
Gerald Stöckl – Geschäftsführer der WienIT – spricht im Confare Blog-Interview über Digitale Souveränität. Was wir in der Vergangenheit verpasst haben, wie uns trotzdem eine stabile Basis für Souveränität bauen und welche Säulen dabei zu beachten sind, erfahren Sie in diesem Artikel.
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Welche Rolle spielt digitale Souveränität in den strategischen Entscheidungen als Geschäftsführer der WienIT?
WienIT als zentraler IT & Business Partner der Wiener Stadtwerke-Gruppe serviciert wesentliche Teile der kritischen Infrastruktur Wiens. Im Sinne der Versorgungssicherheit der Stadt muss uns Souveränität im digitalen Bereich permanent und in allen strategischen Entscheidungen leiten.
Wie bewertest du die Geschwindigkeit, mit der der Markt für souveräne Technologien wächst? Reicht sie aus für die Bedürfnisse deiner Organisation?
Die Geschwindigkeit ist aus meiner Sicht noch schwer zu bewerten – Fakt ist, dass sich einiges bewegt, Fakt ist aber auch, dass in der Tiefe noch vieles fehlt und dass wir einige Jahre in diesem Kontext – speziell in Europa – verpasst haben.
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Welche konkreten Risiken entstehen für die WienIT, wenn man auf „perfekte Lösungen“ wartet, statt jetzt Schritte Richtung Souveränität zu setzen?
Ich denke, wir haben schon lange genug abgewartet und uns auf die Unterstützung bzw. Lösungskompetenz anderer verlassen – jetzt zählt Geschwindigkeit und Entschlossenheit, wenngleich das bedeutet, dass wir auf diesem Weg auch noch hin und wieder stolpern werden.
Wie schafft man es, Innovation und Skalierbarkeit mit dem Wunsch nach mehr Unabhängigkeit zu verbinden?
Aus meiner Sicht gibt es zwischen den drei Säulen keinen Widerspruch, sondern im Gegenteil, sie stärken und unterstützen sich.
Wie hilft Daten-Kategorisierung und Priorisierung dabei, eine souveräne Zukunft zu gestalten?
Ich denke, dass Daten-Kategorisierung und die Überarbeitung unserer Architekturen die Basis für eine souveräne Zukunft bilden. Wir müssen Souveränität als Bandbreite betrachten und nicht in allen Bereichen die gleiche Tiefe an Unabhängigkeit aufweisen. Dafür benötigen wir aber als Entscheidungsgrundlage eine durchgängige Daten- und Risiko Klassifizierung.
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Was erwartet man von europäischen Technologieanbietern, damit sie eine echte Alternative zu globalen Plattformen darstellen können?
Meiner Meinung nach sollten wir nicht beginnen Erwartungshaltungen an Technologieanbieter zu formulieren, sondern zu Beginn für uns selbst ein umsetzbares Zielbild finden und an diesem gemeinsam mit starken Partner*innen in Europa arbeiten.
Wie stellt man sicher, dass Teams und Organisationen bereit sind, souveränere Wege zu gehen – auch wenn sie anfangs unbequem sind?
Vieles davon ist Kulturarbeit. Wir sind allerdings als WienIT und in Summe als Wiener Stadtwerke-Gruppe in einem Umfeld, dass das Thema Souveränität schon sehr lange in den strategischen Grundlagen mitdenkt. Ergänzend dazu haben wir bei WienIT auch organisatorisch zwei Personen mit dem Thema betraut, die auch direkt bei mir in der Geschäftsführung angesiedelt sind.
Wie wichtig sind Kooperationen, Allianzen und gemeinsame Standards, um digitale Souveränität erreichen zu können?
Sie sind nicht nur wichtig, sie sind unausweichlich. Im Bereich der digitalen Souveränität spielt Größe sehr wohl eine Rolle und wir beschäftigen uns mit sehr komplexen Systemstrukturen. Beides setzt voraus, dass wir in Allianzen denken.
Was müsste politisch, wirtschaftlich oder technologisch passieren, damit Europa in puncto digitale Souveränität wirklich aufschließt?
Zu der Frage mit der Breite an Dimensionen könnte ich vermutlich eine gesamte Abhandlung verfassen und die Erörterung eignet sich wohl eher für unsere bevorstehende Diskussion auf dem Confare CIOSUMMIT im März 2026. Trotzdem vielleicht ein Versuch einer kurze Skizze für jede Dimension:
Politisch: Echtes Comitement, keine Lippenbekenntnisse und Finanzierungsstrukturen aus der öffentlichen Hand die das ermöglichen (inklusive einer Reform des Vergaberechts)
Wirtschaftlich: Investitionen in Bereiche zur Förderung der Digitalen Souveränität, Stärkung von Geschäftsmodellen in diesem Umfeld, Investitionen in den Kompetenzaufbau
Technologisch: Aufbau eigener Kompetenzen und Zusammenschluss über Unternehmens-/Ländergrenzen hinweg in starken Partnerschaften



