Digitalisierung: Mehr als ein Verkaufstrick? Die transformatorische Kraft des Digital-Quadrats

by Annecilla Sampt

Marco Kellermann ist Director Global IT bei FFG Europe & Americas und befasst sich nicht nur mit Digitalisierung in der Praxis, sondern auch persönlich mit dem philosophischen, gesellschaftlichen und systemtheoretischen Background des Wandels. Ein guter Grund, auf seinen Vortrag am 8. Confare Swiss #CIOSUMMIT gespannt zu sein. In seinem Blog-Beitrag stellt er die Frage, ob Digitalisierung lediglich ein Verkaufs-Schmäh ist, oder ob man mehr daraus machen kann.

Die tiefgreifende Weiterentwicklung eines jeglichen Business, sogar der gesamten Gesellschaft, ist durch die Digitalisierung möglich. So sehr sie durch dieses Potenzial in aller Munde ist, so wenig ist sie im Allgemeinen definiert. Sie dient so ziemlich jedem als Buzzword, der im Moment etwas verkaufen möchte, was zumindest eine Platine oder einen Code beinhaltet.

Um Digitalisierung und Innovation dreht sich auch die Confare Tageskonferenz #IDEE2019 – Mit Keynotes von Signa Holding, ÖBB, RHI Magnesita uvm. Am 20. Mai 2019 im Park Hyatt Wien.

Ein IT-Administrator brachte es letztlich auf den Punkt: „Wieso verkaufen die mir diese Anwendung jetzt als Digitalisierung? Die setze ich doch schon seit 15 Jahren ein. Früher war das einfach ein Programm, wo es vorher Papierarbeit war. Daran hat sich doch nichts geändert.“

Stimmt! Die Applikationen, die im Business angewendet werden, sind einfach eine Fortführung der früheren Papierarbeit in digitaler Art. Nicht mehr und nicht weniger.

Und das kann man auf alle anderen Digitalisierungsthemen ausweiten: Datensammlungen sind die Fortführung von Bibliotheken, Sensorik bedeutet einfach die Messung von Zuständen und die in aller Munde befindliche Cloud ist grob gesagt auch nichts anderes, als ein jeweiliger Rechner.

Also was soll der ganze Hype? Ist das tatsächlich nur eine listige Verkaufsmasche wie „Fettfreie Gummibärchen“ oder „Zuckerfreie Chips“? Die Antwort ist: Ja und Nein. Es kommt, wie so oft, darauf an.

Ein Auto ist mehr als vier Reifen

Beispielhaft für eine klare und allgemein geläufige Definition ist das Auto. Man stelle sich vor, jemand behauptet, er hätte ein neues Gefährt gekauft und dann präsentiert er lediglich vier Reifen. Man würde entweder einen schlechten Witz oder einen schlechten psychischen Zustand des scheinbaren Autokäufers vermuten, weil man wüsste, dass ein Auto aus mehreren grundsätzlichen Bestandeilten besteht, also Motor, Steuerung, Rädern und Karosserie.

Zudem ist bekannt, dass diese Teile aufeinander abgestimmt funktionieren, so dass aus der Ansammlung der Teile eine emergente Eigenschaft entsteht: das Fahren. Da nun niemand mit vier einzelnen Reifen fahren kann, ist klar: vier Reifen sind kein Auto.

Leider ist es mit dem Verständnis der Digitalisierung noch lange nicht so weit und viele digitale „Autoteile-Verkäufer“ preisen ihr Produkt als das digitale „Auto“ an, aber hinterlassen den Kunden lediglich mit einzelnen und funktional isolierten Teilen.

Wie oft erhofften sich schon Unternehmen von der Einführung einer neuen Applikation, dass sie nun per „Plug and Play“ in den Genuss der Vorzüge der Digitalisierung kommen und mussten nach Go Live erkennen, dass sich nichts geändert hat, außer die Kosten für die IT, welche nach oben geschnellt sind.

Das Digital-Quadrat

Auch für die Unternehmung kann man die funktionalen Bestandteile bestimmen, welche einen  emergenten Zustand erzeugen können. Sie werden hier einprägsam in einem funktionalen Viereck benannt, dem Digital-Quadrat. Diese Teile sind: Applikationen, Business Intelligence/Big Data, Cloud und IoT/Sensorik. Nur wenn all das vorhanden ist, kann digitale Emergenz entstehen. Die Applikation ist hier wie die Karossiere, in welcher das Management wie ein Fahrer sitzt.

