Menschen, Technologie und Organisation: So gelingt die Software-Transformation Ihres Unternehmens

by Alp Keser

Bei Objectbay hat man sich vor allem einem Thema verschrieben: Software. In agilen, selbstorganisierten Teams wird für Kunden das entwickelt, was man zur Differenzierung in heiß umkämpften Märkten braucht – Individualsoftware. Im Interview verraten uns Geschäftsführer Daniel Haslinger und VP Growth und Business Developement Hannes Wambach warum Software eine entscheidende Rolle für den Digitalen Wandel eines Unternehmens spielt und was die Voraussetzungen dafür sind, dass dieser Wandel auch erfolgreich ist.

Welche Rolle spielt Software auf dem Weg des Unternehmens zu Digitaler Reife? Wie sehen Sie die unterschiedliche Bedeutung von Standard vs. Individual Software?

Kaum eine Branche oder ein Unternehmen kann sich heute noch den Auswirkungen des digitalen Wandels auf das eigene Geschäftsmodell entziehen. Viele etablierte Unternehmen wurden bereits von der disruptiven Wirkung neuer, digitaler Geschäftsmodelle eingeholt. Airbnb, Uber, Netflix und Amazon liefern prominente Beispiele dafür, wie der Einsatz digitaler Services oder Produkte das Marktgefüge in ganzen Branchen verändern kann. Jene Unternehmen, die bereits einen Teil ihrer Wertschöpfungskette digitalisiert haben, lukrieren daraus deutliche Wettbewerbsvorteile.

Jüngere Unternehmen bzw. Startups haben hier oft einen Vorteil. Digitale Geschäftsmodelle sind in ihrer DNA. Sie haben von Anfang an Produkte und Geschäftsprozesse geschaffen, die sich auf Technologien der Internet-Ära konzentrieren. Daher sind sie als Organisation oftmals schlanker und agiler und schnell in der Lage, auf Marktdynamiken zu reagieren, indem sie ihre Technologien skalieren, anpassen und verlagern. Um in dieser neuen Umgebung konkurrieren zu können, müssen jene etablierte Unternehmen, die Informationstechnologien nicht von Anfang an vollständig als Kerngeschäftselement etabliert haben, ihre Technologie-Stacks und Geschäftsprozesse neu gestalten, um mit der Geschwindigkeit und Reaktionsfähigkeit von digital nativen Unternehmen mithalten zu können. Sie brauchen daher eine Software Strategie für die digitale Transformation.

Standard- und Individualsoftware sind dabei gleichermaßen von Bedeutung. Ein wesentlicher Teil der Digitalisierung, mit dem Ziel bestehende Geschäftsprozesse hinsichtlich Effizienz und Effektivität zu verbessern, erfolgt durch den Einsatz moderner Standardsoftware. Individualsoftware spielt insbesondere dann eine Rolle, wenn es Richtung Customer-Facing und der Schaffung neuer digitaler Services und Produkte geht, bei denen User bzw. Customer Experience und deren USP eine zentrale Rolle spielen.

Letztlich geht es darum, mit den angebotenen digitalen Services oder Produkten neue Umsatzströme zu erschließen und das Angebot des Unternehmens in Richtung Software auszubauen bzw. zu transformieren. Die Rolle von Individualsoftware im Kontext digitaler Transformation wird deutlich, wenn man an digitale Startups denkt, die in der Regel nicht am Markt verfügbare Standardsoftware nutzen um innovative Lösungen für Ihre Kunden zu schaffen, sondern völlig neue digitale Produkte entwickeln und dadurch in Teilen die Marktmechanik deutlich bzw. disruptiv verändern. Gleiches gilt daher in diesem Zusammenhang auch für etablierte Unternehmen, die die Chancen der digitalen Transformation durch neue digitale Services und Produkte auch basierend auf neuen Technologien nutzen wollen. Beispiele dafür gibt es bereits reichhaltig.

  • Im Bereich der Bankenindustrie und dem Spannungsfeld zwischen traditionellen Geldinstituten und Fintechs, Mobile Banking (z.B: N26) oder Krypto.
  • Im Bereich Automobilindustrie, in der traditionelle Hersteller noch ein Auto bauen, wohingegen Tesla einen Datensammler auf 4 Rädern baut und der Fokus nicht auf “Hardware” sondern auf Software und Daten liegt.

