Auf dem schmalen Grat zwischen Sicherheit und User Experience – Software Transformation bei Verbund

by Fernando Ducoing

Die Digitale Transformation wird bei Österreichs größtem Stromerzeuger großgeschrieben. Trotzdem muss bei aller Agilität, Innovation und Veränderung die Sicherheit gewährleistet sein. Thomas Zapf verantwortet Cyber Security und Digitalisierung bei VERBUND. Im Interview verrät der Confare #CIOAward Preisträger 2016 welche Chancen und Herausforderungen die Zusammenarbeit mit externen Software Entwicklern bringt.

Welche Rolle spielt Software auf dem Weg des Unternehmens zu Digitaler Reife? Wie sehen Sie die unterschiedliche Bedeutung von Standard vs. Individual Software?

Neben den Menschen und der Technologie ist die Software aus meiner Sicht ein wesentlicher Faktor, um digital fit zu werden. Standard Software macht überall dort Sinn, wo sich ein Unternehmen nicht von Marktbegleitern unterscheiden muss. Das betrifft zum Beispiel die klassischen internen Abläufe wie Finanz- oder Beschaffungsprozesse. Individual Software kommt dort zum Einsatz, wo es um Wettbewerbsvorteile geht. Das sind etwa kunden- oder produktorientierte Prozesse.

Es heißt, im Digitalen Zeitalter wird jedes Unternehmen zu einem Teil auch Software-Unternehmen sein. Welche Ressourcen, welches Wissen und welche Menschen braucht es dazu, um diesen Wandel erfolgreich zu meistern?

Thomas ZapfDer Faktor Mensch ist besonders wichtig, wenn es um den digitalen Wandel geht. Natürlich braucht es Technologie- und Softwareprofis, um Unternehmen voranzubringen. Aber auch bei digitalen Produkten und im Projektmanagement sind Experten gefragt. Ein bunter Mix aus diesen unterschiedlichen Disziplinen sowie aus erfahreneren und jüngeren Kolleginnen und Kollegen ist entscheidend für den Erfolg. Mir persönlich liegt darüber hinaus auch übergreifendes Wissen und das Verständnis für das Geschäft des Unternehmens am Herzen. Das ist nicht so leicht zu finden und muss vielfach erst aufgebaut werden.

Eine weitere wichtige Ressource sind die Technologien. Hier muss ich als Digitalisierer zwar nicht überall vorne dabei sein, aber ich sollte die gängigen Anwendungen am Markt gut kennen. Das ermöglicht es, verschiedene Modelle einzusetzen – auch hybride Ansätze zwischen On-Premise- und Cloud-Lösungen – und so alle Potenziale bestmöglich auszuschöpfen.

Wie sehen die Anforderungen an Technologie und Infrastruktur aus, um diese Transformation zu ermöglichen?

Technologien müssen in erster Linie sicher sein. Das trifft insbesondere für ein Unternehmen mit kritischer Infrastruktur wie VERBUND zu. Wenn in Österreich der Strom ausgeht, haben wir ein Problem. Darüber hinaus müssen Systeme eine schnelle Rechenleistung bieten. Als Nutzerinnen und Nutzer sind wir heute von unseren Smartphones verwöhnt – wir wollen auf nichts mehr warten. Die Infrastruktur darf keine Hemmschwelle sein, sondern muss rasche Services ermöglichen. Diesen schmalen Grat zwischen Systemsicherheit und bestmöglicher User-Experience gilt es laufend auszubalancieren. Die Grundvoraussetzung dafür sind stabile Netze und der österreichweite Breitbandausbau.

Welche Herausforderungen und Chancen bringt die Zusammenarbeit mit externen Software-Entwicklern dabei?

Bei VERBUND arbeiten wir im Rahmen vieler Projekte mit Fremdfirmen zusammen – zwei Drittel unserer Softwarespezialisten sind extern. Die große Chance auf der einen Seite ist, schneller zu lernen und vom Wissen des Marktes zu profitieren. Externe Entwicklerinnen und Entwickler bringen neue Herangehensweisen sowie reiche Projekterfahrung mit und kurbeln so die Prozesse an. Auf der anderen Seite gibt es auch Knackpunkte: Auch IT-Profis benötigen in der Regel viel Zeit, bis sie das notwendige Verständnis für die Prozesse eines Unternehmens aufgebaut haben. Zudem besteht das Risiko, dass das Know-how wieder verschwindet, sobald die Zusammenarbeit endet.

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Was sind die organisatorischen Voraussetzungen für die Zusammenarbeit zwischen IT, Kunden und Externen? Welche Methoden haben sich dabei bewährt?

Am wichtigsten sind klare Prozesse. Dazu zählen transparente Entwicklungs- und Spezifikationsrichtlinien sowie eine gemeinsame Basistechnologie. Alle müssen die gleiche Technologie- und Businesssprache sprechen – auch um Lösungen und Herausforderungen dem Kunden verständlich näher bringen zu können. Bei den Methoden setzen wir auf bewährte Herangehensweisen und neue Zugänge: von der klassischen Wasserfallmethode bis zu agilen Verfahren wie Scrum.

Was sind die entscheidenden Meilensteine dieser Transformation? Woran kann man Erfolg messen?

Die Basistechnologie muss bedarfsgerecht funktionieren. Nur dann wird sie von den Anwenderinnen und Anwendern akzeptiert und bringt einen Mehrwert in der Prozesswelt. Zudem halte ich einen offenen Zugang zu digitalen Lösungen für wichtig: Es darf keine Angst entstehen, wenn Abläufe automatisiert werden – die Digitalisierung dient dazu, uns im Arbeitsalltag zu unterstützen. Bei der Erfolgsmessung hilft uns ein klares Performancemanagement. Wir fragen uns bereits zu Beginn eines Projektes: Was sind die qualitativen und quantitativen Ziele? Welchen Return on Investment erwarten wir uns? Diese Faktoren messen wir periodisch, um den Erfolg unserer Lösungen zu bestimmen.

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