Ali Mahlodji beim Confare #CIOAWARD: In der IT zu arbeiten kann heute einer der sinnhaftesten Aufgaben überhaupt sein!

by Anthony Torno

Ali Mahlodji ist Mentor einer ganzen Generation, die sich gerade auf den Weg macht, die Arbeitswelt zu erkunden und neu zu gestalten. Er begeistert Schüler und Jugendliche genauso wie hochkarätige IT-Chefs aus Top-Unternehmen als Festredner beim Confare #CIOAWARD.

Auf dem größten und wichtigsten IT-Management Treffpunkt des Jahres: Mit seinem Vortrag hat er die Teilnehmer des Confare #CIOSUMMIT begeistert und Inspirationen geliefert zu zwei entscheidenden Fragen: Wie lassen sich Jugendliche für eine Karriere in der IT begeistern und was kann die IT dazu beitragen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen.

Im Gespräch mit Confare Gründer Michael Ghezzo geht es um Perspektiven, Möglichkeiten und den Frauenanteil in der IT. 

Die Berufswelt wird komplexer und vielschichtiger. Karriere Pfade verschlungener. Was empfiehlst du jungen Menschen, um sich hier zurechtzufinden?

Da junge Menschen eigentlich in der digitalen Welt aufgewachsen sind und diese gut kennen, würde ich ihnen wirklich raten, dass sie sich erstmal ansehen, was sie wirklich interessiert. Also, welche Hobbys haben sie. Mit welchen Dingen beschäftigen sie sich gerne. Es ist egal, ob es das ein digitales Thema ist, ob es Social Media ist, oder ob es Musik ist. Wo sie wirklich ihre Interessen haben, wo sie sich stundenlang verlieren können, dort sollten sie beginnen die Fragen zu stellen: Welche Jobs gibt es in diesem Bereich?

Wenn ich gerne Gitarre spiele, lauten die Fragen: Wie ist die Gitarre entstanden? Wer hat die designt? Wer hat die gebaut? Wer hat sich überlegt, wie man die verkauft? Hinter allen Dingen, die mich interessieren, mit denen ich viele Stunden Zeit verbringe, liegen immer Jobs. Und wenn ich mich für Computerspiele interessiere, gibt es auch dahinter jemanden, der die Algorithmen geschrieben hat, der sich das Spieldesign überlegt hat, die Spielfiguren, die Verpackung, das Marketing und und und.

Und das Zweite ist probieren, probieren, probieren. Am besten noch bevor du dreißig Jahre alt bist.  Dazu kannst Du schon die Schulferien nutzen. Arbeiten gehen, Dinge ausprobieren und am besten auch Spaß dabei haben. Ich habe meinen ersten Job schon mit vierzehn oder fünfzehn gehabt, in den Ferien auf einer Baustelle. Und habe dort Dinge kennen gelernt, die ich sonst nie erfahren hätte. Das würde ich jedem raten. Probiere, probiere, probiere. Probiere auch Dinge aus, die du auf den ersten Blick nicht magst. Denn das ist die beste Art und Weise, Neues zu entdecken, von dem du gar nicht wusstest, dass es dir gefällt.

Wie viel Potenzial haben denn deiner Ansicht nach IT und Digitalisierung, um die Welt zu einem besseren Ort zu machen?

Also ich denke, wer die Fundamente unserer Gesellschaft in der Hand hat, hat dazu beizutragen, dass die Gesellschaft anders funktioniert. Wer in IT und Digitalisierung arbeitet, stellt inzwischen Services und Dienstleistungen zur Verfügung, die für die Menschen normal geworden sind, quasi wie Strom. Wenn wir jetzt ins Wohnzimmer kommen, gehen wir davon aus, dass Strom funktioniert. Wenn ich den Wasserhahn aufdrehe, gehe ich davon aus, da kommt Wasser raus. IT und Digitalisierung wirken sowohl im privaten als auch im beruflichen Lebensbereich der Menschen. Und wenn man dort mal drinnen ist, kann man unfassbar viel dazu beitragen, Dinge besser zu machen. Sei es, dass man über die Technologien, die man einsetzt, viel grüner denkt. Ich weiß noch vor über zehn Jahren, als ich Unternehmensberater war, haben wir damals über grüne IT gesprochen, wie man Rechenzentren neu denken könnte. Es kann aber auch sein, dass man zum Beispiel im Unternehmen dazu beiträgt, dass wirklich viel weniger ausgedruckt wird.

Software Algorithmen haben wahnsinnig viel Power. Sie können dazu beitragen, dass die Fullcars besser ausgenutzt werden und mehr Leute gemeinsam das Auto nutzen. Überall dort, wo wir IT und Digitalisierung im Spiel haben, können wir wirklich beginnen, Synergien zu nutzen. Das ist das Fundament dafür, die Welt besser zu machen, denn als Mensch selbst erkennen wir nicht immer die Komplexitäten und Zusammenhänge. IT und Digitalisierung können das allerdings sehr wohl.

IT-Abteilungen suchen händeringend nach Mitarbeitern. Warum fällt das so schwer?

Es war früher nicht schwierig in allen Bereichen Menschen zu finden. Du warst mit der Schule fertig, dann warst du auf der Uni und dann haben sich die Unternehmen ausgesucht, wer kommt. Der Karrierepfad war vorgezeichnet.

Heute sagen die Menschen: es muss ein Leben vor der Rente geben. Die Menschen wissen, dass sich ihre Jobs alle paar Jahre verändern. Sie sind ständig auf Instagram, wo es scheint, dass alle ein besseres Leben haben als man selbt. Warum soll ich mich jetzt vor einen Computer setzen in einer kleinen Kammer und dort programmieren, wenn es draußen lustiger ist?

