Welchen Stellenwert haben Vorbilder bzw. Role Models für junge Frauen in der IT

by Anthony Torno

„Mädchen bzw. Frauen sind bei technischen Themen weniger begabt als Burschen bzw. Männer.“

„Frauen kennen sich mit Elektrik nicht aus.“

Klassische Stereotype, denen wir immer wieder begegnen. Wenn sie gesellschaftlich verankert sind und wir sie verinnerlicht haben, ist es in Einzelfällen sehr schwer gegen die Schubladisierung anzukommen. Entscheidungen, wie die Besetzung einer Position und die Auswahl einer Fachkraft, werden dann nicht entsprechend der Realität getroffen, sondern aufgrund der Vorurteile. Für viele Frauen stellen die Wahl der Ausbildung oder der Studienrichtung eine Herausforderung dar. Auch wenn das Interesse an Technik groß ist, so schwingen Stereotype mit. Daher sind weibliche Vorbilder eine große Hilfe, sowohl bei der bewussten Entscheidung für eine technische Ausbildung als auch später bei der Jobsuche. Die folgenden Powerfrauen, aus Top-Firmen erzählen uns wie sie sich mit dem Thema Vorbilder und Role-Models beschäftigt haben.

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Karriere

„Ich denke, dass weibliche Vorbilder insbesondere für junge Mädchen eine große Rolle spielen können, um ihr Interesse und Talent überhaupt erst zu entdecken. Egal, ob es sich dabei um bekannte Role Models oder Frauen im persönlichen Umfeld handelt. Je früher man damit beginnt, auf Berufe abseits der klassischen Rollenbilder hinzuweisen, desto größer ist später die Wahrscheinlichkeit, eine solche Karriere tatsächlich anzustreben. Leider sind gerade im Kindesalter diese Geschlechterstereotypen fast allgegenwärtig – dazu reicht schon ein Blick in das Spielwarenregal. Meiner Ansicht nach können authentische Role Models hier schon sehr früh sehr viel dazu beitragen, dieses Selbstbild junger Mädchen zu ändern.“

Sabrina Mai, Projektmanagerin für digitale Projekte bei Verbund

Vorbilder helfen Selbstzweifel zu überwinden

Vorbilder zu haben, ist sehr wertvoll. Sie stärken uns den Rücken, in den Momenten innerer Unsicherheit.

„Von ihnen kann man sich inspirieren lassen, und in Momenten der Selbstzweifel die Zuversicht schöpfen.“

Ilona Simpson, CIO EMEA bei Netskope

Wenn sich Frauen in der IT zeigen und als Vorbilder in Erscheinung treten, hat das eine positive Auswirkung auf zukünftige Mitarbeiterinnen in diesem Bereich.

„Weibliche Vorbilder zeigen uns, dass man als Frau kein isolierter Sonderfall ist, wenn man einen Job im technischen Bereich anstrebt und Erfolg hat. Das ist ein wichtiger erster Schritt, um die Gender-Lücke zu füllen.“

Nadine Felicioni, Full Stack Applikations-Entwicklerin bei Zürcher Kantonalbank

Laut SHEconomy (Juni 2021) liegt der Frauenanteil im Bereich IT bei ca. 18 Prozent. Das ist besser als noch vor einigen Jahren, jedoch gibt es viel Luft nach oben. Umso wichtiger sind weibliche Role Models, die Frauen motivieren eine Karriere in dieser absoluten Wachstumsbranche zu starten.

Karriere

„Man lernt von ihnen, sie geben Orientierung, vielleicht auch Sicherheit und man lernt, mit verschiedenen Persönlichkeiten umzugehen. Früher waren meine Vorbilder überwiegend Männer, da es ja auch so gut wie keine Frauen in der IT gab. Heute sehe ich viele starke Frauen – in meinem Umfeld, aber auch in der Wirtschaft. Da gäbe es schon einige, die ich auch gerne einmal persönlich kennenlernen würde, wie zum Beispiel Hildegard Wortmann (AUDI) oder Pascale Ehrenfreund (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt).“

Melanie Fichtner, Leitung Operations IT bei BayWa IT

Auch Vorbilder sind divers

Wenn wir Menschen fragen, wer sie beruflich beeinflusst und geprägt hat, so werden die Antworten sehr unterschiedlich sein. Kurze, intensive Begegnungen mit oder Bücher von interessanten Menschen können genauso inspirieren wie Personen aus dem nahen Umfeld.

„Mich haben einige Biographien sehr motiviert, z.B. Simone de Beauvoir, Michelle Obama oder auch das Buch „Marathon Woman“ von Kathrine Switzer (erste Frau, die einen Marathon gelaufen ist) – ich durfte sie 2019 in New York persönlich kennen lernen – sehr beeindruckend. Obwohl das nicht unmittelbar mit IT zu tun hat, können wir viel aus den Geschichten der Frauen ableiten und lernen.

