Wir können es uns nicht leisten auf 50 % der Talente zu verzichten!

by Lisa Baur

Die IT-Branche klagt darüber, dass man gar nicht mehr die Experten findet, die man für den Digitalen Wandel tatsächlich braucht. Gleichzeitig gelingt es immer noch nicht, Mädchen in hoher Zahl für technische Ausbildungen und Berufen zu begeistern und den wenigen Frauen, die sich nicht abhalten lassen, wird Karriere und Aufstieg schwer gemacht und oftmals ist auch noch die Bezahlung für weibliche Führungskräfte schlechter. Christina Wilfinger von Microsoft meint, das können wir uns nicht mehr lange leisten. Daher werden wir von Confare bei den CIO Events im DACH Raum und in unserem Blog das Thema weiterhin forcieren. Hier das Interview.

In Technologieberufen, bei Startups und in den Führungsetagen erhöht sich der Anteil an Frauen Studien zu Folge sehr langsam. Woran liegt das?

Leider ist es in der IT-Branche häufig noch immer so, dass klassische Rollenbilder Frauen daran hindern, eine Karriere in dieser „Männerdomäne“ einzuschlagen. Die Haltung „Was wissen Frauen denn eigentlich über Technik?“ ist oft noch normal. Diese gesellschaftlichen Stereotypen führen dazu, dass viele junge Frauen, die sich eine Karriere in diesen Branchen vorstellen könnten, schnell den Mut verlieren. Das ist schade und wollen sowie können wir als Gesellschaft nicht hinnehmen.

Alle Studien kommen zum Ergebnis, das Diversity einen wesentlichen Einfluss auf den Geschäftserfolg hat. Was macht den Erfolg von gemischten Teams aus?

In unserer zunehmend globalisierten Welt sollte nicht nur unsere Gesellschaft, sondern gleichzeitig auch unsere Belegschaften immer bunter und vielfältiger werden. Aus diesem Grund, sind wir stets auf der Suche nach qualifizierten MitarbeiterInnen und jungen Talenten, vollkommen unabhängig von deren Nationalität, Geschlecht, Alter oder Religion. Damit Diversität jedoch maßgeblicher Teil der jeweiligen Unternehmenskultur wird, ist es unerlässlich, dass Unternehmen im Rahmen ihrer Unternehmensphilosophie die Vielfalt ihrer Belegschaft auch wirklich erkennen, wertschätzen und langfristig richtig managen. Kulturelle Vielfalt ist für uns alle eine tolle Chance unsere Gemeinschaften und Wirtschaftsstandorte nachhaltig zu bereichern und attraktiver zu gestalten.

Wir sehen Diversität deshalb ganz klar als Wettbewerbsfaktor, denn gemischte Teams performen besser. Unsere Kunden kommen aus verschiedenen Branchen und Ländern, da ist es umso wichtiger, im eigenen Unternehmen Vielfalt zu leben.

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Kommt die IT in Zeiten von Fachkräftemangel überhaupt aus, ohne das weibliche Nachwuchspotenzial?

Kurz gesagt: Nein – wir können es uns nicht leisten, auf 50 % der Talente zu verzichten.

Österreich und gerade die Herausforderungen rund um den digtialen Wandel benötigt braucht jegliche Talente, nicht nur Technologie-Branche, denn es heißt ja auch schließlich „die“ Digitaliserung und „die“ Zukunft!

Wo sehen Sie gesellschaftliche Handlungsfelder, um Fortschritte zu erzielen?

CIO DACH - Christina Wilfinger: Vielfalt im Unternehmen lebenDie Rollenverteilung von Mann und Frau beginnt natürlich in vielen Fällen schon im Schulalter. Eine aktuelle Studie, die Microsoft in zwölf europäischen Ländern durchgeführt hat, zeigt, dass das Interesse von Mädchen für MINT Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft, Technik) im Alter von 11 bis 16 Jahren am stärksten ausgeprägt ist und danach rapide absinkt. Die Gründe hierfür sind vielfältig: einerseits stellen klassische Rollenbilder noch immer eine enorme Herausforderung dar, andererseits müssen wir verstaubte Arbeitsmodelle überdenken und echte Vorbildwirkung für Frauen erzielen, indem wir uns verstärkt im Bildungsbereich engagieren. In rund 8 von 10 Jobs werden im nächsten Jahrzehnt grundlegende Kenntnisse in den so genannten MINT-Fächern erforderlich sein. Es ist also dringend an der Zeit, für genug Nachwuchskräfte zu sorgen und Mädchen mit an Bord zu holen.

Was können Unternehmen dazu beitragen, damit sie die Vorteile gemischter Teams nützen können?

Frauen haben in punkto Bezahlung nach wie vor mit Benachteiligungen zu kämpfen: so verdienen laut OECD Studie Frauen in Österreich durchschnittlich noch immer rund 17 % weniger als ihre männlichen Kollegen in bestimmen Branchen ist der Unterschied noch deutlicher. Es ist also unsere gesellschaftliche Aufgabe, diese bestehende Voreingenommenheit aufzuklären und wirkungsvoll aufzubrechen.

Microsoft konnte 2016 offenlegen, dass der Gender Pay Gap im Unternehmen quasi geschlossen wurde. Für jeden Dollar den ein Mann bei Microsoft verdient, verdient eine Frau im gleichen Job, ebenso einen Dollar.

Oft sind Kinderwunsch und Karriere für Frauen nur schwer zu vereinbaren? Wo müsste man ansetzen, um eine bessere Vereinbarkeit zu gewährleisten?

Neben Bildung sehen wir in der Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Freizeit einen weiteren Lösungsansatz und so setzen wir bereits seit Jahren auf flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten: so werden beispielsweise alle Termine auch als Online-Meeting ausgeschrieben. Damit kann jede Mama und auch jeder Papa seiner Tätigkeit nachgehen – von überall auf der Welt. Zentral für uns sind natürlich auch Frauen in Führungspositionen: In unserem Unternehmen sind aktuell 35% der Belegschaft weiblich, in Führungspositionen liegt der Anteil bei 34 %. Das ist für ein IT Unternehmen schon sehr gut.

Frauen in der IT – mehr dazu bei den Confare CIO Events im DACH Raum.

 

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