Zwischen Neugier und Widerstand: Wie Digitalisierung den Menschen fordert

by Cansu Karacan

Roman Wallinger, Salzburg AG: Zwischen Neugier und Widerstand – wie Digitalisierung den Menschen fordert

Roman Wallinger ist Head of IT-Security & Governance bei der Salzburg AG. Als Experte für Digitalisierung, KI und IT-Security weiß er, woran Innovationsprojekte scheitern und was es braucht, damit Menschen neue Technologien nicht als Bedrohung, sondern als Werkzeug sehen.

In seinen Projekten und Seminaren zeigt er, wie aus Angst Neugier wird und wie ein spielerischer Zugang selbst trockene Themen wie IT-Security zum Aha-Erlebnis machen kann.
Seine Erfahrung teilt er auch im Seminar: Jetzt informieren und Platz sichern 

Was ihn antreibt, wie er mit Mythen rund um KI aufräumt und warum „Mensch mit Maschine“ mehr als nur ein Leitsatz ist, erzählt er im Interview.

Digitalisierung ist längst mehr als Technologie – wie verändert sie aus deiner Sicht den Menschen im Alltag und im Beruf?

Am meisten verändern sich unsere Erwartungen und damit auch unser Verhalten. Wir wollen heute alles sofort – Informationen, Services, Antworten. Konkret heißt das: Wir suchen Antworten im Netz, statt jemanden zu fragen bzw. wir nutzen digitale Kommunikationsdienste, statt zu warten. Vor allem aber suchen wir ständig Abkürzungen, die uns schneller ans Ziel bringen. Aus meiner Sicht ist daraus auch der riesige Hype rund um GenAI zu entstanden, die bei textbasierten Aufgaben hohe Effizienz bietet.
Prozesse werden schneller, flexibler und transparenter. Die größte Veränderung ist aber nicht die Technik – sondern, das offene Mindset, das nötig ist, um den vielen Veränderungen zu begegnen und so zu lernen, mit der Digitalisierung positiv umzugehen.

KI ist aktuell überall präsent. Welche Mythen und Missverständnisse begegnen dir dabei am häufigsten?

Tatsächlich werde ich immer wieder mit den gleichen Ansichten bzgl. KI konfrontiert.

Erstens: „KI ersetzt uns.“ – stimmt so nicht. Sie unterstützt uns, aber der Mensch bleibt in der Verantwortung. Das liegt daran, dass KI zwar Muster erkennt, aber nicht „versteht“ so wie ein Mensch das tut. KI könnte beispielsweise sehr schnell Krankheiten anhand von Röntgenbildern diagnostizieren. Die KI ersetzt aber nicht den Arzt, der aufgrund seiner Erfahrung und seines Wissens den Output der KI deuten und bewerten kann.

Zweitens: „KI macht keine Fehler.“ – falsch. Der Output von KI ist nur so gut, wie die Datenmenge, mit der man sie füttert. Die Objektivität ist also stets zu hinterfragen und auch die Richtigkeit der Antwort muss nicht zwangsweise stimmen. Die Frage nach dem Weltmeistertitel im Fußball 1998, resultiert immer noch manchmal mit der falschen Antwort „Brasilien“ statt richtigerweise „Frankreich“.

Drittens: „KI weiß alles“ – leider nicht. KI wird immer wieder als mystisches Orakel genutzt und nach der Zukunft gefragt. Tatsächlich ist KI aber eher als schlauer Papagei zu sehen. Fragt man die KI nach zukünftigen Aktienkursen, mag die Antwort sehr glaubwürdig klingen. Trotzdem hat die Antwort nichts mit der Zukunft zu tun, sondern nur mit einer Ableitung von Daten aus der Vergangenheit.

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Wie kann man Ängste vor Digitalisierung und KI abbauen, ohne die realen Risiken wie IT-Security aus den Augen zu verlieren?

