sie aus Deiner Sicht konkret auf Investitionen, Prioritäten und Erwartungshaltungen in der Unternehmens-IT?

Die wirtschaftliche Lage ist geprägt von Unsicherheit – geopolitisch, regulatorisch und konjunkturell. Leider wird sich das in den nächsten Monaten nicht grundlegend ändern. Das führt nicht zu weniger IT, sondern zu stärker fokussierter IT.

Investitionen werden kritischer hinterfragt. Projekte müssen klaren Business Impact liefern, sei es durch Effizienzgewinne, Resilienzsteigerung oder neue Umsatzpotenziale. „Nice-to-have“-Innovationen werden zurückgestellt, während Themen wie Automatisierung, Datenplattformen, Cybersecurity und KI priorisiert werden.

Die Erwartungshaltung an CIOs steigt gleichzeitig: Sie sollen Kosten optimieren, Innovation ermöglichen und Risiken managen – oft parallel. Das verlangt eine klare Priorisierung und die Fähigkeit, Technologie konsequent an strategischen Unternehmenszielen auszurichten.

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Was bedeutet das für Euer eigenes Unternehmen? Wo setzt Ihr 2026 bewusst Schwerpunkte?

Für uns als Berater bedeutet das, CIOs noch stärker in ihrer strategischen Rolle zu begleiten. 2026 setzen wir bewusst Schwerpunkte in drei Bereichen:

Erstens: KI-Transformation aus Business-Perspektive – also nicht nur Pilotprojekte, sondern skalierbare, sichere und regulatorisch saubere Implementierungen, dort, wo der Mehrwert liegt. Daher haben wir unser KI-Beratungsteam auch massiv ausgebaut und mit Patrick Ratheiser einen anerkannten KI-Experten als neunen Leiter gewonnen.

Zweitens: Ganzheitliche Digitalisierungsstrategien – von der klaren Zielbilddefinition über Priorisierung und Roadmapping bis hin zur Modernisierung von Kernsystemen und IT-Architekturen als Fundament nachhaltiger Innovationsfähigkeit.

Drittens: Cyber-Resilienz als integraler Bestandteil jeder Transformationsinitiative. EY deckt die ganze Palette der Cybersicherheit ab, von einem eigenen Hardware-Security Labor für unsere Kunden über Cyber-as-a-Service bis hin zur Beschaffung von Förderungsmittel aus lokalen oder EU-Töpfen.

Unser Fokus liegt darauf, Technologie nicht isoliert zu betrachten, sondern als Bestandteil einer ganzheitlichen Unternehmensentwicklung – mit klarer Verankerung in Strategie, Organisation und Kultur.

Die geopolitische Unsicherheit der letzten Jahre hat viele Abhängigkeiten sichtbar gemacht. Was braucht es aus Deiner Sicht, damit Europa daraus einen nachhaltigen Innovations- und Digitalisierungsschub entwickelt?

Europa braucht technologische Souveränität – aber nicht im Sinne von Abschottung, sondern als Fähigkeit zur eigenständigen Gestaltung.

Dafür sind drei Dinge entscheidend:
Erstens Investitionen in digitale Infrastruktur und Reduktion der kritischer Abhängigkeiten.
Zweitens ein innovationsfreundlicher regulatorischer Rahmen, der Sicherheit bietet, ohne Innovationskraft zu hemmen.
Drittens eine stärkere Vernetzung von Wirtschaft, Forschung und Startups.

Und daneben: Zur Finanzierung wird auch die Stärkung des österreichischen und europäischen Kapitalmarkts nötig sein.

Europa hat exzellente Talente und starke Industriekompetenz. Wenn es gelingt, diese mit einer klaren digitalen Agenda zu verbinden, kann aus der aktuellen Unsicherheit ein nachhaltiger Innovationsschub entstehen.

Gibt es technologische Entwicklungen, von denen Du glaubst, dass sie 2026 den Markt tatsächlich prägen werden?

