Ghezzo im Silicon Valley: Wie in San Francisco der Digital-Boom seine soziale Sprengkraft zeigt

by Cansu Karacan

Kalifornien im September 2022. Hitzewelle. Etwa 100 CIOs und IT-Entscheider aus der ganzen Welt sind trotzdem dem Ruf gefolgt und stellen bei einem exklusiven Executive Briefing ihre Fragen an das Top-Management von Google Cloud. Auf dem Google Campus in Sunnyvale erfahren die Teilnehmer mehr über das umfangreiche Workspace Portfolio von Google, über die enthaltenen Security-, Analytics- und Collaboration- Funktionen. Man hat die Gelegenheit, Produkt-Prototypen live zu erleben und zum Ende auch eine exklusive Office Tour in den neuen Google Gebäude in Bayview … und Confare Gründer Michael Ghezzo mitten drin. Seine Eindrücke schildert er in den nächsten Tagen im Blog. 

First things first … ich muss zugeben, trotz meines hohen Lebensalters ist es, abgesehen von Zwischenlandungen in Miami auf dem Weg nach Süd- und Mittelamerika, mein erster Besuch in den Vereinigten Staaten. Ich komme einfach nicht viel raus aus dem Dreieck Wien, Zürich, Frankfurt. Von Beginn an bin ich begeistert von den Möglichkeiten der digitalen Passkontrolle, da tut sich ja doch einiges an gelebter Digitalisierung. Auch die Einreiseformalitäten halten sich in Grenzen. 

Trotz eines ordentlichen Jetlags nutze ich die Gelegenheit für einen Stadtrundgang in San Francisco. Immerhin handelt es sich um eine Stadt, deren Einfluss im letzten Jahrhundert überall auf der Welt spürbar war. Die Hippie Bewegung hat hier ihren Ausgang genommen. Das Silicon Valley war in den 80ern das Zentrum der weltweiten Produktion von Computer Chips. Legendär ist natürlich der Bay Area Trash Metal rund um Bands wie Metallica, Megadeth und Slayer. Der Dot.Com Boom hatte hier seine Homebase und die Digitalen Pioniere unserer Zeit haben sich rund um SF angesiedelt oder wurden hier gegründet. Ein spannendes Pflaster also.

Nicht zu vergessen: hier waren in meiner Kinderzeit Karl Malden und Michael Douglas regelmäßig im Einsatz – ich denke immer Montags um 21.30h oder so.

Golden Gate Bridge, Fisherman’s Wharf, Pier 39 mit seinen Robben, Chinatown … alles da, wo es sein soll! Und alles wirklich beeindruckend. Schnell gewinnt man aber den Eindruck, dass die Stadt nicht gerade ihre beste Zeit erlebt. Obdachlosigkeit ist ein Problem, selbst neben den zahlreichen Geschäften mit europäischen Luxusartikeln ist die Armut kaum zu übersehen. Die Preise sind hoch, das alltägliche Leben teuer. Tatsächlich ist SF die amerikanische Großstadt mit dem geringsten Anteil an Kindern und Jugendlichen … und weltweit die Stadt mit der größten Anzahl an Milliardären.

Das ist eine unmittelbare Folge des…

Erfolgs der Digital- und IT-Branche in diesem Teil des Landes. Die Mieten sind für Familien kaum erschwinglich, daher verlassen sie die Stadt und überlassen sie den „Tech-Bros“, den Elite-Managern der ICT-Konzerne. Nicht wenige von jenen, die nicht weg können, enden in Obdachlosigkeit. Die Gegend, in der die wertvollsten Unternehmen unserer Zeit, wie Google, Apple Facebook, Salesforce oder Tesla angesiedelt sind, steht vor einem echten humanitären Problem.

Die schicken Viertel gehören den sogenannten HENRYs «High Earners, Not Rich Yet». Was die Yuppies der Finanzindustrie Ende des 20. Jahrhunderts waren, sind nun die High Potentials der Digitalen Welt. Aber so sogar für sie sind Wohnraum und Büroflächen der Bay Area inzwischen nur mehr schwer erschwinglich.

Nach New York und Tokio ist San Franciso aber auch die Stadt mit den meisten wirklich reichen Einwohnern. Zahlreiche Milliardäre und Millionäre leben hier. Die Stadtverwaltung hat es derweil verabsäumt dafür zu sorgen, dass die Kluft zwischen Arm und Reich nicht zu weit aufreißt. Das ist an vielen Ecken spürbar, und dieses Erlebnis macht nachdenklich. 

Der Fortschritt offenbart hier seine gesellschaftliche Sprengkraft. Wir werden uns in den nächsten Jahren intensiv mit dem Digital Divide befassen müssen. Bevölkerungsschichten, Länder, gar ganze Kontinente drohen bei der Digitialen Transformation unserer Wirtschaft und Gesellschaft abgehängt zu werden. Wer hier nicht mit kann, sei es wegen des Alters, der technischen Ausstattung, der Infrastruktur oder des notwenigen Kleingeldes, verliert den Zugang zu Bildung, zum Wohlstand, zu wirtschaftlichen Aufstieg und kultureller und politischer Partizipation. Gerade in der IT-Branche ist es wichtig, dass wir uns dieser Herausforderung bewusst sind. 

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Übrigens ist die Stadtverwaltung inzwischen auch aktiv dabei diese Probleme zu bearbeiten. Es wäre genug Geld da, wenn man nicht ständig dabei wäre, Unternehmen mit Steuergeschenken und behördlichem Entgegenkommen möglichst paradiesische Zustände zu bieten, während der soziale Wohnbau zu kurz kommt. Einem anderen Problem hat man sich aktiv und erfolgreich angenommen. San Francisco zeichnet sich durch hohe Recyclingraten aus und hat die Müllfrage so hervorragend im Griff.

Ich wohne diese Tage in Palo Alto, jenem „Städtchen“ in der Nähe von San Francisco, in dem sich auf der Stanford University die Elite bildet und in dem zahlreichen Tech-Riesen ihr Hauptquartier haben. Viele der Innovationen, auf denen im Rahmen der Confare #CIOSUMMITs berichtet wird, haben hier ihren Ursprung. Man sieht zahlreiche prominente Marken der IT-Branche, Obdachlosigkeit und Armut dagegen gar nicht. Die Autos sind neu und hochklassig.

Nach dem Ausflug durch eine legendäre Stadt, mit ihren alten Triumphen und neuen Problemen stehen mir zwei spannende Tage gemeinsam mit Top-Executives im Google Hauptquartier bevor.

Davon in Kürze mehr.

Dranbleiben! Lesen Sie in den kommenden Beiträgen: Wie Google sich anschickt, die Zusammenarbeit neu zu gestalten und 10 Faktoren, die Google zu einem der innovativsten und erfolgreichsten Unternehmen unserer Zeit machen. Abonnieren Sie am Besten den Confare Newsletter, um nichts zu verpassen und folgen Sie uns auf LinkedIn.

Michael Ghezzo

Ihr

Mag. Michael Ghezzo

Gründer und Geschäftsführer

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