Software und die Fähigkeit des Unternehmens, rasch auf sich verändernde Marktbedingungen durch digitale Angebote, Produkte und Services reagieren zu können, sind somit der Treibstoff für die digitale Transformation.

Die Rolle von Software im Kontext der Digitalisierung und digitaler Transformation lässt sich wie folgt zusammenfassen:

    • Digitalisierung: Im Zusammenhang mit der Digitalisierung geht es in wesentlichen Teilen darum, durch den Einsatz moderner Software bestehende Prozesse des Unternehmens in seinem bestehenden Geschäftsmodell in Richtung Effektivität und Effizienz zu optimieren und dadurch Wettbewerbsvorteile zu lukrieren. Abhängig vom konkreten Einzelfall kommt hier häufig Standardsoftware zum Einsatz. Eine fundamentale Änderung von Organisationsmodell, Leistungsangebot oder Ausrichtung des Unternehmens ist hier nicht gegeben. In der Regel beschränken sich die Maßnahmen auf die Implementierung einer Softwarelösung im Zuge eines entsprechendes IT-Projektes.
    • Digitale Transformation: Bei digitaler Transformation werden bestehende Prozesse bis hin zum Geschäftsmodell des Unternehmens auf den Prüfstand gestellt und durch völlig neue digitale Produkte und Services ergänzt oder abgelöst. Dies kann bis hin zu einer völligen Änderung des Geschäftsmodells führen. Einhergehend ist damit oftmals eine Veränderung des Organisationsmodells – weg von funktionalen Organisationsmodellen hin zu kundenzentrierten, cross-funktionalen Teams – sowie die Veränderung von Unternehmenswerten wie Transparenz, Vertrauen, Autonomie, etc. Digitale Transformation ist somit sehr viel weitergehender und bedeutet eine Implementierung von neuen Fähigkeiten der Organisation (Stichwort agile Transformation), die die Schaffung neuer digitaler Services und Produkte nachhaltig ermöglicht und nicht durch Abwicklung eines IT-Projektes getan ist. Der IT Organisation kommt in diesem Zusammenhang die Rolle eines Inkubators und Accelerators für innovative Lösungen und digitaler Transformation zu und sie hat sicherzustellen, dass die entsprechenden Technologien und Fähigkeiten auch im Kontext Individualsoftware durch interne und/oder externe Kompetenzen verfügbar sind.

Betrachtet man die Motive für den Einsatz von Individualsoftware, so sind diese durchaus vielschichtig:

  • Standardsoftware liefert in Punkto Funktionalität nicht das, was den Anforderungen des Unternehmens entspricht
  • Der Einsatz von Standardsoftware führt zu einer Abhängigkeit zu einem Standardsoftware-Hersteller
  • Standardsoftware liefert keinen oder keinen ausreichenden USP am Markt
  • Die Einflussmöglichkeiten auf die Weiterentwicklung der Standardsoftware sind eingeschränkt
  • Die Software ist das Geschäft, daher kommt nur Individualsoftware in Frage

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Es heißt, im Digitalen Zeitalter wird jedes Unternehmen zu einem Teil auch Software Unternehmen sein. Welche Ressourcen, welches Wissen und welche Menschen braucht es dazu, um diesen Wandel erfolgreich zu meistern?

Der Wandel von Unternehmen mit klassischem Geschäftsmodell zu Unternehmen mit digitalem Geschäftsmodell erfordert, dass diese zumindest in Teilen auch zu Softwareunternehmen werden. Dies bedeutet in weiterer Folge, dass Unternehmen entsprechende Kompetenzen, Technologien und Tools im Bereich Softwareentwicklung aufbauen sollten. Auch wenn Geschäftsmodelle heute sehr viel abhängiger vom Software-Business sind, müssen nicht alle Unternehmen deshalb gleich zum klassischen Software Anbieter werden. Vielmehr geht es darum, von Technologieunternehmen zu lernen, die notwendigen Kenntnisse aufzubauen und sich auch mit der Nutzung von neuen technologischen Möglichkeiten im Zusammenhang mit zum Beispiel Künstlicher Intelligenz, Machine Learning, Robotics, Augmented und Virtual Reality oder Industrie 4.0 auseinanderzusetzen, damit der digitale Wandel gelingen kann. Um die digitale Transformation voranzutreiben, müssen sich Unternehmen daher mit einer Reihe moderner Technologien auseinandersetzen. Dies ist allerdings kein einmaliges IT-Projekt, sondern ein Prozess von kontinuierlicher Verbesserung und Innovation. Bei der Umsetzung ist die Zusammenarbeit mit professionellen Softwareentwicklungspartnern ein durchaus empfehlenswertes Mittel, um rasch Ergebnisse zu erzielen und von diesen zu lernen.

