IT-Karriere ist nichts für Frauen!

by Annecilla Sampt

  • Warum „Beruf oder Familie?“ eine Fangfrage ist
  • Warum die Digitale Transformation IT auch für Frauen als Karrierepfad interessanter macht
  • Was #TheNewITGirls beitragen und wie man sie dabei unterstützen kann

Schon früh in Kindheit und Jugend werden Rollenbilder gefestigt und bekräftigt. Klassisch patriarchale Unternehmens-Strukturen und gesellschaftliche Normen leisten das ihre, um Mädchen und Frauen von „unkonventionellen“ Karrierepfaden fernzuhalten. Astrid Wieland (Microsoft) und Doris Schlaffer (atwork) haben trotzdem eine Laufbahn in der männlich dominierten IT-Branche eingeschlagen. Mit ihrer Initiative #TheNewITGirls unterstützen sie Frauen, die auch dieses Ziel verfolgen.

Seit 13 Jahren verleiht Confare in Zusammenarbeit mit EY den Confare #CIOAWARD an die besten IT-Manager in Österreich, seit 9 Jahren auch in der Schweiz. Die Zahl der weiblichen Preisträger ist an einer Hand abzählbar. So nahm Ursula Soritsch-Renier, damals bei Sulzer, den Preis in der Schweiz entgegen. Und u.a. Susanne Tischmann von ÖAMTC, Isabella Mader und Sabine Ringhofer freuten sich über eine Auszeichnung als #Confare TopCIO. Auch unter den Nominierten für die Auszeichnung #CIO2020 – CIO OF THE DECADE sind nur wenige Frauen. Dabei braucht es gerade hier weibliche Role Model – denn wie Gartner erhoben hat, sind im Moment kaum 15% der CIOs weiblich.

Wir teilen die Ziele der #TheNewITGirls daher und wünschen uns, in Zukunft mehr und mehr auch weibliche Nominierungen und Einreichungen zu erhalten. Von den beiden Initiatorinnen wollten wir daher wissen, welchen Nutzen Unternehmen von mehr Diversity haben und was man konkret tun kann, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Weibliche Role Models aus der IT-Branche, in CIO Rolle und in Startups finden Sie im Confare Infocenter Frauen in der IT. Sehen Sie auch unseren Film „Frauen in der IT – Weibliche Top-Entscheider der IT-Branche zu Diversity, Gender und Mentoring“ auf YouTube.

  • Warum ist es ein wichtiges Ziel, Frauen für diese Berufsgruppen zu begeistern und sie dabei zu fördern, eine IT-Karriere zu starten?

IT besteht nicht nur aus Programmierung, Hardware – und Softwareentwicklung oder Netzwerkadministration. Vielen Frauen (und Männern) ist nicht bewusst, wie vielfältig Berufsbilder in der IT sein können. Durch die digitale Transformation und den technischen Fortschritt ergeben sich unzählige Möglichkeiten. Gerade für Frauen sind hier auch lukrative und flexible Karrieremöglichkeiten entstanden.

Mit #TheNewITGirls möchten wir die Diversität dieser Branche aufzeigen und dadurch unseren Teil dazu beitragen, dass mehr Frauen einen Berufsweg in diesem Umfeld einschlagen. Zahlreiche Studien und unsere eigene Erfahrung zeigen: Diversity Drives Innovation!

  • Trotz Fachkräftemangel und gesellschaftlichen Zielerklärungen sind Frauen in IT-Jobs immer noch selten? Woran liegt es, dass diese Veränderung so extrem langsam ist?

In unserer Gesellschaft sind Rollenbilder und -klischees noch fest verankert.  Mädchen wird immer noch suggeriert, dass sie einem sogenannten „Frauen-Beruf“ nachgehen sollen. Vieles davon wird unterbewusst weitergegeben. Ein Beispiel: Schon im Kindergarten hören Mädchen oft, sie sollen lieber mit den anderen Mädchen spielen , statt mit den Burschen oder nur mit „Mädchensachen“. Diese starre Kategorisierung muss aufgebrochen werden und Interessen geschlechterunabhängig früh gefördert werden.

Zusätzlich gibt es noch wenige weibliche Rollenvorbilder in technischen Bereichen, die Mädchen in jungen Jahren von außen beeinflussen könnten. Vereinzelt wird es durch Filme wie „Hidden Figures“ thematisiert.

