„Raus mit alten Management Praktiken!“ fordert Lars Vollmer – 3 heiße Tipps für Chefs

Während Unternehmen sich scharenweise auf neue Trends rund um New Work stürzen und im Dutzend “Feelgood-Räume” und “Relaxing-Areas” einrichten, schüttelt Bestsellerautor Lars Vollmer regelmäßig den Kopf: Was soll das ganze Theater? Und wo bleibt dabei die tatsächlich wertschöpfende Arbeit? Am 12. April 201 spricht der Wirtschaftsvordenker beim CIO & IT-Manager Summit darüber, wie aus Business-Theatern wieder echte Unternehmen werden.

Im Bloginterview: über Startups, New Work und alte Management-Praktiken.

Inwieweit haben sich die Anforderungen an Führungskräfte geändert?

CIO Summit - Vollmer - Arbeit ist WertschöpfungDie meisten Führungskräfte müssen meiner Ansicht nach deutlich mehr arbeiten, wenn sie wollen, dass ihr Arbeitsplatz auf Dauer bestehen bleibt und ihr Unternehmen floriert. Deutlich mehr!

Im ersten Moment mag das klingen, als hätte ich mich im Jahrhundert geirrt oder würde moderne Unternehmen mit Galeeren oder Steinbrüchen verwechseln. Aber weder bin ich von der Mentalität oder von meinem Beruf her ein altkapitalistischer Hardliner, noch verkenne ich die Zeichen der Zeit. Im Gegenteil.

Ich beobachte vielmehr, dass Führungskräfte wie Mitarbeiter heute schwer unter dem Gefühl leiden, nicht genug zur eigentlichen Arbeit zu kommen. Sie lassen Zeit in endlosen Meeting-Schleifen liegen, traben von Jour Fixe zu Feedback-Gespräch und denken sich dabei permanent: So eine Zeitverschwendung! So ein Theater! Und die eigentliche, die wertschöpfende Arbeit bleibt liegen.

Die Anforderungen an Führungskräfte haben sich also mit Sicherheit dahingehend verändert, dass sie die Führungssysteme transformieren müssen, die sie selbst und ihre Mitarbeiter von der wertschöpfenden Arbeit abhalten.

Viel von dem, was in Unternehmen passiert, scheint nicht mehr zeitgemäß – was sollte sich unbedingt ändern?

Ich halte es für schwierig, eine allgemeingültige Formel für alle Unternehmen auszusprechen. Wichtig finde ich jedoch, dass Unternehmen, die am Puls der Zeit bleiben wollen, ihre Perspektive überprüfen. Was heißt Arbeit für sie? Arbeit ist das, was für den Kunden getan wird. Arbeit ist das, was Wert erzeugt, Arbeit ist Wertschöpfung.

Deshalb folgt Arbeit ausschließlich externen Referenzen und resultiert folgerichtig aus einer Perspektive auf die Kunden und den Wettbewerb. Aus Sicht von außen auf das Unternehmen ist die geleistete Arbeit das einzige, was zählt. Das ist die harte Realität – und gleichermaßen eine Denkweise, die viele Unternehmen sich erst wieder bewusst machen müssen.

Eines aber ist von jedem Unternehmen gleichermaßen anzugehen: Ein Praktikenputz, also der systematische und konsequente Rückbau von Managementpraktiken aus der Mottenkiste des Industriezeitalters – 360-Grad Feedback, Assessment Center, Performance Management, Meetingregeln, Kulturentwicklung, Mitarbeitergespräche, Absatzziele, Meilensteine – um nur einige zu nennen.

Kultur und eingefahrene Arbeitsweisen lassen sich nicht einfach verändern – wie schafft man die Transformation ohne zu zerbrechen?

CIO Summit - Vollmer - Change bleibt kein ProjektIch sehe hier mal von der Frage ab, ob sich ein Unternehmen für eine Kultur überhaupt entscheiden kann. Schließlich gehört die Organisationskultur zu den Dingen, die sich permanent entwickeln. Ganz von allein. Einen Moment nicht hingeschaut und plötzlich ist alles anders. Denn Kultur kann niemand »machen«, Kultur hat keinen Autor – sie entsteht, nicht von selbst aber ganz automatisch.

Klar könnten Unternehmen jetzt mit einer Flut aus Verordnungen und Vorschriften reagieren: Kleidungsvorgaben, Verhaltensregeln, vereinheitlichte Arbeitszeitmodelle … Oder sie akzeptieren, dass die Kultur im Unternehmen zu den Phänomenen zählt, die nicht entscheidbar sind. Die Kultur ist ja permanent in Bewegung.

Change und jedwede Organisationskultur werden dann intelligent und erwachsen, wenn sie nicht länger als Projekt verstanden werden. Sondern wenn die Verantwortlichen in Unternehmen verstehen, dass nur ein immerwährendes Beobachten der Schlüssel zu einer gesunden, wie auch immer gearteten Kultur ist.

Sind Start-ups besser für die Zukunft aufgestellt?

In mancherlei Hinsicht ja. Denn der technische Fortschritt ermöglicht es jungen Start-ups, schnell und ohne nennenswerte Markteintrittsbarrieren am Wettbewerb teilzunehmen. Wo neue Anbieter sich früher kostenintensiv in den Markt einkaufen mussten, um ihr Geschäftsmodell auszuprobieren, können sie dank moderner Technologien heute nahezu jede neue Idee sehr leicht und schnell testen. Noch nie war es so einfach herauszufinden, welche Parameter den Kunden überzeugen: Kauft er online die Matratze mit dem hochqualitativen Schaumstoffkern – oder doch eher das Modell, auf dem er hundert Tage testschlafen darf? Bestellt er den Staubsauger, der keinen Beutel mehr braucht, oder den mit dem austauschbaren Saugaufsatz? Akzeptiert er für die unbürokratische Rückgaberegelung einen Preisaufschlag? Wenige Klicks zeigen es: Was früher eine großangelegte Marktstudie auch nicht herausgefunden hätte, funktioniert heute bequem vom Sofa aus, während man nebenbei noch einen mäßig guten Spielfilm genießt.

Alteingesessene Unternehmen tun sich oftmals schwer – oder sind auch einfach nur entsprechend schwerfälliger aufgrund ihrer internen Strukturen –, um auf diese neuen Möglichkeiten aufzuspringen. Und ja, in dieser Hinsicht sind Start-ups dann mit Sicherheit besser aufgestellt.

Was sind deine 3 heißesten Tipps an Chefs?

Mit Tipps tue ich mich schwer. Denn sie kommen oft Rezepten für jedermann gleich – und fallen entsprechend banal aus oder funktionieren nicht. Wenn ich aber drei Tipps geben müsste, würde ich sagen:

Macht Theoriearbeit. Klärt die zugrundeliegenden Zusammenhänge, bevor ihr euch ins glaubensbasierte Handeln stürzt.
Werft eure alte Management-Praktiken über Bord. Auch wenn sie doch jahrelang »sooo gut« funktioniert haben.
Schmeißt alle Berater raus, die euch weismachen wollen, dass sie wissen, »wie es geht«.

Neugierig? Lars Vollmer ist Keynote-Speaker auf dem 11. CIO & IT-Manager Summit am 11./12. April 2018 in Wien. Hier treffen Sie die tonangebenden CIOs der DACH-Region. Auf dem CIO Summit wird der CIO AWARD verliehen – Die Auszeichnung für die besten IT-Manager Österreichs. Die Teilnahme ist für Anwender, CIOs und IT-Manager kostenlos.

Was sind Ihre 3 heißen Tipps?

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