Damit Unternehmen den Herausforderungen von sich immer rascher ändernden Rahmenbedingungen und Kundenbedürfnissen gewachsen sind, braucht es im Digitalen Zeitalter insbesondere die folgenden Fähigkeiten:

  1. Agiles Mindset
  2. Customer Centric Mindset
  3. Technologische und UX Excellence
  4. Laufende Lieferung in kurzen Zyklen
  5. Permanente Verbesserung

In Teilen ein Softwareunternehmen zu werden, bedeutet, dass Unternehmen verstehen müssen, wie sie Software bereitstellen können, mit der Menschen schneller, intelligenter und ansprechender arbeiten und interagieren können. Es dreht sich letztlich also alles um die Frage der User Experience. Unternehmen, die echte User Experience liefern wollen, sollten immer den Kunden in den Mittelpunkt stellen. Die eingesetzte Software muss daher auf einfache und ansprechende Weise gestaltet werden, personalisierbar sein und sowohl für Desktop, Tablet und Mobiltelefon optimiert sein.

Das fordert auch das Umdenken von Lösungen auf eine moderne Art und Weise indem agile Entwicklungsmethoden eingeführt, neuere Infrastrukturelemente wie Microservices eingebunden und DevOps etabliert werden. Das Ziel dabei ist immer bessere Lösungen schnell in die Hände der User zu bringen und gleichzeitig die Sicherheit und Qualität der gelieferten Software zu gewährleisten. Dies bedeutet auch, die Qualität der User Experience nicht nur mit ähnlichen Angeboten von Wettbewerbern, sondern auch mit der Software führender digitaler Unternehmen zu vergleichen. Können beispielsweise Kunden mit dem Unternehmen so einfach Geschäfte machen wie mit Amazon?

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Bei den Menschen braucht es im Kern ein entsprechendes Umsetzungs- bzw. Softwareentwicklungsteam, das nach Best Practice agiert und dafür verantwortlich ist, sämtliche Features des Entwicklungsvorhabens Ende zu Ende entsprechend der vereinbarten Eigenschaften (z.B.: Qualität, Sicherheit, etc.), also gemäß der “Definition of Done” zu liefern. Es trifft als Expertenteam im Zuge der Umsetzung technische Entscheidungen zum Wohle des Kunden bzw. der Anwender. Es ist somit für die technische Realisierung bzw. für das “Wie” der Umsetzung verantwortlich und arbeitet eng und laufend mit dem Kunden (Product Owner) zusammen. Aus diesem Rollenverständnis ergeben sich eine Reihe von Anforderungen an ein ideales Team, deren Berücksichtigung beim “Aufstellen” eines Umsetzungsteams und somit für den Erfolg eines Softwareentwicklungsprojektes nach Scrum (der defacto Standard im Bereich agiler Softwareentwicklung) von zentraler Bedeutung sind:

  1. Ende zu Ende Verantwortung – das Entwicklerteam verantwortet den Lifecycle von der Anforderung bis hin zur Lieferung und den Betrieb.
  2. Das Team agiert autonom – das Team entscheidet eigenständig (im Rahmen von Unternehmensvorgaben und gegebenen Rahmenbedingungen), wie es die Aufgabenstellung am besten und zum Wohle des Kunden bzw. Anwenders löst.
  3. Full-Stack bzw. T-shaped – Im Idealfall beherrschen alle Entwickler in einem Team sämtliche Fähigkeiten für die Ende zu Ende Lieferung des Produktes.
  4. Cross-funktional – damit das Team der Verantwortung gerecht werden kann, das Produkt Ende zu Ende zu liefern, müssen im Team sämtliche dafür notwendigen Skills für Konzeption, Design, Front- & Backend, Test, Dokumentation, Continuous Delivery, agile Methoden vertreten sein.
  5. Vollzeit und co-located – Die Teammitglieder sollten Vollzeit bzw. 100% ihrer verfügbaren Arbeitszeit für das Projekt zur Verfügung stehen.
  6. Teamgröße und Stabilität – Umsetzungsteams in Scrum sind klein, 3 bis 9 Personen, um effiziente Kommunikation im Team zu gewährleisten und sollen möglichst “eingespielt” sein, um maximale Effektivität zu gewährleisten.