Es braucht aus unserer Sicht jedoch Initiativen und Engagement entlang des gesamten Lebensweg, denn auch die Idee, dass man einen Beruf erlernt und diesen für den Rest seines Lebens macht, ist mittlerweile obsolet, wir leben in einer VUCA Welt, in der sich alles ständig und rasend schnell verändert.

  • Sind Frauen in IT-Jobs schon selten zu finden, so findet man sie in CIO Positionen fast gar nicht – Was sind die Hindernisse, denen Frauen bei einer IT-Karriere begegnen?

Zum einen liegt das sicher daran, dass wir oft eben auch in den Familien mit klassischen Rollenverteilungen zu kämpfen haben. Gerade die aktuelle Corona-Krise hat dies wieder deutlich gemacht und vermutlich sogar noch verstärkt. Viele Frauen müssen sich eigentlich schon am Beginn ihrer Karriere zwischen Beruf & Familie entscheiden. Jene, die sich für Beruf entscheiden – oder auch keinen Kinderwunsch haben – arbeiten unserer Erfahrung nach meist in männlich dominierten Teams. Selbst in diesen Teams kann man erneut von Rollenverteilung und Klischees sprechen. Männer gehen nach der Arbeit auf ein Bier oder ein Fußballmatch schauen, während Frau nach Hause geht und den Haushalt macht, Kinder versorgt und dort ihr Glas Wein trinkt. Natürlich wird bei solchen Abenden nicht nur über die Arbeit gesprochen, aber doch auch, und hier schauen Frauen oft durch die Finger, weil ihnen diese soziale Komponente dann fehlt.

Männer schließen so oft tiefere Freundschaften mit den Kollegen und Chefs und werden dann auch bei Beförderungen früher bedacht. Kann man derartige Rollenbilder aufbrechen, sodass auch mal der Mann nach Hause geht und die Frau den Abend mit Kolleginnen und Kollegen verbringt, dann kann dies positive Auswirkungen beim Aufstieg auf der Karriereleiter haben.

Man muss also nicht die Frauen dazu bringen, weniger Zeit mit der Familie verbringen zu wollen, sondern unsere Strukturen so verändern, dass beides möglich ist. Eine Frau wird immer gefragt werden, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut bringt, einen Mann fragt man das eher selten. Schon dadurch verstärkt man diese Muster.

  • Wo ist Handlungsbedarf? Wie kann die Lage verbessert werden?

Firmen müssen ihre alteingesessenen Strukturen aufbrechen. Teilzeit-Leadership muss normal werden, und auch Männer müssen ermutigt werden, Teilzeit zu arbeiten. Ein Team, gemeinsam geführt von einer Doppelspitze Frau/Mann bringt ganz neue Ideen, Perspektiven und Ansätze .

Zudem muss man schon früh anfangen, Mädchen und Burschen gleichermaßen Karrieremöglichkeiten aufzuzeigen. Aus unserer Sicht sollte man weniger daran arbeiten, dass Mädchen sich für IT interessieren, sondern eher daran, dass es geschlechterunabhängig völlig normal ist, sich für IT zu interessieren.

  • Was haben Unternehmen von mehr Gender-Diversity in der IT?

Dazu gibt es so viele Artikel, sehr gut hat mir eine vor Kurzem entdeckte Passage aus dem Buch “The Diversity Bonus” von Scott E. Page gefallen. Dabei erzählt er von einem Experiment, bei dem man aus einer langen Liste von zufälligen Buchstabenkombinationen möglichst viele prominente Persönlichkeiten mit den entsprechenden Initialen finden muss. Wenn man dafür einen Fußball-Fan gegen einen Judoka Fan antreten lässt, dann wäre der Fußball-Fan klar im Vorteil – es gibt einfach mehr bekannte Fußballerinnen und Fußballer als Judokas. Der Clou: wenn man statt Individualisten zwei Teams gegeneinander antreten lässt, ist das Ergebnis nicht mehr so eindeutig.