Auch habe ich sehr viel durch Selbstreflexion gelernt, da gilt: es steckt alles in uns drinnen, wir müssen es nur finden.“

Sylvia Resetarits, CEO bei Expleo Group

Menschen werden durch ihre Aussagen, ihre Taten oder ihre Werdegänge zu Vorbildern. Das Geschlecht spielt nicht immer eine Rolle.

„Vorbilder dienen als Orientierungspunkt für eigene Ziele. Sie müssen allerdings nicht das gleiche Geschlecht, die gleiche Herkunft oder die gleiche Ausbildung wie man selbst haben.“

Anna Berger, Team Leader Project Management IT & Operations bei TTTech

Eltern sind meist die engsten Bezugspersonen für Kinder. Sie geben Orientierung und Vertrauen. Gerade Väter, die selbst eine technische Ausbildung absolviert haben oder handwerklich begabt sind, können sowohl Mädchen als auch Buben den Zugang zu technischen Berufen erleichtern. In der Kindheit ist die Neugier so groß. Kinder probieren alles aus, wenn es zugelassen wird. Väter, die ihre Kinder zum Beispiel bei Reparaturarbeiten mit einbinden, sie immer mal wieder mit zur Arbeit nehmen und ihnen alles genau erklären, öffnen ihnen eine Tür, anstatt sie immer nur durchs Schlüsselloch schauen zu lassen.

Ulrike Meyer

„Mein erstes Vorbild war mein Papa, der von Beruf Programmierer war. So lernte ich spielerisch in jungen Jahren mit PC und Software umzugehen und entfachte die gleiche Leidenschaft für Technik wie er.

Mein ehemaliger Chef hatte ein Talent, auf sehr ruhige Art und Weise den richtigen Mittelweg zu gehen und dadurch Parteien und unterschiedliche Interessen zu verbinden.

Ich bin oft fasziniert von bestimmten Eigenschaften einer Person und mache mir diese zum Vorbild.“

Ulrike Meyer, CIDO bei Willenbrock Fördertechnik

Wenn wir mehr Frauen für technische Berufe begeistern wollen, sind die männlichen Vorbilder genauso wichtig wie die weiblichen. Aus ihrer Rolle heraus – als Lehrer, Trainer, Kollege, Chef, Vater, Großvater, Künstler etc. – können sie viel bewegen. Wer Mädchen, weibliche Jugendliche und Frauen motiviert, bestärkt, aus Fehlern lernen lässt und ihnen Vertrauen schenkt, festigt automatisch ihr Selbstbewusstsein. Gepaart mit einer guten technischen Ausbildung wird damit alles möglich.

„Male Advocates sind für mich ein unverzichtbarer Teil auf dem Weg in eine Welt mit gleichen Möglichkeiten für alle. Welcher Vater möchte nicht, dass seine Tochter dieselben Voraussetzungen und Chancen hat, wie sein Sohn? Welcher Unternehmer oder Chef möchte nicht, dass sein Unternehmen oder seine Abteilung von der Diversität unmittelbar profitiert, wie mehrere Studien bereits zeigen konnten. Auch Männer profitieren von einer geschlechtergerechten und familienfreundlicheren Arbeitswelt. Male Advocates spielen also in allen Bereichen eine Rolle – als Lehrkräfte, Eltern, Mentoren, Sponsoren, die tatsächliche Karrieretüren auch öffnen und sich für Frauen einsetzen. Daher möchte ich mich an dieser Stelle auch ganz besonders bei dir, lieber Michael, bedanken, dass du mit Confare diesem Themen der „gleichen Möglichkeiten für alle“ so große Bedeutung beimisst und noch mehr Aufmerksamkeit dafür schaffst.“

Lisa Cichocki, Co-Founder, The STEM fatale Initiative

Vorbilder machen das Erreichbare greifbar

Vorbilder wirken wie Spiegel. Sie geben Orientierung und erlauben Gedanken wie: So könnte es aussehen, wenn ich diesen Weg gehe. Sie beeinflussen Entscheidungen und machen Mut.

Graussam Daniela, SIGNA

„Vorbilder oder Role Models haben einen großen Einfluss darauf, welche Möglichkeiten wir für uns in Betracht ziehen und wie wir uns unsere eigene Zukunft ausmalen können. Arbeiten wir in einem Unternehmen sowohl mit weiblichen als auch männlichen Führungskräften, können wir uns diesen Karriereweg für uns leichter vorstellen.“

Daniela Graussam, Head of Corporate Application Management bei SIGNA

Öffnen wir den Vorhang und holen wir Frauen in der IT auf die Bühne, um junge Mädchen für Berufe in der IT Branche zu begeistern. Je mehr Berührungspunkte es gibt, je klarer die Bilder von möglichen Aufgabenbereichen sind, je deutlicher die Vielfalt in der IT aufgezeigt wird, umso eher fallen die Vorurteile.