Das Spiel hat sich also gedreht. Die Unternehmen müssen sich bei den Bewerbern und Bewerberinnen bewerben und müssten ihnen eine Frage ganz einfach beantworten können. Und zwar, was ist die Basis-Berechtigung meines Unternehmens? Lieber Mitarbeiter, liebe Mitarbeiterin, wir können dir nicht mehr garantieren, dass du ewig für uns arbeitest, weil es lebenslange Jobs sowieso nicht mehr gibt, aber wir können dir erklären, warum du einen Teil deiner Lebenszeit bei uns einsetzen sollst. Was ist unser Warum, unser Sinn?

Sicherheit und lebenslanger Aufstieg, die früher der Arbeitswelt Bedeutung gegeben haben, sind nicht mehr wichtig. Bei vielen IT-Unternehmen sehe ich, dass sie versuchen sich nur mit Services und Produkten attraktiv zu machen. Aber kein Mensch kauft ein iPhone, weil es so gute Features hat, sondern, weil die Menschen das Warum von Apple verstehen. Die IT-Dienstleister und IT-Abteilungen haben leider nie gelernt, den Menschen klarzumachen, wie sinnhaft ihr Jobs sind. Denn das Arbeiten in der IT kann einer der sinnvollste Job im Unternehmen überhaupt sein. Wenn diese Infrastruktur nicht funktioniert, brechen alle anderen zusammen. Wer sein „Warum“ formulieren und kommunizieren kann, wird sich viel leichter tun, Menschen anzuziehen, die inspiriert sind. Diese werden wiederum selber Botschafter nach draußen. Mit den Mitteln der alten Welt die Menschen von heute zu begeistern, das funktioniert natürlich nicht.

Unternehmen machen sich doch Incentives und flexibelsten Arbeitsmodellen attraktiv für Bewerber. Was passiert mit Berufsbildern, wo es diese Möglichkeit nicht gibt?

Das macht alles Sinn, aber es gibt auch genug Menschen, die das gar nicht brauchen und wollen.  Home-Office, Gleitzeit, Incentives – Es ist oft das, was die Menschen formulieren, weil sie nichts anderes kennen. Aber sehr oft wollen sie einfach Sinn im Job. Sie wollen das Gefühl haben, ich werde hier entwickelt. Jemand kümmert sich um mich. Ich werde hier eine bessere Persönlichkeit, eine bessere Führungskraft und was auch immer. Man wünscht sich Kollegen, mit denen man zusammenwachsen kann und die man gewinnen kann. Es sind verschiedenste Dinge. Wo flexible Arbeitszeitmodelle nicht möglich sind, gibt es sie halt nicht. Aber das muss man ganz klar kommunizieren. Stattdessen muss man sich klar machen, was man zu bieten hat, was es Tolles an dem Beruf gibt.

Was sollten Unternehmen tun, um einer neuen Generation gute Arbeitsbedingungen zu bieten?

Also das Einfachste ist, die Generation selbst zu fragen: Was wollt ihr? Ich erlebe viele Diskussionen im Unternehmen, zu denen ich dazu geholt werde. Es heißt dann: Ja, und was wollen die Jungen zum Beispiel? Ich sage: Warum sitzt denn keiner von Ihren jungen Mitarbeitern bei Tisch? Dann sagen sie: Warum sollen sie neben mir sitzen? Na ja, weil das eben die Experten in dieser Frage sind. Die können mir nämlich genau sagen, was sie an dem Unternehmen schön und toll finden. Wenn ich junge Menschen im Unternehmen habe, würde ich sie sofort einbinden. Sofort! Ich würde auch die, die sich vielleicht beworben haben oder gekündigt haben, genau nach ihren Gründen fragen. Da liegen Schätze an Informationen.

Der Anteil an weiblichen IT-Entscheidern ist konstant niedrig geblieben. Wird sich das ändern? Was kann man dazu beitragen?

Es wird sich natürlich nur dann ändern, wenn man da Zeit, Geld und Aufwand investiert. Also ich erlebe immer wieder an Schulen, das Mädchen sagen, sie interessieren sich für Technik. Aber im nächsten Satz meinen sie, dass sie als Mädchen gar nicht dafür gemacht sind. Das wäre mehr etwas für die Jungs. Da reicht es manchmal schon diesen Mädchen zu erzählen, dass die ersten Softwareentwickler der Welt zum Beispiel Frauen waren, weil das für die Männer so kompliziert war. Oder wenn ich dem Mädchen erzähle, dass die Begründerin der Informatik, Ada Lovelace, eine Frau war. Dann merkst du, dass diese 14-jährigen Mädchen plötzlich ganz anders über die Zukunft nachdenken. Ein großer Teil des Problems ist, dass wir sehr früh mit Vorurteilen begonnen haben und diese niemals aufgelöst haben.

Was IT-Chefs tun sollten, ist sehr früh in der eigenen Region in die Schulen zu gehen und dafür zu sorgen, dass die Jugendlichen coole Berufsorientierung bekommen. Auch zu zeigen, dass Mädchen hier eine Perspektive haben. Wenn ich mir die ganzen Tech-Unternehmen ansehe, wie sich da der Frauenanteil verändert hat. Da gibt es ganz viele Karrierechancen.

Und es braucht die Vorbilder. Wenn man nichts tut, ändert sich nichts, wenn man etwas tut, wird man auch Erfolge sehen. Wie so oft ist ein langer Atem dafür entscheidend.

CIOSUMMIT Frankfurt 2022

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