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Komax – Die IT muss den Kunden genauso gut verstehen, wie es Marketing und Vertrieb tun

by Annecilla Sampt

Die Komax-Gruppe ist ein Schweizer Technologiekonzern im Bereich Automatisierung der Kabelverarbeitung. Als Marktführer hat man Kunden im Industrieumfeld mit einem Schwerpunkt auf den Automotiv Sektor. Da die Märkte der Kunden im Umbruch sind, setzt man auch bei Komax auf die Digitale Transformation. Ganz nah am Kunden agiert Tobias Rölz als Executive Vice President Market & Digital Services beim Gestalten dieses Wandels. 2020 wurde er für seine herausragenden Leistungen als Confare Swiss #TopCIO ausgezeichnet.

  • Welche Rolle spielt aus Ihrer Sicht die Digitale Transformation für den Erfolg des Unternehmens?

Die digitale Transformation spielt bei Komax eine entscheidende Rolle, wenn wir unsere Marktführerschaft halten und weiter ausbauen wollen. Schon vor Corona war und ist die Automobilindustrie, die ca. 80% unseres Umsatzes ausmacht, im Umbruch. E-Mobilität und autonomes Fahren sind bzw. werden demnächst Realität, die dazu notwendigen, neuen Geschäftsmodelle folgen in einem atemberaubenden Tempo. Auch unsere Kunden aus Industrie (hier vor allem Schaltschrankbau), Data/Telecom und Flugzeugbau sind nicht weniger betroffen – hier bestimmen Stichworte wie Industrie 4.0 den Arbeitsalltag.

Bei all diesen Trends unterstützt die Komax Gruppe ihre Kunden in der kabelverarbeitenden Industrie mit innovativen Automatisierungslösungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Dabei sind wir für unsere Kunden jederzeit ein sehr kompetenter Ansprechpartner – egal ob Key-Account wie die grossen Automobilzulieferer oder unsere mittelgrossen und kleineren Kunden: Wir bieten all unseren Kunden exakt auf ihre Bedürfnisse abgestimmt eine Kombination aus Automatisierungslösung, digitalen Services aus der Komax- Cloud und unseren klassischen Services direkt vor Ort beim Kunden – weltweit von mehr als 75 Standorten aus.

Impact Challenge
  • Daten sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für Unternehmen im Digitalen Business. Was sind die notwendigen Schritte, um das Potenzial auch wirklich zu realisieren?

Absolut! Zuerst einmal ist die Beherrschung der eigenen Daten und Informationen Grundvoraussetzung für den Erfolg. Daten und Informationen müssen behandelt werden, wie reale, anfassbare Produkte. Sie haben einen Lebensweg, verursachen Kosten, erzielen Gewinne, müssen Standards (Qualität, Gesetze, Schnittstellen) gehorchen; ähnlich den realen Produkten. Diese Erkenntnis hat zur Konsequenz, dass ein Unternehmen, das im digitalen Umfeld mithalten will, eine Digital Information Supply Chain (DISC), analog einer Product Supply Chain der realen Dinge, benötigt. Genau dieses Vorgehen verfolgt Komax, und unser Komax-weites Informationsmodell bietet die Grundlage hierfür.

Es beschreibt alle Elemente (Entitäten) und ihre Zusammenhänge für ein Team, einen Bereich, ein „Center of Competence“ – final für die gesamte Komax – in einer eindeutigen Sprache, die auch von Menschen ausserhalb der IT-Abteilung verstanden werden. Das Informationsmodell dient als Basis für die klare Kommunikation zwischen den Fachabteilungen und als spätere Basis für digitale Produkte. Ich werde nie die Begeisterung unserer Business-Kollegen bei Komax vergessen, als sie vor unserem Informationsmodell standen – und erkennen konnten, wie die Daten der verschiedenen Abteilungen ineinandergreifen, aber auch, wo Komplexität entsteht z.B. durch Medienbrüche, Missverständnisse etc.

Komax - Tobias Rölz

Komax – Tobias Rölz

Wie in der klassischen Supply Chain auch, sind die Kenntnisse über die eigenen Prozesse und Wege die „halbe Miete“. Jedoch fehlen jetzt noch unsere Kunden und Lieferanten – die Kenntnis der eigenen Informationen genügt nicht. Mit dem digitalen Wandel verstärkt sich der Effekt noch deutlicher: Digitalisierung heisst Abbau von Grenzen, eine deutlich engere Zusammenarbeit mit Kunden wie auch Lieferanten, Datenaustausch etc. Möchte ich meine Kunden also optimal bedienen, muss ich meine Informationen in einer Form einbringen und übermitteln, die ihm direkt nützt. Analog dazu muss ich mit meinen Lieferanten eine Abstimmung der ausgetauschten Informationen erreichen. Erst wenn ich, wie in der realen Supply Chain, eine nahtlose Integration von Lieferanten- und Kundenprozessen erreicht habe, habe ich wirklich einen Wert geschaffen – und bin in der Lage, mit den richtigen digitalen Lösungen einen Differenzierungsfaktor im Markt zu setzen.

Basierend auf der Informationsmodellierung konnte bei Komax nicht nur die interne Digitalisierung mit dem Programm „Smart Digital Komax“ vorangetrieben werden, u.a. mit Cloud-Master-Data-Management (Stibo Step), Cloud ERP (SAP S/4HANA Cloud) und Cloud CRM (Salesforce) – es konnten auch kundenorientierte, digitale Produkte entwickelt werden, die unseren Kunden helfen, Produktivität und Qualität entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu erhöhen. Dabei wurde die Vision der Smart Factory by Komax geschaffen: Intuitive, automatisierte und selbst-optimierende Lösungen, die sich nahtlos in das Netzwerk und die Systemlandschaft der Kunden integrieren – Komax Connect und Komax Cloud-MES – beide basieren auf der Komax-Cloud (die Microsoft Azure als Unterbau nutzt).