2026 wird kein Jahr einzelner „Hype-Technologien“, sondern der Skalierung.

Generative KI wird vom Experiment in produktive Kernprozesse übergehen – insbesondere in Wissensarbeit, Kundeninteraktion und Softwareentwicklung.

Cybersecurity wird stärker KI-gestützt und integraler Bestandteil der Architekturplanung.

Zudem werden datengetriebene Geschäftsmodelle weiter an Bedeutung gewinnen – insbesondere dort, wo Unternehmen beginnen, ihre Daten strategisch als Asset zu verstehen.

Der entscheidende Unterschied wird nicht in der Technologie selbst liegen, sondern in der Fähigkeit, sie in den Geschäftsmodellen und organisatorisch zu verankern.

Zwischen Legacy-Systemen und moderner KI-Welt, Stabilität und Transformation, Innovationsdruck und Cybersecurity: Welche Orientierung gibst Du CIOs, um in diesem Spannungsfeld Prioritäten setzen zu können?

Meine zentrale Empfehlung lautet: Architektur vor Applikation.

Ohne stabile, moderne Architektur ist jede Innovation ein isoliertes Experiment. CIOs sollten zuerst Transparenz über ihre Systemlandschaft schaffen und klare Zielbilder entwickeln.

Zweitens: Business-Value konsequent priorisieren. Nicht jede technologische Möglichkeit ist strategisch relevant.

Drittens: Resilienz als Grundprinzip etablieren. Stabilität und Innovation sind keine Gegensätze – sie bedingen einander.

Und schließlich: Mut zur Fokussierung. Die technologischen Optionen sind heute nahezu unbegrenzt – die Ressourcen jedoch nicht. Erfolg entsteht nicht durch maximale Aktivität, sondern durch klare Prioritäten.

Welche Rolle spielt Ihr dabei mit Euren Produkten und Dienstleistungen im CIO-Ökosystem?

Wir verstehen uns als strategischer Transformationspartner für CIOs – insbesondere dort, wo Technologie, Geschäftsmodell und Governance zusammenkommen.

Mit unseren Technology Consulting Services begleiten wir Unternehmen entlang des gesamten digitalen Wertschöpfungszyklus: von der Digital- und IT-Strategie über Architektur- und Target-Operating-Model-Design bis hin zur Implementierung und Skalierung komplexer Transformationsprogramme.

Ein besonderer Fokus liegt auf:

  • Entwicklung ganzheitlicher Digitalisierungsstrategien
  • Modernisierung von Kernsystemen und Cloud-Architekturen
  • KI-Transformation inklusive Data Governance und Responsible AI
  • Cybersecurity und Resilienz-Design
  • Steuerung großer Transformationsprogramme

Was uns dabei auszeichnet, ist die Verbindung aus Technologie-Exzellenz, Branchenverständnis und regulatorischer Kompetenz. Gerade in stark regulierten Märkten ist es entscheidend, Innovation und Compliance nicht als Gegensätze zu verstehen, sondern integriert zu denken.

Im CIO-Ökosystem sehen wir unsere Rolle als Enabler und Sparringspartner auf Augenhöhe: Wir helfen, komplexe Entscheidungen strukturiert zu treffen, Zielbilder zu operationalisieren und Transformation nachhaltig im Unternehmen zu verankern – technologisch, organisatorisch und kulturell.

Unser Anspruch ist dabei klar: nicht nur implementieren, sondern Wirkung erzeugen.

Was bedeutet das Motto der Confare CIOSUMMITs 2026 – Digitale Schöpfung: Create. Inspire. Own. – für Dich persönlich?

„Create“ bedeutet für mich, aktiv Zukunft zu gestalten – nicht nur auf Trends zu reagieren.

„Inspire“ steht für Führung im Wandel. Technologie allein verändert nichts – Menschen tun es.

Und „Own“ heißt Verantwortung übernehmen. Für Entscheidungen, für Wirkung, für den langfristigen Erfolg von Transformation.

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