Daten hinstellen, hoffen, dass sie jemand nutzt? Jeden Tag neue Reports, die keiner anschaut? uvex group CDO Preuschoff über den wahren Nutzen von Daten Management

by Julia Hübsch

Bernd Preuschoff ist CDO der uvex Group. Bernd Preuschoff ist Tänzer. Bernd Preuschoff ist Autor. „Als gäbe es keine Schwerkraft“ heißt sein Buch, in dem er diese drei Lebensbereiche in Einklang bringt – Business Leadership aus der Sicht eines Tänzers.

Für die Recherche zu dem nächsten Confare Factsheet rund um Enterprise Data Management, in Zusammenarbeit mit den EDM Experten von Cohesity, haben wir uns seine Tipps für den Umgang mit Daten eingeholt. Und natürlich findet er auch hier eine Analogie zum Tanzsport:

„EDM und Tanzen haben eines gemeinsam: Die Vielschichtigkeit auf dem Weg zur Bedeutung. Ein einzelner Schritt ist im Tanz notwendig, aber alleine sagt er wenig aus – man muss ihn als Bestandteil einer Bewegung sehen. Und diese Bewegung ist es, die Bedeutung hat. Genau das Gleiche ist es mit Daten: Eine einzelne Zahl, wie zum Beispiel die Zahl der Besucher in einem Webshop, sagt alleine nichts aus. Man muss sie als Teil der ganzen Bewegung – in diesem Fall der Customer Journey – sehen und erst dann kann ich erkennen, ob es wirklich ein Erfolg ist. Nur Schritte oder Daten zu sammeln, ohne diese in ein Bild einzuordnen, bliebe letztlich eine Aktivität ohne Wert.”

Persönlich trifft man Bernd Preuschoff und zahlreiche weitere hochkarätige IT-Entscheider bei den Confare CIOSUMMITs 2021 in Wien und Zürich.

Welche Anforderungen bringt das Data driven business für die IT-Infrastruktur?

CIOSUMMIT - Preuschoff

Data driven Business benötigt vor allem eine sehr starke Enterprise Architecture Disziplin als Enabler, die in der Lage ist, Bebauung und Datenflüsse transparent zu steuern und zu gestalten – und damit ein effizientes Abgreifen der Daten überhaupt erst möglich zu machen. Aus technischer Sicht muss vor allem die Infrastruktur (z.B. Leitungen/Bandbreiten) zu den Anforderungen an Datensammlungen passen – Business-Anforderungen, wie z.B. Updates periodisch per batch oder real-time, machen hier im Zweifel einen großen Unterschied.

Was sind die wichtigsten Aufgaben und Ziele für das Enterprise Data Management?

Das wichtigste Ziel muss es meiner Meinung nach sein, Daten Businessrelevant darzustellen und damit auch aufzuzeigen, welcher Wert in diesen Daten liegt. Viele EDM-Bereiche sind geneigt, eher sehr technisch zu kommunizieren und vor allem „Quantität“ zur Verfügung zu stellen. Das lässt den Fachbereich meist „lost“ zurück; hier darf sich EDM zutrauen, eine Business-Sicht einzunehmen. Im Fachbereich sollte es sowieso auch eine parallel Business-Analyse-Rolle geben, die permanent mit den Daten arbeitet. Um das voranzutreiben, sollte EDM pro-aktiv immer Business sprechen, Erkenntnisse zeigen und Business-Fragen stellen, dann kommt der Appetit erfahrungsgemäß beim Essen.

Welche Auswirkungen haben Remote Office und die Corona Krise auf das Data Management?

Sicherlich gab es durch Corona nochmals einen Push, denn viele Führungskräfte meinten ja, dass es reicht, durch „Sehen“ vor Ort ein Gefühl fürs Geschäft zu bekommen. Nun sind Daten oftmals die einzige Möglichkeit, sich einen Überblick zu verschaffen – insbesondere bei der Veränderungsgeschwindigkeit der Umwelt.

Wie haben sich die Anforderungen an Backup und Recovery verändert?

Die Mengen werden immer größer. Solange ich „nur“ Supply Chain messe, ist das überschaubar. Sobald ich aber Social Media, die Preise am Markt, Trends etc. einbaue, werden die Volumina immer größer und brauchen ja auch oft eine Historie, um interpretierbar zu sein. Hier muss man ein gutes Maß finden, wie lange welche Mengen an Originaldaten gespeichert werden.

Sumo Logic Digital CIO ThinkTank

Welche Rolle spielt die Cloud dabei? Was ist beim Cloud Einsatz zu beachten?

Cloud geht Hand in Hand mit dem Argument der Mengen davor. Sich diese Speicher on-premise hinzustellen, macht meist wenig Sinn. Die Cloud gibt auch ggf. die Geschwindigkeit, um schnell Daten zu aggregieren und nicht immer „eine Festplatte nachschieben“ zu müssen. Die große Frage ist dann allerdings Security: Wenn ich z.B. Social Media-Daten speichere oder Kauftransaktionen, wie sind diese abgesichert und sind die DSGVO-konform?

Cloud, On Premise, Storage, Archive … Daten sind in diversen Elementen der Infrastruktur verteilt. Was braucht es, um eine ganzheitliche Sicht auf die Unternehmensdaten zu ermöglichen?

Hier braucht es ein gutes Schnittstellen- bzw. Plattformkonzept (z.B: über APIs), welches ermöglicht, diese Quellen anzubinden. Jede Quelle 1:1 anzubinden, wird schnell extrem komplex. Hier gibt es Anbieter am Markt, die helfen können.

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Welche Methoden haben sich bewährt um den Betrieb der Dateninfrastruktur effizient zu gestalten?

Ich denke, dass es wichtig ist, hier in der Zusammenarbeit/Management „Betrieb“ und „Neuanforderung“ klar zu trennen. Oftmals machen die EDM-Mitarbeiter nämlich beides gleichzeitig – und haben ja durchaus auch ihre Freude daran. Allerdings kommt man dann schnell dahin, nur noch „an der Plattform zu schrauben“, APIs zu verändern etc. Was das Ganze auf lange Sicht kostet und ob der Mehrwert den Aufwand rechtfertigt, gerät dabei gerne mal aus dem Fokus. Ein guter Schritt kann es sein, den Business Service „Daten“ zu „bepreisen“, sprich: Nicht nur Daten hinstellen und hoffen, dass sie jemand nutzt – oder anders herum: Jeden Tag neue Reports stricken für den Fachbereich, die dann keiner anschaut, sondern die Erstellung von Reports/Analysen intern in Rechnung zu stellen. Am besten, so meine Erfahrung, ist es, gezielte Reports auch zum festen Bestandteil von MGt-Meetings zu machen (was selbstverständlich sein sollte, es aber noch oft nicht ist) – das sorgt für Relevanz und auch dafür, dass sich die Leute im Vorfeld mit den Daten auseinandersetzen. Das ermöglicht dann wiederum ein einfacheres Management, weil sich Aufwand und Nutzung beide sauber darstellen lassen.

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