Startup-Mindset im Möbelhandel: Arian Simon, Yak Sleep, über Innovation, Disruption und Schlaf

by Yara El-Sabagh

OUT NOW im #ConfareBlog mit Arian Simon, Yak Sleep: Startup-Mindset im Möbelhandel: Innovation, Disruption und Schlaf

Im September startet wieder die Saison für die Confare Digital CIO ThinkTank Webcast Reihe. Mit “Schluss mit den Ausreden: Sind Ihre IT und die dazugehörigen Prozesse fit für die Digitale Transformation?” steht die Digitale Transformation selbstverständlich wieder ganz oben auf der Agenda.

Arian Simon ist seit vielen Jahren tief in der österreichischen Unternehmer- und Internet-Szene verankert. Statt nur eine weitere Webseite für andere zu programmieren, hat er nun selbst den Schritt ins e-Commerce Business gewagt. Die Founder von Yak Sleep bringen in ihrem Unternehmen den Startup-Unternehmer-Geist in das sehr traditionelle Möbel-Business ein. Wie passt das zu den Kundenerwartungen? Wie disruptiv kann der Handel mit Betten überhaupt sein? Im Bloginterview hat uns Arian einen Einblick in die Digitale Transformation einer Branche gewährt.

Mehr zum Thema Digitale Transformation gibt es auch natürlich im aktuellen Factsheet und bei den Confare CIOSUMMITs in Wien, Zürich und Frankfurt.

Mit Yak Sleep habt ihr einen ungewöhnlichen Schritt gewagt und setzt auf Online statt stationären Handel. Was waren die Voraussetzungen dafür, in diesem Markt zu punkten?

Wir waren nicht die ersten im Online Betten- & Schlafartikel-Markt. Das Proof-of-Concept wurde bereits von anderen Unternehmen vollbracht, welche ein großartiges Wachstum verzeichnen können. Der Markt ist zum Teil mehr als bereit dafür, Decken, Pölster und Schlafzubehör online zu bestellen. Auch gibt es bereits ein paar Unternehmen, die erfolgreich Betten vorrangig online vertreiben.
Dennoch erlebe ich auch immer wieder im engen Bekanntenkreis, dass Betten nach wie vor Produkte sind, die persönlich in einem Geschäft getestet werden „müssen“, bevor eine Kaufentscheidung getroffen werden kann. Die Krux daran ist allerdings, dass das kurze Bettentesten im stationären Handel bei weitem nicht ausreicht, um eine profunde Wahl treffen zu können. Der Körper braucht nämlich in etwa 4 Wochen, um die gewohnte Liegehaltung, die an das alte Bett angepasst ist, abzulegen und sich auf etwas Neues einzulassen. Wir sind bei der Bettenwahl auffallend anhänglich an alten Gewohnheiten.

Genau an diesem Punkt setzen wir an. Anstatt 5 Minuten in einem Geschäft, können unsere Kunden unser Bett 101 Nächte zu Hause probeschlafen. No strings attached. Mehr als genug Zeit um eine sinnvolle Entscheidung zu treffen. Der Härtegrad der Matratze passt nicht? Wir tauschen ihn kostenlos gegen einen passenden aus. Das alte Wasserbett hält zu viele Erinnerungen, von denen nicht losgelassen werden kann? Wir holen das neue Bett kostenlos wieder ab.

Auch wenn die 101 Nächte Probeschlafen unübertroffen sind (soweit ich weiß) ist unser USP, der mitunter für unseren Markterfolg ausschlaggebend ist, ein anderer: Durch einen mineralhaltigen Stoff wird Körperwärme an den Körper zurückgestrahlt und dadurch der Sauerstoffgehalt im Gewebe erhöht. Das Ergebnis: Die Muskeln regenerieren schneller, ich wache ausgeschlafener auf und habe mehr Energie für den Tag. Da wir im Team durch die Reihe sportbegeistert sind, ist es unser Bestreben, jeden möglichen Vorteil für unseren Körper auch im Schlaf herauszuholen. Schließlich verbringen wir ein Drittel unseres Lebens in unserem Bett. Dieser Part bestimmt maßgeblich mit, wie wir uns in den anderen zwei Drittel fühlen und welche Leistung wir erbringen können.
Unser Fokus auf Regeneration mündet darin, dass wir unser Produkt laufend weiterentwickeln und auch immer wieder das ein oder andere verrückte Experiment ausprobieren.

