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Handwerk und Vertrauen – Die Rolle des Journalisten in Zeiten von KI und Fake News

by Annecilla Sampt

Medien, die heute nur die Wünsche der Anzeigenkunden in den Vordergrund stellen, sind morgen tot.

George Sarpong ist Chefredakteur der Schweizer Computerworld. Als Leitmedium der Schweizer IT-Branche befasst man sich hier intensiv mit den Herausforderungen von IT-Managern und den Trends und Hypes der Industrie. Das Team von Computerworld ist engagierter Partner rund um den Swiss CIO AWARD, den Confare gemeinsam mit EY auf dem 8. Confare Swiss CIO SUMMIT am 11. September vergibt. Im Vorfeld der Preisverleihung wollten wir von George wissen, wie sich Fachmedien erfolgreich in Zeiten der Social Networks und Informationsflut behaupten, was guten Journalismus ausmacht und was die Computerworld Leser im Moment am meisten interessiert.

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Welche Auswirkungen hat die Digitale Transformation auf die Rolle des IT-Journalisten?

Die Rolle der Journalisten - George SarpongDer Druck, zeitnah Nachrichten zu liefern ist gestiegen. Die Zeit für Recherche, Produktion und Publikation von Artikeln wird knapper. In Zukunft werden wir Nachrichten und Berichte von KI-Systemen lesen, hören und sehen. Im Fachjournalismus ringen Medienschaffende zunehmend mit Fachexperten aus der Branche um Aufmerksamkeit und Deutungshoheit. Anbieter und Exponenten der Branche publizieren eigenständig Content. Einige sind hervorragend, etwa Urs Prantl von KMU-Mentor oder Sophie Hundertmark von Paixon. Plattformen wie Linkedin fördern diese Entwicklung zusätzlich. Das sorgt für ein buntes Neben- und Miteinander. Für Fachjournalisten bietet die Entwicklung wiederum die Möglichkeit, selbst zu Medienmarken zu werden. Ein Beispiel wäre etwa Chris Mellor von The Register, der inzwischen mit seinem Storage-Medium blocksandfiles.com unterwegs ist. Es gibt also viele Herausforderungen und Chancen für IT-Journalistinnen und -Journalisten durch die Digitalisierung. Der technische Wandel erzeugt einen höheren Aufwand, erleichtert aber auch unsere tägliche Arbeit. Mit dem Smartphone kann man Nachrichtenbeiträge filmen. Plattformen wie Meetup oder Linkedin unterstützen uns bei der Suche nach Fachexperten für die Recherche. Auf der anderen Seite müssen wir uns auch mit den Gefahren der digitalen Transformation der Medien auseinandersetzen. Beispielsweise mit der Gefahr von Fake News oder gar Deep Fakes (wie das Video mit der US-Politikerin Nancy Pelosi), die sich rasch im Netz verbreiten können. Sie stellen eine Gefahr für Medien und letztlich auch für die Demokratie dar. Wir Medienschaffende müssen also laufend am Ball bleiben und die neuen Technologien beherrschen. Einerseits um Missbrauch zu verhindern, andererseits um die Vorteile für unsere Kunden – also Leserinnen, Hörer, Zuschauerinnen etc. – sinnvoll einzusetzen.

Was sind die Merkmale von qualitativen IT-Medien?

Am wichtigsten ist und bleibt der Einsatz für die Leserinnen und Leser und der Austausch mit ihnen. Die Reputation und das Vertrauen in das Medium sind zentral und werden zunehmend wichtiger. Wichtig ist daher, dass man die handwerklichen Regeln der Branche berücksichtigt, wie den Code of Conduct des Verbands Schweizer Medien und den Journalistenkodex. Medien, die heute nur die Wünsche der Anzeigenkunden in den Vordergrund stellen, sind morgen tot. Qualitativ hochwertige (IT-)Medien fokussieren auf ihre Leserinnen und Leser, bieten ihnen einen informativen Mehrwert, regen mit ihren Artikeln und Interviews zum Denken an und liefern Ideen für die Arbeit und das Business. Auf diese Weise sind die Medien wiederum auch attraktive Plattformen für Werbekunden aus der ICT und weiteren Branchen. Diese verlangen heute mehr als preisgünstige redaktionelle Träger für Anzeigen. Sie wollen die Möglichkeiten und Vorteile ihrer teils komplexen Lösungen erläutern. Hierbei nutzen sie die gleichen Mechanismen des Storytellings wie Medienschaffende. Gut gemachtes Content Marketing kann ebenfalls einen Mehrwert liefern, wovon am Ende die Leserschaft, der Werbekunde und das Medium gleichermassen profitieren.

