Zwischen Automatisierung und Innovation – Welser CIO Kerschbaumer über Cloud, Mobility und Usability von modernem ERP

by Barbara Schweinberger

Sonderprofile aus Stahl, Edelstahl und Nichteisenmetallen sind das Geschäft von Welser Profile. Das Unternehmen ist seit 1664 in der 11.Generation in Familienhand und beschäftigt sich nunmehr
über 60 Jahre mit der Entwicklung von Sonderprofilen, die in Österreich, Deutschland und den USA erzeugt werden. Confare TopCIO Werner Kerschbaumer steht vor der Verantwortung, diese reichhaltige Tradition mit IT und Digitalisierung fit für die digitale Zukunft zu machen. Wir wollten von ihm wissen, welche Rolle ERP-Systeme dabei spielen, wie wichtig die Cloud und mobility dafür sind und was sich Anwender von einem modernen ERP erwarten.

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Welche Anforderungen haben Sie 2021 an ein ERP?

Das ERP unterstützt alle wesentlichen Prozesse des Unternehmens und zählt somit für mich als zentrale (Daten-)Drehscheibe des Unternehmens. Waren früher ERP-Systeme riesige monolithische Systeme, muss heute ein modernes ERP-System modular aufgebaut sein. Speziell in unserer aktuellen Situation, wo die Globalisierung ein wichtiger Punkt ist, muss die Skalierbarkeit gegeben sein und das ERP-System muss mit dem Unternehmen problemlos mitwachsen können. Wichtig ist für mich auch, dass ERP-Systeme mobile Anwendungen unterstützen, wobei ich unter mobil nicht nur mobile working (also die Verlagerung der Büroarbeit ins Home Office) verstehe – das ist für mich bereits Standard, sondern die Nutzung der technischen Möglichkeiten, um Prozesse neu zu gestalten und mobil auszurichten.

Welche Rolle spielt ERP für Innovation und Digitalisierung im Unternehmen?

In einem modernen ERP-System sind für mich die Kernprozesse bereits längst Standard-Prozesse. Erst durch den modularen, integrativen Aufbau des ERP-Systems sehe ich die Möglichkeit Innovationen und Digitalisierung auch über das ERP-System in das Unternehmen zu bringen. Speziell im Produktions- und Logistikbereich können Themen wie z. B.  IoT, Automatisierung, mobility etc. im Zusammenspiel mit dem ERP Enabler für Innovationen werden. Aber auch in administrativen Bereichen gibt es z. B. durch Verbindung des ERP zu RPA viele Ansätze zur Digitalisierung.

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Digitalisierung, neue Geschäftsmodelle, Data Driven Business – Warum ist es gerade heute wichtig ein modernes ERP-System zu nutzen?

Digitalisierungsinitiativen oder die Einführung neuer Geschäftsmodelle werden vielfach erst durch moderne ERP-Systeme möglich gemacht, weil erst mit Einführung moderner ERP-Systeme ein integriertes, modulares System mit einer einheitlichen Datenbasis und standardisierten Schnittstellen zu anderen Systemen geschaffen wurde. Erst durch die integrative Datensicht können auch andere Methoden wie z. B.  Artificial Intelligence auf ein ERP aufbauen, während der modulare Aufbau eines ERP-Systems unter anderem die Mobilität sehr gut unterstützt.

Was sind die Chancen und Herausforderungen beim Einsatz eines Cloud-ERP?

Werner Kerschbaumer - Welser ProfileIch denke, wir werden nicht so schnell auf ein reines Cloud-ERP wechseln, sondern punktuell Cloud-Produkte als Ergänzung zu unserem ERP einsetzen, d. h. ich gehe zukünftig von einem hybriden System aus. Die Chancen beim Einsatz moderner ERP-Systeme sehe ich darin, dass es möglich wird alte Zöpfe abzuschneiden und mithilfe neuer Technologien (z. B. S4/HANA, Fiori) bestehende Lösungen zu optimieren und neue Anforderungen abzudecken. Auch wird es ganz wichtig, von einer funktionalen Sicht auf eine prozessorientierte end-2-end-Sichtweise zu wechseln und so die Dynamik der „Umwelten“ besser zu managen. Früher war die Stärke eines ERP-Systems die Analyse der Vergangenheit, heute zielen wir mittels eines modernen ERP-Systems auf die (kurz-, mittel- und langfristigen) Vorhersagen der Zukunft (des eigenen Unternehmens und auch unserer Kunden) ab.

Wie muss die User-Experience gestaltet werden? Welche Anforderungen gibt es in Bezug auf mobility und remote office?

Die User-Experience wird/ist ein entscheidender Faktor. Zu den „Urzeiten“ des ERP hatten hauptsächlich Power-User (die eine spezielle Funktion sehr oft am Tag ausgeführt haben) ein ERP bedient, das hatte zur Folge, dass sehr viel Wert auf effiziente, schnelle Bedienung gelegt wurde. Durch die geänderten Anforderungen an ein ERP kommt es heute zu einer Mischung aus Power-Usern und jenen Usern, die sehr viele verschiedene Funktionen täglich benutzen. Speziell diese User brauchen ein ERP, das intuitiv bedient werden kann, das sehr stark grafisch orientiert ist und das repetitive Funktionen automatisch ausführt. Grundvoraussetzung für ein modernes ERP ist auch die Endgeräteunabhängigkeit. Ein ERP muss vom PC, Notebook, Tablet, Smartphone, Terminal … bedient werden können. Neben all den Annehmlichkeiten, die ein modernes ERP heute bieten muss, darf aber nicht auf die IT-Security vergessen werden, denn die Forderungen nach Flexibilität, Ortunabhängigkeit, Geräteunabhängigkeit etc. haben große Auswirkungen auf eine funktionierende IT-Security, d. h. die Balance zwischen vielen Freiheiten bei der User-Experience und einem hohen Maß an IT-Sicherheit ist eine Gratwanderung.

Was sind die wichtigsten ERP Trends, die man 2021 im Auge behalten sollte?

Meiner Meinung nach sollten repetitive Funktionen in einem Unternehmen weitestgehend automatisiert werden. Die Art und Weise dieser Automatisierung, ob z. B. mittels RPA oder KI, ist im Einzelfall zu prüfen. Wurde in den vergangenen Jahren verstärkt auf neue Funktionen und neue Technologien Wert gelegt, sind es jetzt die wertschöpfenden Tätigkeiten, die optimal in einem ERP-System abgehandelt werden sollten. ERP-Systeme können nicht alle Anforderungen abdecken, deshalb ist es wichtig, dort wo wir uns vom Mitbewerber abheben wollen, Ergänzungen bzw. Weiterungen dazu zu entwickeln. Dies soll aber nicht direkt im ERP-Kern erfolgen, sondern sollten „einfach & unkompliziert & releasefähig“ als Add-Ons gemacht werden. Wichtiger Punkt ist auch die Schaffung von Transparenz, um den Blick – wie oben schon erwähnt – in die Zukunft so gut es geht zu ermöglichen.

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