“Ein Team, das nur aus Fußball-Fans besteht, wird immer zu denselben Antworten innerhalb der Gruppe kommen. Fügt man dem Judo-Team aber eine Expertin für Filme aus den 1970er-Jahren, einen Spezialisten für Kunstgeschichte und eine Religionswissenschaftlerin hinzu, ergänzt sich ihr Wissen. Der individuelle Vorteil der Fußball-Expertinnen und Experten schwindet. Die diverse Gruppe hat gemeinsam eine deutlich bessere Chance, für mehr Kombinationen entsprechende bekannte Personen zu finden. Ihre unterschiedlichen Fachgebiete, Hintergründe und Erfahrungen werden zum entscheidenden Wettbewerbsvorteil.” Auszug aus diesem Artikel.

  • Welche Ziele verfolgt ihr mit #TheNewITGirls?

„Schülerinnen wird vom Informatikstudium abgeraten“, leider sind Schlagzeilen wie diese noch immer an der Tagesordnung, auch wenn es zaghaft Verbesserungen gibt. Dennoch gibt es uns: Frauen in technischen Berufen. Manche sind durch bewusst gewählte Ausbildungswege und Studienlehrgänge, andere sind zufällig in einem technischen Umfeld und Beruf gelandet. Wieder andere sind technikinteressiert und suchen eigenständig den Weg in diese Welt.

Doris und ich sind beispielsweise beide durch Zufall in der IT gelandet. Uns ist immer öfter aufgefallen, dass wir die einzigen Frauen bei Veranstaltungen oder Kundenterminen waren. Da haben wir uns gefragt: Wo sind denn nur die anderen Frauen in der IT? Wir haben uns zunächst auf die Suche nach einem bestehenden Netzwerk für Frauen in der IT gemacht, die aber nicht unbedingt reine Programmiererinnen sind, konnten jedoch nicht wirklich etwas finden, das unseren Vorstellungen entsprochen hat. Daraufhin haben wir beschlossen, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und haben gemeinsam #TheNewITGirls gegründet, um genau diese Frauen zu vernetzen.

Unsere #TheNewITGirls sind Projekt- Change-, Reinvention- oder auch Marketing-Managerinnen mit technischem Fokus, IT-Trainerinnen, Digitalisierungsspezialistinnen genauso wie Developerinnen oder Business Analystinnen. Uns vereint nicht der Berufstitel, sondern unsere Liebe zur IT. Wir vernetzen sie, ermutigen sie, ihre Erfahrungen auszutauschen,

Mentorinnen-Programme zu bilden und ihrerseits Neu- und Quereinsteigerinnen zu unterstützen. Unser geballtes Wissen teilen wir auf Veranstaltungen und hoffen, dass sich dadurch immer mehr Frauen für die IT-Branche interessieren und hier auch wohlfühlen.

Das Wortspiel #TheNewITGirls spielt bewusst mit Klischees und bricht sie. Wir wollen jungen Frauen zeigen, dass wir uns durch unser Können und nicht unser Aussehen definieren, gleichzeitig großartige Rolemodels aus der IT-Branche zeigen. Wir erhoffen uns dadurch einen positiven Beitrag zu einer Gesellschaft, die Kinder geschlechterunabhängig fördert und auf zukunftssichere Jobs im technischen Umfeld vorbereitet.

Um das zu erreichen, benötigen wir junge Talente, genauso wie bereits erfolgreiche im Beruf stehende Frauen. Nur gemeinsam können wir einen Umschwung erreichen und zeigen, dass IT einer der vielfältigsten Beschäftigungsbereiche überhaupt ist und jede dort ihren Platz finden kann.

  • Wie kann man uns dabei unterstützen?

  • Sharing is caring: Erzählt eurem Umfeld von uns und ladet eure Kolleginnen, Töchter und Nachbarinnen zu unserer LinkedIn Gruppe ein. Jeder Share hilft uns dabei, noch mehr Frauen zu erreichen und miteinander zu vernetzen
  • Tretet als Event Sponsoren auf
  • Teilt euer Wissen und eure Erfahrungen als Speakerinnen
  • Alle Infos dazu findet ihr auf unserer Webseite thenewitgirls.com

CIO OF THE DECADE
Das CIO Community Event am 20. Oktober in Frankfurt

Die Teilnahme ist für CIOs, CDOs und IT-Manager mit KEINEN Kosten verbunden.
Gilt nicht für Hersteller oder Dienstleister aus den Bereichen Software, IT-Dienstleistungen oder Unternehmensberatung.

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