Welche Inhalte interessieren Eure Leser am meisten?

Unsere Leserinnen und Leser interessieren sich dafür, wie sie mit Digitaltechnologie das Business ihrer Unternehmen voranbringen können.

Das beginnt bei tagesaktuellen Branchennews, Event-Berichten, Studien und Trend-Reports, und reicht bis zu Hintergründen, Interviews und Fachartikeln zu Themen wie der Einsatz von digitaler Technologie und Techniktrends, Management, Leadership, Diversity, IT-Business, Start-ups, IT-Recht und vieles mehr.

Was macht für die Computerworld eine gute Geschichte aus? Wie kann man Daten, Fakten und Markttrends zu spannenden Geschichten machen?

Eine gute Story nimmt die Lesenden bei der Hand, erklärt ihnen, weshalb die Geschichte von Bedeutung für sie ist. Die Geschichte oder das Interview erläutert ein Thema auf aktive, attraktive und anschauliche Art. Im Idealfall hat man am Ende das Gefühl, dass es sich gelohnt hat, seine knappe Zeit zu investieren. Hinter Daten, Fakten und Markttrends stehen immer auch Menschen. Unternehmenslenker die mit ihren Produkten und Lösungen Trends befeuern sowie Anwender und weitere Stakeholder, die sich mit den Entwicklungen auseinandersetzen müssen. Deshalb diskutieren wir mit CXOs von Anwenderunternehmen, Vertretern von Herstellern, aber auch mit Akteuren aus Politik und Wissenschaft über aktuelle Entwicklungen in der IT, Wirtschaft und Gesellschaft.

Was sind aus Deiner Sicht die wichtigsten IT-Trends, mit denen man sich als IT-Chef befassen sollte?

Die Redaktion der Computerworld tauscht sich laufend mit ICT-Verantwortlichen Schweizer Unternehmen und Organisationen aus. Ein Highlight ist unsere Swiss-IT-Studie. Seit über einem Jahrzehnt befragen wir CIOs und IT-Leiter, welche Projekte, Herausforderungen und Trends ihre Agenda bestimmen. An der Studie, die wir mit unserem Partner IDC durchführen, beteiligen sich jeweils mehrere hundert CIOs. Dauerbrenner sind der massive Fachkräftemangel, die komplexer werdenden Anforderungen an die IT-Security und die Entwicklung der richtigen Cloud-Strategie. Hinzu kommen Projekte mit neuen Technologien wie die künstliche Intelligenz oder die Blockchain. Bedeutend sind zudem die Compliance und der Datenschutz. CIOs müssen mit der Beschleunigung des technischen Wandels klarkommen und diesen meistern, während sie zugleich die bestehende IT betreiben und oft auch noch sparen sollen. Das kommt quasi der Quadratur des Kreises gleich. Von manchen wird unterschätzt, wie enorm wichtig die Kommunikation für die Zusammenarbeit von IT- und Fachabteilungen ist. Sie müssen es schaffen, die gleiche Sprache zu sprechen. Hierin wird künftig der Schlüssel zum Erfolg liegen. Denn nur gemeinsam lassen sich die Potenziale schöpfen, die sich durch die digitale Transformation ergeben.

Am 11. September findet das 8. Confare Swiss CIO Summit statt. 

Highlights: Workshops, Creative Hub, Verleihung des #CIOAward, Keynotes von Flughafen Zürich, Homegate, Baloise Group uvm.

Die Teilnahme ist für CDOs, CIOs, IT-Manager und Fachbereichsmanager kostenfrei.

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