Als ich das erste Mal einer Seminargruppe ein KI-Tool gezeigt habe, war die erste Reaktion: „Das ist unheimlich.“ Fünf Minuten später wollten alle ausprobieren, wie sie damit ihre Arbeit leichter machen können.
Angst entsteht immer vor Unbekanntem. Macht man verständlich, was dahinter steckt, nimmt es der Angst den Schrecken.
Ich liefere Menschen daher gerne einfache Erklärungen statt Buzzwords. Durch die praktische Anwendung von digitalen Werkzeugen, erkennt man technische Zusammenhänge, Möglichkeiten und Gefahren der digitalen Welt. IT wird greifbarer und begreifbarer. Aus Angst wird Neugierde und damit entsteht auch eine erhöhte Bereitschaft, sich auf die Digitalisierung einzulassen.

Du beschäftigst dich intensiv mit Akzeptanz von Veränderung – warum tun sich Menschen so schwer, Neues anzunehmen?

Weil unser Gehirn auf Sicherheit programmiert ist. Veränderung bedeutet Unsicherheit – und Unsicherheit fühlt sich für uns wie Gefahr an. Deshalb reagieren wir mit Widerstand, auch wenn die Veränderung später Vorteile bringt. Hinzu kommt, dass die Digitalisierung einem exponentiellen Zeitverlauf folgt. D.h. die digitalen Anforderungen an die eigenen Ressourcen werden schneller eingefordert als sie in der Regel aufgebaut werden. Die Kritikalität der Digitalisierung entsteht also durch die Geschwindigkeit, mit der der digitale Wandel erfolgt. Das Paradoxe daran: Je mehr die Geschwindigkeit zunimmt, desto mehr Zeit muss in das „Abholen und Mitnehmen“ der Menschen investiert werden, um eine Akzeptanz zu gewährleisten. Gemeinsam und in kleinen Schritten lautet hier mein Motto.

Welche Rolle spielen spielerische Ansätze, wenn es darum geht, Widerstände im digitalen Wandel zu überwinden?

Gibt man Erwachsenen ein Spielzeug, passiert etwas Faszinierendes: Sie werden wieder so neugierig wie Kinder.
Der spielerische Ansatz ist ein Kernelement in meinen Seminaren. Er nimmt den Druck heraus und ermöglicht damit erst die Bereitschaft für das „Ausprobieren“. Er ist die geheime Zutat, mit der ich komplexe Inhalte einfach erkläre, und Bedenken bzw. Widerstände in Neugierde ummünze.

Was bedeutet für dich ein „offenes Mindset“ im digitalen Kontext – und wie kann man es entwickeln?

Ein Kind fragt nicht: „Ist das richtig oder falsch?“, sondern: „Warum?“, oder „Wozu?“ – genau diese Haltung brauchen wir auch in der Digitalisierung. Ein offenes Mindset heißt für mich: neugierig sein und sich selbst nicht zu wichtig nehmen. Statt nur in einer Dimension „richtig oder falsch“ zu denken, frage ich: „Wie kann das nützlich sein?“ Diese Frage öffnet den Lösungsraum und lässt Neues zu.

Entwickeln lässt sich dieses Mindset am besten wieder mit dem besagten spielerischen Ansatz. Wendet man ihn in der Gruppe an und ermöglicht garantierte kleine Erfolge, macht es diese Kombination besonders wirkungsvoll. Neugierde entsteht fast wie von selbst bei den Betroffenen – und damit auch das offene Mindset.

Welche Kompetenzen brauchen Mitarbeiter heute, um sich sicher in einer digitalisierten und von KI geprägten Welt zu bewegen?

Ich vergleiche das gerne mit dem Autofahren: Bevor man sich auf die Autobahn wagt, muss man erst mal das Gaspedal, die Kupplung und die Bremse im Griff haben.
Für die digitalisierten und KI-geprägten Wege braucht es mMn vor allem drei übergeordnete Kompetenzen: Zuallererst eine Art „digitale Grundfitness“ – also den Umgang mit digitalen Werkzeuge und Daten verstehen. Als Nächstes die Fähigkeit Zusammenhänge beurteilen zu können – z.B. Fake von Fakten unterscheiden. Darüber hinaus ist auch eine digitale Selbstwirksamkeitserwartung entscheidend. Die digitale Selbstwirksamkeitserwartung ist dabei die Überzeugung, selbst ein bestimmtes digitales Ziel erreichen zu können.

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