Viele Unternehmen wären gerne das Netflix ihrer Branche – Das Kurier Interview mit Confare Gründer Michael Ghezzo zum #CIOAWARD 2021

by Stephanie Ellemunter

Confare Geschäftsführer Michael Ghezzo ist für Fachmedien und Tageszeitungen ein beliebter Ansprechpartner. Als Gründer eines Unternehmens, das jährlich die Confare #CIOSUMMITs in Wien, Zürich und Frankfurt, eine der größten IT-Konferenzen im DACH-Raum, veranstaltet, und als Verleiher des #CIOAward in Österreich und in der Schweiz, ist er der perfekte Interviewpartner wenn es um Digitalisierungstrends, der Rolle des IT-Managements und Frauen in der IT geht.

Vor Kurzem hat auch der Kurier die Gelegenheit genutzt, anlässlich der Verleihung des 14. Confare #CIOAward in Wien, und Herrn Ghezzo zum Interview gebeten.

Ein Digitalisierungsschub wird oftmals als eine der wenigen positiven Effekte der Coronakrise angeführt. Inwiefern hat das die Rolle des IT-Managements in den Unternehmen verändert?

Die Lockdowns und der damit verbundene Home-Office Boom haben eines deutlich gezeigt: IT und Digitalisierung sind zu grundlegenden Fähigkeiten eines modernen Unternehmens geworden. Fragen wie Cloud oder Cybersecurity haben Geschäftsführungs-Aufmerksamkeit. Die Erwartungshaltung ist aber auch dementsprechend groß.

Das gilt genauso über den Unternehmensrahmen hinweg: Bei allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Fragen unserer Zeit sind IT und Digitalisierung entscheidender Teil der Lösung, von Pandemiebekämpfung bis Klimawandel. Das bedeutet einen hohen Stellenwert aber auch viel Verantwortung. Es war wohl noch nie so spannend IT-Manager zu sein wie heute – aber auch noch nie so fordernd.

Wo stehen wir jetzt? Was ist geblieben von diesem Digitalisierungsschub?

Man muss wesentlich unterscheiden zwischen Digitalisierung und echter Digitaler Transformation. Prozesse einfach nur zu digitalisieren oder zu automatisieren macht diese nicht zwangsläufig besser. Beispiel: wenn wir unsere Events einfach nur digital durchführen, verlieren diese jeglichen Nutzen für die Teilnehmer und Partner. Digitale Transformation geht viel weiter. Das bedeutet nicht nur, Dinge digital zu machen, sondern auch andere Dinge zu machen, neue Ziele, neue Geschäftsmodelle, neue Vorgehensweise zu finden. So haben wir weiterhin analoge Events, aber diese reichhaltig mit Social Media, Online-Content und Webkonferenzen angereichert. So konnten wir in einer Zeit, in der alle Unternehmen im Event-Umfeld stark gelitten haben, sogar ein kräftiges Wachstum erzielen. Dazu gibt es viele Beispiele, im Handel, in der Dienstleistung, im Handwerk. Plakativ: Netflix ist nicht ein digitaler Fernsehkanal, sondern etwas völlig anderes, das es in der Form vorher nicht gab.

Welche Produkte und welche Geschäftsmodelle gilt es jetzt zu entwickeln?

Kunden- Plattform- und Service-Orientierung sind dabei die Zauberworte. Viele Unternehmen würden gerne das Spotify oder Netflix ihrer Branche werden. Dabei vergisst man dann aber gerne, dass solche Konzepte über Jahre Geld verbrennen, bevor sie mal den ersten Euro abwerfen. Für ein klassisches mittelständisches Unternehmen ist das keine Option. Mir scheint zielführender, auf die bewährten Unternehmer-Fähigkeiten zu setzen: Mut, Innovationskraft und Anpassungsfähigkeit. Und: den Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Diese Tugenden helfen dabei, aus Krisen wirklich Chancen zu machen. Der Schwerpunkt der Digitalen Transformation liegt eben nicht auf digitaler Technologie, sondern auf der Veränderung. Und diese wird von Menschen gemacht, nicht von Algorithmen.