  • Welche Rolle spielt dabei die IT?

Die globale IT spielt bei Komax eine entscheidende Rolle – die IT wird nicht als Kostenfaktor gesehen, sondern als strategische Einheit. So berichtet die IT seit knapp drei Jahren direkt an den CEO und ist innerhalb der Geschäftsleitung fest verankert. Dies hat den Vorteil, dass wir innerhalb der IT immer bei allen wichtigen strategischen Initiativen von Tag eins an eingebunden sind und uns aktiv beteiligen dürfen, können und müssen. Es freut mich riesig, dass wir als globales IT-Team proaktiv von unseren Business-Partnern eingebunden werden und so gemeinsam an Lösungen für unsere Kunden arbeiten. Das IT-Team besucht so auch immer wieder gemeinsam mit den Business-Kollegen unsere Kunden, um unsere digitale Kompetenz einzubringen und gemeinsame Lösungen zu erarbeiten.

  • Welche Bedeutung hat die IT beim Gestalten der Beziehungen zum Endkunden?

Zuerst einmal ist es wichtig, dass wir als IT den Komax-Kunden mindestens genauso gut verstehen wie Vertrieb, Marketing oder Service. Ohne das Kundenverständnis wären vermutlich all unsere strategischen Vorhaben früher oder später gescheitert. Dabei entwickelt das globale IT-Team innovative Kundenlösungen wie Komax Connect oder Komax Cloud-MES, arbeitet gleichzeitig aber auch an digitalen Marketing-Projekten und der Einführung von digitalen Bestellwegen (Komax Direct) etc. mit. Gleichzeitig stellen wir als IT natürlich sicher, dass all unsere Lösungen auch sicherheitstechnisch und auf der Datenschutzseite auf dem neuesten Stand sind. Es ist nicht nur wichtig, dass wir unsere Kunden mit innovativen Lösungen ausstatten – deren Daten müssen auch sicher sein!

  • Wo legen Sie Ihre Schwerpunkte? Wie gestalten Sie die Rolle als CIO?

Als CIO stehen für mich folgende Schwerpunkte im Vordergrund:

  1. Kundenorientierung: Gerade in Zeiten der digitalen Transformation muss das IT-Team – und allen voran der CIO – den Kunden genauso gut verstehen wie alle anderen Funktionen im Unternehmen. Ich muss mich und jede IT-Initiative zuerst einmal an den Kundenbedürfnissen ausrichten und mir selbst bei technischen Infrastrukturprojekten immer die Frage stellen: Wäre unser Kunde bereit, für dieses Projekt zu bezahlen – und wie hilft ihm dieses Projekt?
  2. Mitarbeiter- und Team-Entwicklung:Nicht erst seit Corona ist es genau so wichtig, das IT-Team und die individuellen Mitarbeiterbedürfnisse zu erkennen und auf diese einzugehen. Wir bieten hier nicht nur flexible Arbeitsbedingungen und die Möglichkeit, an herausfordernden, spannenden Projekten auf den neuesten Cloud-Plattformen von SAP, Microsoft, Salesforce, Amazon und Stibo zu arbeiten  – wir bieten auch individuelle Weiterbildungen an. So machen viele unserer Mitarbeiter parallel ihren Executive MBA, ihren MAS oder bilden sich mit einem CAS weiter. Hier möchte ich auch die enge Zusammenarbeit mit der Hochschule Luzern hervorheben, wo wir in einem Forschungsprojekt im Bereich Big Data zusammenarbeiten. Besonders freut es mich, dass wir jedes Jahr bis zu sechs neue IT-Auszubildende begrüssen dürfen – und wir diese hochprofessionell ausbilden können. Bis jetzt konnten wir alle Auszubildenden auch übernehmen und ihnen einen tollen Start ins Arbeitsleben ermöglichen.
  3. „Go the extra mile“:Ohne Begeisterung, Spass und Einsatz vergeht bei mir kein Arbeitstag. Die tägliche Zusammenarbeit mit den Kunden und unserem Komax-Team macht mir sehr viel Freude – und wenn ich die Extra-Meile für einen unserer Kunden oder ein Team-Mitglied gehen kann, mache ich das gerne.
  • Was bedeutet die prestigeträchtige Auszeichnung Confare Swiss #TopCIO für Sie?

Erst einmal freue ich mich persönlich sehr über die Auszeichnung. Aber noch wichtiger finde ich, dass der Award ja vor allem eine Auszeichnung für mein Team darstellt. Viele Stunden harter Arbeit und manche Frustration galt es zu überwinden, bevor wir auf unserer Leitmesse „Productronica“ unsere innovativen digitalen Lösungen launchen konnten – oder wir live gehen konnten mit SAP – z.B. bei Komax Deutschland, wo wir vollständig remote im Lockdown das SAP S/4HANA Cloud live setzen konnten. Dies alles wäre ohne mein Team nicht möglich gewesen. Auch freue ich mich auf den spannenden Austausch mit den anderen CIOs und meine Keynote auf dem Confare IT-Gipfel Mitte September 2021 in Zürich. Viele Innovationen fallen ja nicht plötzlich „vom Himmel“, sondern basieren auf dem aktiven Austausch mit CIOs aus anderen Branchen und Bereichen. ◾

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