Angesichts des Fachkräftemangels ist allerdings das Aufstellen eines derartigen Teams eine entsprechende Herausforderung, daher empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem externen Softwareentwicklungspartner, nicht zuletzt um rasch Fahrt aufnehmen zu können.

Für den Wandel hin zum digitalen Unternehmen sind zusammenfassend folgende Punkte zu beachten:

  1. Die digitale Transformation ist Chefsache
  2. Entwickeln Sie eine langfristige Software Strategie
  3. Beschäftigen Sie sich mit agilen Methoden und agilem Leadership
  4. Beteiligen Sie Ihre Mitarbeiter und formen sie diese zu agilen, autonomen und funktionsübergreifenden Teams
  5. Stellen Sie Kunden und Markt in den Mittelpunkt
  6. Entwickeln Sie gemeinsam mit Partnern/Kunden digitale Lösungen
  7. Wenden Sie Design-Thinking und Methoden zur Entwicklung von digitalen Geschäftsmodellen an
  8. Arbeiten Sie mit MVPs und nach Lean Startup
  9. Etablieren Sie DevSecOp und Continuous Integration & Continuous Delivery
  10. Machen Sie mehr aus Ihren Daten – und sammeln sie diese!
  11. Bauen Sie digitale Kompetenzen auf und nutzen Sie externe Experten um Tempo zu gewinnen und Best Practices zu etablieren.
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Wie sehen die Anforderungen an Technologie und Infrastruktur aus, um diese Transformation zu ermöglichen?

Ein Großteil der Diskussion über den digitalen Transformationsprozess in den letzten Jahren konzentrierte sich auf die Notwendigkeit, Cloud Computing zu nutzen und die IT zu modernisieren. Cloud- und andere architekturbezogene Upgrades sind aber nur die Grundbausteine, auf denen digitale Transformation fußt. Eine Strategie der digitalen Transformation erfordert mehr als einen „Lift-and-Shift-Ansatz“, bei dem ältere Software, die vor Ort betrieben wird, einfach aufgegriffen und in die Cloud verlagert wird.

Nichts desto trotz ist Cloud Computing eines der wichtigsten Elemente für die digitale Transformation, da es Unternehmen ein Maß an Flexibilität und Agilität bietet, das vorher nicht gegeben war. Es ist daher eine gute Basis für eine umfassende Software Strategie, die in Richtung Transformation ausgerichtet ist. Unternehmen müssen aber auch ihre IT-Stacks weiterentwickeln, wenn sich Technologien entwickeln und neue Angebote auf den Markt kommen. Dies bedeutet heute,

  • Containerlösungen wie Docker,
  • Microservices und
  • Automatisierungstechnologien wie Kubernetes

zu nutzen, um die Flexibilität und Geschwindigkeit der IT und die Liefergeschwindigkeit von neuen digitalen Produkten und Services kontinuierlich zu steigern. APIs spielen eine entscheidende Rolle bei “connect everything with everything” und ermöglichen den Austausch von Daten und Inhalten zwischen Hard- und Software, verschiedenen Webseiten, Programmen und Anbietern, sowie den Zugang für Dritte zu internen Daten oder Diensten (z.B: Open Banking).

Es ist daher notwendig, IT-Teams für die Arbeit mit diesen Technologien zu schulen. Experten weisen darauf hin, dass etablierte Unternehmen nicht in der Lage sein werden, mit digitalen Unternehmen mitzuhalten, wenn sie nicht ein Mindestmaß an eigenen Software Fähigkeiten besitzen. Es sollte sichergestellt werden, dass sie über die erforderlichen technischen Fähigkeiten und Entwicklungstools verfügen. Um die notwendige Geschwindigkeit und Ausrichtung auf die Geschäftsziele zu sichern, hat sich die Fähigkeit von Teams, agilen Entwicklungsprinzipien zu folgen, als äußerst erfolgreich erwiesen. Außerdem sollten IT- Teams mit entsprechenden Kenntnissen im Bereich Big Data, Business Intelligence, Machine Learning, KI, IoT, RPA und Co ausgestattet sein.

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