Die Business Intelligenz ist dabei die Steuerung, die Cloud gibt die Power wie ein Motor und die Sensorik bedeutet die Räder, welche den Kontakt zur Straße herstellen.

Dieser Vergleich der Bestandteile ist nicht tiefergehend, er soll nur dazu dienen, die jeweilige Wichtigkeit und funktionale Verbundenheit der digitalen Bestandteile aufzuzeigen.

Und hier zurück zum IT-Administrator vom Anfang des Artikels. Er beschrieb die Eigenschaft einer bestimmten Applikation. Wenn wir diese Eigenschaften nun zu denen weiterer digitaler Bestandteile in Bezug setzen, wird die Applikation weiterhin das sein, was sie war, aber in einem Gesamtkontext mit anderen Lösungen eine neue Eigenschaft erschaffen können. Es geht also um einen Gesamtkontext der digitalen Landschaft, nicht um einzelne Bestandteile.

Der Administrator wird also in seiner Applikation keine digitale Transformation finden. Aber im erschaffen einer tatsächlich funktionalen Digitalisierungslandschaft, gemeinsam mit weiteren Fachleuten, die jeweils in ihren Bereichen isoliert keine Emergenz erschaffen können.

Umsetzung in der IT

Die korrekte Ausgestaltung der vier IT-Bereiche des Quadrats ist wichtig, um die gewollte Funktionalität zu erlangen. Applikationen sind tatsächlich alle Apps und nicht nur das ERP-System, Business Intelligence bedeutet eine vollständige Datenwirtschaft, der Cloud-Bereich ist die absolute Ausrichtung der Infrastruktur auf eine maximal flexible Verfügbarkeit und IoT meint wiederum konzentriert nur alle messenden und erkennenden automatischen Einheiten.

Die IT-Fachgebiete müssen unter dem Aspekt der digitalen Transformation zudem miteinander betrachtet werden. Sie alle sind in die digitale Strategie als gleichberechtigte Partner einzubeziehen und  miteinander, als eine Gesamtfunktion, abzustimmen. Die Verantwortung und Konzeption dieser Bereiche muss aufeinander und auf das gemeinsam zu erschaffende Emergenzpotenzial gerichtet sein.

Die IT braucht zukünftig einen deutlich modulareren und standardisierteren Aufbau. Das ist eine Grundvoraussetzung, damit die notwendige Agilität der einzelnen Bestandteile vorhanden ist, um eine gemeinsame Funktionalität abbilden zu können. Die Zeit proprietärer und auf sich selbst konzentrierter Lösungen, das Kreisen um sich selbst und seine eigenen Fachprozesse, findet im holistischen Verständnis des Digital-Quadrates keinen Platz mehr.

Verknüpfung durch Emergenz-Enabling

Per Digital-Quadrat ein Emergenz-Enabler zu werden, ist für die IT kein Selbstzweck. Das Ziel ist es, dem Business dadurch einen Vorteil zu verschaffen, es besser zu machen. Sei es durch mögliche Effizienzsteigerungen, dem Potenzial für neue Businessmodelle oder weitere positive Veränderungen.

Um das so effektiv wie möglich tun zu können, kann die IT nicht mehr nur als Service-Lieferant zur Seite stehen, sondern muss alle Unternehmensbestandteile und alle relevanten Umweltbereiche aktiv durchdringen.

Dazu braucht es ein holistisches Konzept, ein verschränkt-funktionales Modell, welches die gesamte Unternehmung auf den Nutzen des Quadrats hin ausrichtet. Dieses Konzept wird auf confare demnächst vorgestellt werden.

Trick oder echte Transformation

Ob die Digitalisierung ein teurer Verkaufstrick ist oder eine transformatorische Kraft bedeutet, hängt also davon ab, wie emergenzbezogen vorgegangen wird.

Das Digital-Quadrat kann dabei als holistischer Bauplan für den IT-Bereich gesehen werden, welcher  das Emergenzpotenzial erzeugt, um eine tatsächliche und für das gesamte Business vorteilhafte Transformation zu erzeugen.

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