Michael Ghezzo Interview Kurier

Was sollten Unternehmer nun tun (wo investieren, wie Mitarbeiter schulen etc.)?

Die Unternehmenskulturen sind in unseren Breiten noch sehr hierarchisch. Oft entscheidet der Ranghöchste anstatt der betroffenen Menschen und Experten. Bei Fehlern zeigt man gerne mit den Fingern anstatt daraus zu lernen. Man orientiert sich gerne am Status Quo anstatt neue Wege zu finden. Da ist echte Transformation notwendig. Wir brauchen den Mut, Dinge bewusst anders zu machen. Veränderung um der Veränderung Willen. Wie man unter Tänzern sagt: whenever you dance like everyone else pause and reflect. Genau dieser Spirit hat uns als Confare geholfen, uns in der schwersten Branchenkrise so erfolgreich weiterzuentwickeln.

Welche Trends sind bei IT und Digitalisierung noch erkennbar?

Zwei wesentliche Aspekte haben in den letzten Jahren meine besondere Aufmerksamkeit geweckt. Ich habe vorhin über die hohe gesellschaftliche Bedeutung von IT und Digitalisierung gesprochen. Das bedeutet auch, dass diese männlich dominierten Felder mehr Gender Diversity brauchen. Wir brauchen auch Frauen in IT-Führungspositionen um die aktuellen Herausforderungen zu meistern. IT ist zu wichtig, um sie nur in männlicher Hand zu lassen. Dafür haben wir einige Initiativen ins Leben gerufen, die genau dazu beitragen sollen. Der zweite Aspekt betrifft die generelle Verantwortung von Führungskräften – als CIO muss man sich bewusst sein, dass man nicht nur für die Unternehmensergebnisse Rechenschaft abliefern muss, sondern auch zu einer besseren Welt beitragen muss. Es gilt digitale Technologie im Sinne der Menschen einzusetzen, Nachhaltigkeit zu unterstützen und als Führungskraft Inspiration zu bieten. Diesem Aspekt wird im klassischen Rollenbild von Managern viel zu wenig Beachtung geschenkt. Auch dafür leisten wir Awareness Arbeit.

Warum braucht es die Frauen in der IT? Was können Frauen, was Männer nicht können?

Ich weiß aus unserem eigenen Unternehmen, wie wichtig es ist, unterschiedliche Sichtweisen zu berücksichtigen. Der große Erfolg von Confare fußt letztendlich auch darauf, dass ich die Firma gemeinsam mit meiner Frau Barbara leite. Die Synthese unserer beider, oft sehr unterschiedlichen Sichtweisen, hat letztendlich dazu beigetragen, dass wir mitunter auch ungewöhnliche Schritte gemacht und eine breite Basis aufgebaut haben. Einfach gesagt: ein Board, dass durchgehend aus Männern um die Fünfzig besteht, wird andere Entscheidungen treffen, als ein Gremium, das mehr Vielfalt aufweist. Besonders wichtig ist das bei IT und Digitalisierung, weil dieser Bereich so eine entscheidende Bedeutung für unsere gemeinsame Zukunft hat. Dort wo wir ausgetretene Pfade verlassen, ist es umso wichtiger, unterschiedliche Perspektiven zu haben. Es geht also weniger um „männlich oder weiblich“, sondern um Vielfalt bei der Entscheidungsfindung.

Persönlich begrüßt Sie Michael Ghezzo beim Confare #CIOSUMMIT in Frankfurt am 06. Oktober oder bei unserem 15. Jubiläum des Confare #CIOSUMMIT Wien am 6. und 7. April 2022.

>>>Hier gehts zur #CIOSUMMIT Frankfurt Anmeldung
>>>Hier melden Sie sich für den 15. #CIOSUMMIT Wien an
Confare #CIOSUMMIT Frankfurt

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