„Den positiven Einfluss von Role Models kann man gar nicht hoch genug ansetzen. Wenn junge Mädchen sehen, dass den Weg, den sie sich für sich vorstellen können, schon eine Frau gegangen ist, dass es möglich ist, dann können sie das für sich viel konkreter in Betracht ziehen. Das Sichtbarmachen von Frauen im IT-Bereich, auch das Teilen von Lebensgeschichten und das Ausräumen von Vorurteilen ist von einem unschätzbaren Wert.“

Dr. Julia Freudenberg, CEO bei Hacker School

Unternehmen in der IT, die eine Geschlechtervielfalt in den verschiedenen Positionen bis hin zur Führungsebene haben, geben ein deutliches Signal an die junge Generation. «Hier geht es um das, was du kannst, nicht um das was du bist.» Je länger jemand in diesem Bewusstsein arbeitet, umso stärker wird es zur Normalität und höchstwahrscheinlich auch weitergetragen.

„Sichtbarkeit von Frauen in der IT ist nicht nur aus Gründen der Diversität wichtig, sondern hat natürlich auch einen Multiplikator-Effekt. Wenn es ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis (auch) in Führungsrollen gibt, steigert das die Motivation, denn ich mache als Unternehmen klar, dass es für jede:n möglich ist, sich zu entwickeln und aufzusteigen. Dann ist auch klar: Hier zählt Leistung, nicht Geschlecht. Und sie wirken auch unbewusst, denn langfristig ändern sich die oben genannten inneren Bilder. Hier sehe ich dann aber auch die Frauen selbst in der Pflicht, mit dem, was sie sich erarbeitet haben, in die Öffentlichkeit zu treten.“

Prof. Dr. Katja Nettesheim, CEO bei Culcha

Karriere

Wer Diversität in Führungsrollen sieht und erlebt, tut sich leichter mit der Vorstellung, in der Zukunft selbst so eine Funktion zu übernehmen.

Karriere

“Having female role models and examples is huge – I know for myself, having moving from a very male-dominated work place to Sony DADC back in 2012, suddenly having a large number of female management both at Sony and also in the clients with whom I was working, really made a big difference. I was able to see strong women in leadership roles, which gave me somewhere to aim for and something to aspire towards.”

Lianne Riches, NAV/BC ConsultantNAV/BC Consultant, Brookland Solutions Ltd

Jede(r) kann Vorbild sein

Vorbildwirkung beginnt schon in der kleinsten Zelle der Gesellschaft, in der Familie. Wenn Kinder aufwachsen mit einem Selbstverständnis der Vereinbarkeit des Privaten mit dem Beruflichen und erleben, wie gut es funktionieren kann, dann ist die Chance, es selbst zu übernehmen, viel größer.

„Ich bin verheiratet und wir haben drei Kinder, derzeit im Alter zwischen 11 und bald 18 Jahren. Das bringt tagtäglich viele Herausforderungen und organisatorische Hürden mit sich – gerade in Corona-Zeiten – aber es bereichert das Leben auch ungemein. Ich möchte damit zeigen: Kinder gehören zum Leben dazu (zumindest für die, die sich dafür entscheiden) – und viele Frauen und Role-Models zeigen inzwischen, dass gerade die IT-Branche Frauen eine gute Möglichkeit bietet, Familie und Karriere unter einen Hut zu bringen. Zugegeben: Einfach ist das nicht, aber es geht.“

Christine Wahlmüller-Schiller, Journalistin, Unternehmerin und aktive Proponentin der Initiative Women in ICT des VÖSI

Kinder und Jugendliche orientieren sich sehr stark an Erwachsenen und schauen sich viel ab. Je mehr Frauen in technischen Berufen sich zeigen und in den Dialog mit der jüngeren weiblichen Generation gehen, umso mehr erweitert sich deren Horizont für die späteren beruflichen Möglichkeiten.

„Vorbilder zu haben ist sehr wichtig, sie geben Mut und man lernt von ihnen. Ich würde es schön finden, wenn mehr Frauen sich trauen würden über ihre Erfolge zu sprechen und in eine Vorbildrolle zu gehen.“

Vanessa Tudor, Senior Projekt Manager & SCRUM MASTER bei Palfinger AG

Eltern, Verwandte und das Lehrpersonal in den Schulen sind im steten Kontakt und Austausch mit den Kindern und Jugendlichen. Auch mit größtem Engagement können sie nur einen kleinen Auszug der Vielfalt an Arbeitsbereichen vorstellen, der vielleicht eine spätere berufliche Orientierung beeinflusst. Unternehmen sind hier gefragt, die sich nicht nur mit Worten sondern über alle Sinne präsentieren.

„Vorbilder sind alles! Junge Menschen brauchen mehr als Gespräche mit Eltern und Lehrern, hier sind wir Firmenvertreter gefragt, gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und Patenschaften einzugehen. Wir alle können Vorbilder werden, wenn wir in den Dialog mit den Leistungsträgern von morgen treten.“

Denise Baidinger, Manager IT-Strategy: Data Governance bei Deutsche Bahn

Denise Baidinger

Frauen in der IT – Weibliche Top-Entscheider der IT-Branche zu Diversity, Gender und Mentoring

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