Was ist die unternehmerische Vision von Yak Sleep?

Wir wollen, dass jeder ambitionierte Mensch auf der Welt, das Beste aus seinem Schlaf herausholt.

Wie passen Betten und Innovation zusammen?

Um Innovationen im Bettenbereich zu entdecken, muss man in der Regel schon ziemlich genau hinsehen. Viele Hersteller verbessern ihre Betten Schritt für Schritt. Dadurch entstehen manchmal wirklich tolle Betten, allerdings ist der Markt weit von disruptiven Innovationen oder Inventionen entfernt. Der Markt ist etwas durchgelegen.

Mit unserem Produkt machen wir den durchaus außergewöhnlichen Schritt, für eine bestimmte Zielgruppe, nämlich Sportler, einen ganz speziellen Mehrwert zu bieten – anstatt nur beste Qualität zum besten Preis liefern zu wollen. Wir sind damit auch noch lange nicht am Ende unserer Produktentwicklung, sondern genau umgekehrt: Es ist erst der Anfang. Wir haben so viele Ideen, die wir gerne testen würden. Doch genau dieses explorative Testing erfordert einiges an Ressourcen, schlussendlich monetärer Natur. Aus diesem Grund sind wir im Moment auf unsere Daily Tasks und unser Wachstum fokussiert.

Wie gut kommt man mit Betten im Technologieorientierten Startup-Umfeld und bei Investoren an?

Wir hatten noch nicht die Möglichkeit das ernsthaft zu testen. Wir sind bisher komplett gebootstraped, haben keine externen Investoren. Ich denke wie jedes profitable Unternehmen haben wir einen gewissen Reiz auf Investoren und durch die Ergänzung der Fähigkeiten und Erfahrung im Gründungsteam gibt es womöglich auch ein gewisses Vertrauen in unser Wachstum.

Habt Ihr vom Corona-bedingten e-Commerce Boom profitieren können?

Ich denke ja, auch wenn wir es nicht in Zahlen beziffern können. Dazu sind wir seit unserer Gründung zu schnell gewachsen. Das Wachstum ist allerdings dieses Jahr durch die Rezessionsängste langsamer geworden. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass langfristig die Bereitschaft online zu bestellen weiter zunehmen wird. Vielleicht wird unser Bett ja einmal von einer oder mehreren Drohnen geliefert und aufgebaut. Die Drohne würden wir Uwe taufen. So heißt unser Logistikheld im Team.

Was waren unternehmerisch die größten Hürden dabei? Welche Empfehlungen habt Ihr an Unternehmer, die ebenfalls die Chancen des Online-Handels wahrnehmen wollen?

Ich denke die größte Hürde ist eine altbekannte für jeden Verkäufer: Vertrauen. Wir haben gesellschaftlich berechtigterweise eine gewisse Skepsis gegenüber Online entwickelt. Diese Skepsis gilt es zu nehmen und zu sagen: „Wir sind Menschen wie Du. Wir stehen hinter unserem Produkt. Wir sind ehrlich und aufrichtig. Sollte etwas nicht passen, kümmern wir uns darum.“
Um dann wirklich wachsen zu können, hilft eine starke Brand. Diese aufzubauen ist Knochenarbeit. Jedenfalls habe ich noch keinen Shortcut gefunden.

Meine Empfehlungen sind: Das Produkt und der Service müssen über jeden Zweifel erhaben sein. Das gelingt nicht immer, Fehler passieren. Doch die Basis muss stimmen. Im Internet verbreitet sich eine Reputation schnell.

Welche Perspektiven seht Ihr für Yak Betten?

Wir haben Expansionen in weitere EU-Länder geplant und zum Teil schon gestartet, wir diversifizieren gerade unser Portfolio, wir entwickeln unser Hauptprodukt, unser Boxspringbett, weiter und investieren in ein Arbeitsumfeld, in dem Arbeiten Spaß macht. Unser Team besteht aus einzigartigen tollen Menschen, die außerordentlich engagiert, kreativ und stark sind. Die Investition in uns selbst ist eine Investition die auf lange Sicht eine höhere Rendite als alles andere auf der Welt abwirft. Emotional und monetär. Davon bin ich überzeugt.

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